Serie Gipfeltraum: Ein Blinder auf dem Mount Everest Ein Blind Date mit dem Everest

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Andy Holzer ist der einzige blinde Profi-Bergsteiger Europas. Im Mai will er auf dem Gipfel des Mount Everest stehen. Wir begleiten ihn mit einer Serie bei seiner Vorbereitung und beim Weg hinauf in eisige Höhen.

Der blinde Extrembergsteiger Andy Holzer aus Tristach in Osttirol will zwischen dem 15. und 26. Mai mit zwei Seilgefährten den Aufstieg auf den Mount Everest wagen. Foto: andyholzer.com 21 Bilder
Der blinde Extrembergsteiger Andy Holzer aus Tristach in Osttirol will zwischen dem 15. und 26. Mai mit zwei Seilgefährten den Aufstieg auf den Mount Everest wagen. Foto: andyholzer.com

Xegar/Stuttgart - Andy Holzer ist guter Dinge – trotz der dünnen Luft in dieser extremen Höhe. Die Nacht im Basislager des Mount Everest war ruhig, schreibt er in seinem Blog. „17. Tag. Aufstieg auf 5800 Meter. War heute super. Alles glücklich und gut.“

Der 50-Jährige aus dem kleinen Ort Tristach in Osttirol kennt die atemberaubende Szenerie. Es ist bereits sein dritter Versuch, den mit 8848 Meter höchsten Berg der Erde an der Grenze zwischen Nepal und Tibet zu erklimmen. Doch Andy Holzer ist nicht irgendein Everest-Kletterer. Er ist von Geburt an blind – aufgrund der Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa.

2. Mai: Aufbruch zum Mount Everest

Am 2. April bestieg er mit seinen beiden Begleitern Wolfgang Klocker (45) und Klemens Bichler (42) das Flugzeug in Richtung Lhasa-Gonggar, dem auf 3650 Meter gelegenen Flughafen im autonomen Gebiet Tibet in China. Von dort ging es über 1000 Kilometer auf staubigen Pisten zum Dorf Xegar und schließlich zum Basis Camp für alle Everest-Expeditionen, die über die Nordroute aufsteigen wollen.

Sollte Holzer diese Wahnsinnstat gelingen, wäre er der zweite Blinde nach dem US-Amerikaner Erik Weihenmayer (49) auf dem Mount Everest. Beide sind seit Jahren befreundet und hingen schon zusammen in mancher Steilwand.

2014 und 2015: Die beiden ersten Anläufe

Der Everest.Im Frühjahr 2014 und 2015 stand Europas einziger blinder Profi-Bergsteiger schon einmal hier. Bei seinem ersten Anlauf wurde das Bergmassiv gesperrt, nachdem 16 nepalesische Sherpas bei einem Lawinenunglück am Khumbu-Eisbruch ums Leben gekommen waren.

Das bisher schlimmste Bergunglück am Everest. 2015 hatte das verheerende Erdbeben in Nepal mit fast 9000 Toten dazu geführt, dass der Everest weder von der nepalesischen Südseite noch der tibetischen Nordseite bestiegen werden konnte.

Sechs der „Seven Summits“, der höchsten Berge aller Kontinente, hat Andy Holzer bereits bestiegen. Den Mount Elbrus (5642 Meter, Russland), Kilimandscharo (5895 Meter, Tansania), Aconcagua (6962 Meter, Argentinien), Mount McKinley (6194 Meter, USA), die Carstensz Pyramide (4884 Meter, Indonesien) und den Mount Vinson (4897 Meter, Antarktis) hat er schon bezwungen. Nur der allerhöchste, der Mount Everest, fehlt noch in seiner Sammlung. Wie schon 2015 geht es auch diesmal von China aus über die häufig begangene Nordroute.