Unterricht
Schulen erproben Neue Medien
Helmut Merschmann,
17.04.2010 08:08 Uhr
Ein Lehrer unterrichtet in einer sechsten Klasse der Albert-Schweitzer-Schule in Alsfeld mit Hilfe einer digitalen Schultafel. Foto: dpa
Berlin - Einige Eltern im Schweizer Städtchen Goldau haben ein Problem: ihr Kind, das die fünfte Klasse der dortigen Primarschule besucht, ist stolzer Besitzer eines I-Phones 3G, während die älteren Geschwister auf dem Gymnasium leer ausgehen. In einem Modellversuch hat die Primar- und Projektschule Goldau alle Fünftklässler mit einem Smartphone von Apple ausgestattet. Sie dürfen es zwei Jahre im Unterricht benutzen und auch nach Hause nehmen. Etwa zehn bis zwanzig Prozent betrage der Einsatz des Geräts im Unterricht, sagte der Projektleiter Christian Neff auf der Konferenz Re-Publica in Berlin: "Es ist wichtig, dass wir Kinder auf die Welt von morgen vorbereiten."
Auf den technischen Alleskönnern lässt sich lesen, schreiben, rechnen und zeichnen - alles Basiskompetenzen, die eine Grundschule zu vermitteln hat. Zudem können Schüler mit den Handys fotografieren, Musik aufnehmen und abspielen sowie imInternet surfen. An der Projektschule dient das I-Phone als Recherchemittel. Wenn die Schüler etwas nicht wissen, können sie es im Internet nachschlagen. Spezielle Applikationen vertiefen die Unterrichtsinhalte und fragen anschließend das Wissen ab. Praktischerweise können auf diese Weise gleich Punkte gezählt und die Zeit, die für die Antworten notwendig war, statistisch ausgewertet werden.
Zu den Zielen des Pilotprojekts, das von der Pädagogischen Hochschule Schwyz wissenschaftlich begleitet wird, zählt auch zu beobachten, wie die Geräte im Alltag genutzt werden. "Wir wollen die Kinder auch bei den problematischen Inhalten begleiten", sagt Christian Neff. Beispielsweise dabei, wenn sie auf Pornografie stoßen. Zunächst hatte man versucht, Filter zu entwickeln, die das Handy vor unerwünschten Inhalten schützen. "Das Gerät wurde dabei aber kastriert", sagt Neff. Mittlerweile ist man dazu übergegangen, die Schüler und Eltern Vereinbarungen unterschreiben zu lassen. Das funktioniere auch.
Als Sponsor für die I-Phone-Offensive in Goldau tritt der Schweizer Mobilfunkanbieter Swisscom auf, der ein geradezu natürliches Interesse am möglichst frühen Eintrainieren mobiler Medienkompetenz hat. An der Heinz-Galinski-Grundschule in Berlin-Charlottenburg wünscht man sich einen solchen Hauptsponsor ebenfalls. Dort hat man eine Laptop-Klasse gegründet und die Grundschüler der vierten und fünften Klasse mit Classmates von Unimall ausgestattet, kleinen Laptops mit Touchscreen und drehbarem Monitor. Bezahlen mussten sie allerdings die Eltern.
Im digitalen Klassenzimmer der jüdischen Grundschule sind die Laptops über WLAN mit dem Internet verbunden und untereinander vernetzt. Zudem lassen sich Inhalte auf dem sogenannten Smartboard anzeigen, einer elektronischen Wandtafel. Diese technische Ausrüstung wird bislang in den Fächern Sachkunde, Mathematik, Kunst und Deutsch eingesetzt.
Auf dem Bildschirm können beispielsweise Textblöcke hin- und hergeschoben werden, um auf diese Weise grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden. Daran haben die Schüler offenbar großen Spaß. "Sie üben häufiger und mehr", berichtet die Lehrerin Sandra Anusiewicz-Baer, "weil sei neugierig sind auf die Arbeit am Rechner." Sogar eher zurückhaltende Schüler können über den Umweg ihrer technischen Kompetenz stärker in den Unterricht eingebunden werden. Eine Stunde Schönschreiben pro Woche müssen sie sich aber gefallen lassen, damit trotz aller Medienkompetenz die Grundbildung nicht verloren geht.
