Unterwäsche-Trends in Stuttgart Gute Laune im pinkfarbenen Schlüpfer

Wer gönnt sich noch eine gute Beratung bei der Unterwäsche? Und welche Trends gibt es? Drei Stuttgarter Läden geben Auskunft.

Es muss nicht immer schwarz, weiß oder nude sein: Ulrike Brucher legt Wert auf das richtige „Drunter“. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski (2)/ Achim Zweygarth
Es muss nicht immer schwarz, weiß oder nude sein: Ulrike Brucher legt Wert auf das richtige „Drunter“.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski (2)/ Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Aufregung in der Unterwäsche-Abteilung bei Breuninger wegen der neuen Calvin-Klein-Kollektion war groß. „Die jungen Mädchen sind fast ausgeflippt“, beschreibt Derya Demir, die stellvertretende Abteilungsleiterin, den Ansturm. „Und dann waren viele unglaublich enttäuscht.“ Denn die Ware, begehrt wie das neueste iPhone, war prompt ausverkauft. Ein Grund für den Ansturm auf die Wäsche: Werbung dafür macht der Popsänger Justin Bieber, seines Zeichens das Sexsymbol der jungen Generation.

Was ist da passiert? Deutsche gelten, im Vergleich etwa zu Französinnen oder Italienerinnen, gemeinhin eher als Unterwäschemuffel und sparsam in Sachen Dessous, wie auch die Verantwortlichen bei der irischen Billigkette Primark schnell festgestellt haben: „Deutsche Frauen kaufen bei uns besonders viel günstige Unterwäsche“, so Primark-Vorstand Breege O’Donoghue.

Ist der Justin-Bieber-Effekt also die Ausnahme? Es gibt sie durchaus, die Frauen, die für ein elegantes Teil tiefer in den Geldbeutel greifen. 26,6 Prozent der Bundesbürgerinnen haben 2013 angegeben, beim letzten Kauf eines Dessous 50 Euro oder mehr ausgegeben zu haben. „Deutschen Frauen ist es sehr wichtig, wie sich die Wäsche anfühlt, welcher Stoff verwendet wird“, weiß Ulrike Brucher – während etwa Britinnen der Tragekomfort egal sei: „Da kann auch alles aus Polyester sein, solange es nur schön aussieht.“

Die Stuttgarterin setzt in ihrem Geschäft Night Delight an der Sophienstraße 15 auf Hochwertiges. „Kind, schlechte Wäsche kannst du dir nicht leisten“, hatte die Mutter ihr von klein auf eingeschärft. Ulrike Brucher bietet etwa eine eigene Nachtwäschelinie „Night Delight Ecoline“ aus ökozertifizierten Stoffen an, die in Berlin hergestellt wird. Schick, geschmeidig und ökologisch korrekt, so mögen es die Käuferinnen, 80 Prozent davon Stammkundinnen. Und Ulrike Brucher räumt gleich mit einem Klischee auf: „Oberteil und Unterteil müssen nicht immer zusammenpassen! Wir Frauen haben so viele Dinge, mit denen wir uns herumschlagen müssen – da braucht es das nicht auch noch.“

Beliebt sind Nude-BHs, keine Spitzenkörbchen

Marjoke Breuning, die mit ihrer Schwester Anneke Breuning in sechster Generation den Familienbetrieb Maute-Benger an der Königstraße führt, hat einen weiteren Trend beobachtet: „Immer seltener“, so Breuning, „fragen die Frauen nach dünnen Spitzen-BHs, an denen sich auch mal eine Brustwarze abzeichnen kann.“ Beliebt seien hingegen Nude-BHs, also hautfarbene Modelle, die sich nicht unter der Kleidung abzeichnen.

Maute-Benger hat Kunden aus ganz Baden-Württemberg. Ein Grund dafür dürfte sein, dass dort 70 Damenunterwäschegrößen angeboten werden, während andernorts die Standard-BH-Maße 75C oder 80B vorherrschen. „Bikinis in 34G oder Brautcorsagen in 70F – ja, haben wir“, sagt Marjoke Breuning. Seit sie vor 13 Jahren den Betrieb mit übernommen hat, hat sie beobachtet, dass die Bandbreite bei den Größen zugenommen hat. Früher hörten die BH-Cupgrößen bei E oder F auf, heute bei H. Dass viele Frauen die falsche BH-Größe tragen, bestätigt sie – und liefert eine denkbar einfache Erklärung: Bei so vielen Größen sei die Wahrscheinlichkeit, auf Anhieb die richtige zu treffen, einfach gering. Die richtige Passform sei auch von der Marke und der Vorliebe abhängig.

Und: Das Alter hat heute nicht unbedingt mehr mit Dessousgeschmack zu tun. „Es gibt auch 80-Jährige, die wieder einen Bikini kaufen“, so Breuning. Im Gegenzug entschieden sich viele Jüngere für klassische Modelle statt modische. „Man weiß vorher nie, wer was kauft“, sagt Marjoke Breuning und lacht. Das bestätigen Angela Romano und Derya Demir von Breuninger. Dort wird unter anderem die exklusive britische Marke Agent Provocateur feilgeboten, die gewagten BHs kosten teils mehr als 400 Euro.

„Die Marke spricht ganz unterschiedliche Zielgruppen an“, erzählt die Abteilungsleiterin Angela Romano. Man könne nie vom Alter oder vom Äußeren auf das Drunter schließen. Breuninger ist vor allem bei sehr modebewussten Kundinnen beliebt, von denen einige jede Woche vorbeischauen, um zu sehen, was es Neues gibt. „Manche Kundinnen besitzen aus einer Kollektion alle Teile“, verrät Romano.

Manche wollen Beratung, manche nicht

Wer ins Fachgeschäft oder in die Fachabteilung geht, ist jedenfalls bereit, höhere Preise als bei den Ketten zu zahlen, erwarten dafür aber auch eine gute Beratung. Andere – das sind jene 20,7 Prozent, die beim letzten Unterwäschekauf nicht mehr als 14 Euro ausgegeben haben –, gehen eben zu H&M oder C&A. Marjoke Breuning sieht das gelassen: „Es wird immer Kunden geben, die ein anonymes Einkaufserlebnis wollen, so wie es auch immer Kunden geben wird, die eine Beratung vorziehen.“

Und die sei in den günstigen Läden einfach nicht möglich, stimmt Ulrike Brucher zu. Manche etwa suchten Unterwäsche für ein ganz bestimmtes Kleid. Sommerkleider seien besonders knifflig, es gebe immer raffiniertere Trägervarianten. Für Ulrike Brucher ist das eine Herausforderung, an die sie gerne herangeht: „Man fühlt sich doch automatisch besser, wenn man was Schönes drunter trägt – an grauen Tagen macht ein pinkfarbener Schlüpfer einfach gute Laune!“

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... kommt besonders gut unter einer weißen Hose ...

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