Auch in Köln arbeitet man erfolgreich mit digitalen Medien im Unterricht. An der Kaiserin-Augusta-Schule steht das Web 2.0 auf dem Lehrplan. Die Schüler der Oberstufe des städtischen Gymnasiums betreiben inzwischen 16 Blogs in den unterschiedlichsten Fächern und schreiben an Wikipedia-Einträgen mit. Im Fach Musik suchen die Schüler nach Klangbeispielen, bauen diese in den Blog ein und kommentieren die Beispiele der anderen. Im Leistungskurs Chemie suchen die Schüler nach Kontextwissen im Internet, um ein Thema in seiner ganzen Breite darzustellen. Die Fundstücke werden im Blog verlinkt.
"Die Schüler sind länger beschäftigt und arbeiten sorgfältiger, gerade weil sie wissen, dass sie von anderen gelesen werden", sagt der Lehrer André Spang. Hinzu kommt, dass sich Einträge bei Wikipedia zwar korrigieren lassen, die Änderungen aber von jedem nachvollzogen werden können. Da will man nicht allzu dumm erscheinen. Schnell hatte man sich daher an der Kaiserin-Augusta-Schule dafür entschieden, die Schulblogs öffentlich zu machen, anstatt ein Intranet anzulegen, das nur von Schulangehörigen gelesen werden kann.
Von Vorbehalten gegen die frühe Digitalisierung an der Schule wussten alle Lehrer auf der Bloggerkonferenz Re-Publica ebenfalls zu berichten. Mal waren es die Eltern, die sich skeptisch zeigten, mal ein Trägerverein, der zu wenig Vermittlungserfahrung seitens der Lehrer bemängelte. Der Schweizer Pädagoge Christian Neff wurde sogar wegen der möglicherweise gefährlichen elektromagnetischen Strahlung, die von den I-Phones ausgeht, von einigen Eltern verklagt. "Die Schüler wissen aber, dass sie das Handy mit dem Display zum Körper tragen müssen", versicherte Neff in Berlin, "weil die Strahlung an der Rückseite der Geräte entsteht."
Auf den technischen Alleskönnern lässt sich lesen, schreiben, rechnen und zeichnen - alles Basiskompetenzen, die eine Grundschule zu vermitteln hat. Zudem können Schüler mit den Handys fotografieren, Musik aufnehmen und abspielen sowie imInternet surfen. An der Projektschule dient das I-Phone als Recherchemittel. Wenn die Schüler etwas nicht wissen, können sie es im Internet nachschlagen. Spezielle Applikationen vertiefen die Unterrichtsinhalte und fragen anschließend das Wissen ab. Praktischerweise können auf diese Weise gleich Punkte gezählt und die Zeit, die für die Antworten notwendig war, statistisch ausgewertet werden.
Begleitung auch bei problematischen Inhalten
Zu den Zielen des Pilotprojekts, das von der Pädagogischen Hochschule Schwyz wissenschaftlich begleitet wird, zählt auch zu beobachten, wie die Geräte im Alltag genutzt werden. "Wir wollen die Kinder auch bei den problematischen Inhalten begleiten", sagt Christian Neff. Beispielsweise dabei, wenn sie auf Pornografie stoßen. Zunächst hatte man versucht, Filter zu entwickeln, die das Handy vor unerwünschten Inhalten schützen. "Das Gerät wurde dabei aber kastriert", sagt Neff. Mittlerweile ist man dazu übergegangen, die Schüler und Eltern Vereinbarungen unterschreiben zu lassen. Das funktioniere auch.
Als Sponsor für die I-Phone-Offensive in Goldau tritt der Schweizer Mobilfunkanbieter Swisscom auf, der ein geradezu natürliches Interesse am möglichst frühen Eintrainieren mobiler Medienkompetenz hat. An der Heinz-Galinski-Grundschule in Berlin-Charlottenburg wünscht man sich einen solchen Hauptsponsor ebenfalls. Dort hat man eine Laptop-Klasse gegründet und die Grundschüler der vierten und fünften Klasse mit Classmates von Unimall ausgestattet, kleinen Laptops mit Touchscreen und drehbarem Monitor. Bezahlen mussten sie allerdings die Eltern.
Im digitalen Klassenzimmer der jüdischen Grundschule sind die Laptops über WLAN mit dem Internet verbunden und untereinander vernetzt. Zudem lassen sich Inhalte auf dem sogenannten Smartboard anzeigen, einer elektronischen Wandtafel. Diese technische Ausrüstung wird bislang in den Fächern Sachkunde, Mathematik, Kunst und Deutsch eingesetzt.
Neugierig auf die Arbeit am Rechner
Auf dem Bildschirm können beispielsweise Textblöcke hin- und hergeschoben werden, um auf diese Weise grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden. Daran haben die Schüler offenbar großen Spaß. "Sie üben häufiger und mehr", berichtet die Lehrerin Sandra Anusiewicz-Baer, "weil sei neugierig sind auf die Arbeit am Rechner." Sogar eher zurückhaltende Schüler können über den Umweg ihrer technischen Kompetenz stärker in den Unterricht eingebunden werden. Eine Stunde Schönschreiben pro Woche müssen sie sich aber gefallen lassen, damit trotz aller Medienkompetenz die Grundbildung nicht verloren geht.
Auch in Köln arbeitet man erfolgreich mit digitalen Medien im Unterricht. An der Kaiserin-Augusta-Schule steht das Web 2.0 auf dem Lehrplan. Die Schüler der Oberstufe des städtischen Gymnasiums betreiben inzwischen 16 Blogs in den unterschiedlichsten Fächern und schreiben an Wikipedia-Einträgen mit. Im Fach Musik suchen die Schüler nach Klangbeispielen, bauen diese in den Blog ein und kommentieren die Beispiele der anderen. Im Leistungskurs Chemie suchen die Schüler nach Kontextwissen im Internet, um ein Thema in seiner ganzen Breite darzustellen. Die Fundstücke werden im Blog verlinkt.
Kein Schüler will dumm erscheinen
"Die Schüler sind länger beschäftigt und arbeiten sorgfältiger, gerade weil sie wissen, dass sie von anderen gelesen werden", sagt der Lehrer André Spang. Hinzu kommt, dass sich Einträge bei Wikipedia zwar korrigieren lassen, die Änderungen aber von jedem nachvollzogen werden können. Da will man nicht allzu dumm erscheinen. Schnell hatte man sich daher an der Kaiserin-Augusta-Schule dafür entschieden, die Schulblogs öffentlich zu machen, anstatt ein Intranet anzulegen, das nur von Schulangehörigen gelesen werden kann.
Von Vorbehalten gegen die frühe Digitalisierung an der Schule wussten alle Lehrer auf der Bloggerkonferenz Re-Publica ebenfalls zu berichten. Mal waren es die Eltern, die sich skeptisch zeigten, mal ein Trägerverein, der zu wenig Vermittlungserfahrung seitens der Lehrer bemängelte. Der Schweizer Pädagoge Christian Neff wurde sogar wegen der möglicherweise gefährlichen elektromagnetischen Strahlung, die von den I-Phones ausgeht, von einigen Eltern verklagt. "Die Schüler wissen aber, dass sie das Handy mit dem Display zum Körper tragen müssen", versicherte Neff in Berlin, "weil die Strahlung an der Rückseite der Geräte entsteht."
Die Bloggerkonferenz Re-Publica in Berlin
Tagung
In dieser Woche fand zum vierten Mal die Bloggerkonferenz Re-Publica in Berlin statt ( http://re-publica.de »). Das Szenetreffen der Blogger hat sich zur Fachtagung über soziale Medien und die digitale Gesellschaft entwickelt. Sie zählte rund 2500 Teilnehmer.Prominente
Zu den Konferenzgästen zählte der amerikanische Blogger und Internetguru Jeff Jarvis, der sich über das "deutsche Paradoxon" wunderte: Viele Deutsche gehen nackt in die gemischte Sauna und sorgen sich zugleich um ihre Privatsphäre in sozialen Netzwerken.Botschaft
Breiten Raum erhielt das Thema Netzneutralität, womit die Einflussnahme von Politik und Wirtschaft auf den offenen Zugang zum Internet gemeint ist.Der Vortrag des StZ-Kolumnisten Peter Glaser ist in seinem Blog nachzulesen:
http://blog.stuttgarter-zeitung.de/netzkolumne/2010/04/14/%20die-digitale-faszination-vom-leben-auf-dem-achten-kontinent/ »
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Alles nicht so wild
Ob die digitale Schultafel den Unterricht erheblich verbessert, daran mag ich dann doch zweifeln. Medienkompetenz wird heute überall gefordert und - dennoch - zu wenig gefördert. Schüler müssen wissen, wie sie von Medien beeinflusst werden, wie sie sie nutzen, - vor allem aber sollten sie den "potentiellen" Mehrwert erkennen, der eben nur Situations-abhängig gegeben ist. Iphones sind sicher keine Lösung. Auch Augen wollen ein Leben lang halten. Der Ansatz SchülerInnen über Funktionsweise und Nutzen von Medien zu informieren und ihnen Gelegenheit zu geben diese anzuwenden ist sicher der richtige Weg. SuS müssen wissen, wie Medien funktionieren, wie diese zu nutzen sind und wann der Einsatz für die Perzeption Vorteile bringt.
nötig oder nicht?
Habe selbst ein Kind in der Grundschule, in der bereits ab der ersten Klasse die ersten "Schnupperstunden" mit dem Computer stattfinden. Ehrlich gesagt ist mein Kind seitdem erst auf den Geschmack gekommen. Kaum ein Tag an dem nicht "Spieleaffe" o.ä. gespielt werden will. Einerseits beklagt sich die Gesellschaft, dass immer mehr Kinder "computersüchtig" sind, andererseits wird durch solche Angebote erst die Neugier auf Computerbedienung geweckt. Meiner Meinung nach hätte das ohne weiteres noch bis zu den weiterführenden Schulen Zeit. Zumal die Sache mit dem Datenschutz in oben genanntem Beispiel ja ein wenig lax gehandhabt wird. Und in einem Raum mit mehreren Computern eine oder zwei Unterrichtsstunden zu verbringen, halte ich in solch jungen Jahren ebenfalls nicht für besonders förderlich für die Gesundheit.
immer noch die alte Leier
von der Nützlichkeit des Elektroschrotts im Klassenzimmer. Ich dachte der Hype hätte sich seit 2000 langsam wieder gelegt. Aber natürlich muß jetzt mit dem pseudoreligiösen I-Apfelmist alles nochmal ausgraben werden. Glaubt es mir: Die Technik - zumindest vor dem 14.-16. Lebensjahr - macht die Menschen dümmer. Das sehen inzwischen auch renommierte Persönlichkeiten und Vordenker wie Joseph Weizenbaum so. Noch alle begeisterten Verfechter von "neuen Medien" im Unterricht haben sich für mich bei genauerer Betrachtung als ungebildet und selbstgefällig herausgestellt. Ich fürchte dass viele Lehrer, die selbst informationstechnisch Jahrzehnte zurück lagen, jetzt plötzlich glauben vorpreschen zu müssen ohne zu kapieren, dass Spielereien an der Tastatur niemals zu ganzheitlicher Bildung führen können. Aber was solls. Die Telcos, Microsofts, Apples und Dells freuts und die Schulen fühlen sich wichtig und modern. Ist wohl der Zeitgeist :-(