Unterwegs im "MapBus"
Tour kommt Mappus recht
Renate Allgöwer,
01.09.2010 15:26 Uhr
Stefan Mappus erfährt auf seiner Reise auch viel Zustimmung. Foto: factum/Granville
Stuttgart - "Oh, die Schreier" - der Besucherin der Hocketse ist es ganz peinlich, dass vor dem Forsthof in Kleinbottwar Demonstranten aufgezogen sind. Kaum steigt Stefan Mappus aus dem gemieteten "MapBus", mit dem der Ministerpräsident 14 Tage durch das Land zieht, rufen sie "oben bleiben" und tröten mit ihrer Vuvuzela. Elf sind es an der Zahl, drei von ihnen kennt Mappus schon von seiner vorigen Station in Murr. Jetzt ist es halb sieben, jetzt haben auch die Feierabend, die zwei Stunden zuvor nicht kommen konnten. Sie stehen unbeachtet abseits.
In Murr ist Mappus zu den drei Transparentträgern noch hingegangen, hat ihnen die Hände geschüttelt, hat ihnen erzählt, dass er gerade am Morgen einen Vorschlag gemacht habe, wie man wieder ins Gespräch kommen könne. "Das freut uns", erwidert der Demonstrant, "dass Sie die Bereitschaft zum Gespräch erklärt haben." Man nickt sich freundlich zu, schüttelt noch mal die Hände. Die Demonstranten demonstrieren, und Mappus wendet sich dem schönen neuen Rathausplatz zu, auf dem zwei Dutzend Bürger warten und der so augenfällig "die unermessliche Armut der Kommunen in Baden-Württemberg zeigt", wie der Ministerpräsident scherzt.
"Wir sehen uns", ruft die Demonstrantin ihm noch über die Straße nach. "Das ist okay", antwortet der lächelnd. Wenn die Demonstranten freundlich sind, habe er kein Problem mit ihnen, versichert Stefan Mappus. "Nerven tut's, wenn gepfiffen wird, wenn du aussteigst." Genervt hat's beim ersten Tag seiner Sommertour nur in Stuttgart. Da haben sie schon gepfiffen, als er vor dem Landtag aus dem Auto in den Bus umstieg. Sonst scheint sich auf der Reise durch die Kreise Böblingen und Ludwigsburg lange zu bewahrheiten, was der CDU-Landesvorsitzende sieben Monate vor der Wahl in Baden-Württemberg hofft und aufsagt wie ein Mantra: "Das Thema Stuttgart 21 wird über das Land gesehen nicht die entscheidende Rolle spielen."
Fünf Stationen hat Mappus in fünf Stunden absolviert, ehe er offen auf die ersten Stuttgart-21-Gegner trifft. Völlig unbehelligt informiert er sich über die Obdachlosenzeitung "Trottwar" in Stuttgart, obwohl seine Tourorganisatoren dort sogar mit einer Blockade gerechnet hatten. Im Autohaus in Leonberg lebt der Reisende richtig auf. "Wäre ich nicht in der Politik, wäre ich in der Autobranche", gesteht er. Die Inhaber sprechen nicht über Schienenprojekte, sie wollen, dass das Land seine Steuerpolitik ändert, damit Autoexporte erleichtert werden. Da ist Baden-Württemberg besonders rigoros, was der Ministerpräsident kaum glauben kann, aber "da kümmern wir uns drum". Auch bei den Lehrlingen macht er einen guten Eindruck, "sympathisch und seriös", kommentiert Lorenzo Salerno, der frischgebackene Autolackierer aus Renningen, den Auftritt seines Landesvaters. In Schönaich beeindruckt die Firma Faulhaber mit ihren winzig kleinen Motoren, in der Lehrwerkstatt erkennt der Regierungschef, dass Mädchen in den technischen Berufen noch immer Exoten sind.
Unausgesprochen schwebt "das Thema" dennoch über der Reise, die dazu gedacht ist, den Ministerpräsidenten, der seit Februar im Amt ist, richtig bekannt zu machen. Im Bus informiert sich Mappus über die Blockade der Bagger am Bahnhof. In Schönaich fragt die örtliche Presse nach Stuttgart 21. Mappus wirkt souverän: "Wir tun gut daran, wenn wir einen Dialog führen", man wolle nicht, dass die Stadt ein halbes Jahr durch Demonstrationen lahmgelegt werde. Später im Bus wird er sagen, eigentlich komme ihm die Sommertour jetzt gerade recht. Mappus liebt die Auseinandersetzung. "Das Thema ist nicht in einer Woche auszuräumen", würde man noch mal anfangen können "würde ich es ein, zwei Jahre früher offensiv angehen". Aber jetzt geht er es an.
So kommt der einsame Rufer bei der Hocketse in Kleinbottwar dem Kämpfer Mappus gerade recht. Vom Eingang her schallt es "Lügenpack", als Mappus in der voll besetzten Besenwirtschaft ans Mikrofon tritt. Der Rufer wird von der Polizei vom Hof komplimentiert, und Stefan Mappus ist in seinem Element. "Wer keine Sachargumente hat, geht so vor", sagt er dem ihm zugeneigten Publikum mit einem Anflug von Zorn und lässt sich ansonsten nicht aus dem Konzept bringen. In freier Rede arbeitet er ruhig ab: die geplante Klage gegen den Länderfinanzausgleich, die Bildungspolitik, dann kommt er beim Stichwort Infrastruktur darauf, dass es "ein Glücksfall ist, bei der Schiene, das Beste zu bekommen, was es überhaupt geben kann". "Das ist eine einmalige Chance, das kommt jetzt, oder es kommt nie." So viel zur Sache und sonst: "Ich bin nicht der Typ, der allem ausweicht, aber ich bin gegen Randale, ich möchte mit den Leuten reden und die Ängste überwinden". Applaus.
Er geht plaudernd von Tisch zu Tisch und sammelt bei den 270 angejahrten CDU-Freunden Punkte. An den Tischen sprechen sie über Kinderbetreuung, Berufschancen der studierenden Kinder und Bildung. Der Auftakt der Imagetour wird als Erfolg verbucht: "Volksnah und im Vergleich zu Späth und Oettinger am sympathischsten und am zugänglichsten", findet die Freibergerin, die schon 25 Jahre in der CDU ist, den neuen Ministerpräsidenten, der mal nicht aus dem Kreis Ludwigsburg ist. "Dass die dazwischengeschrieen haben, finde ich nicht gut, aber damit muss er leben." Und wie er das mit den Demonstranten gemacht hat, "das find ich gut", sagt eine Besucherin aus Murr.
In Murr ist Mappus zu den drei Transparentträgern noch hingegangen, hat ihnen die Hände geschüttelt, hat ihnen erzählt, dass er gerade am Morgen einen Vorschlag gemacht habe, wie man wieder ins Gespräch kommen könne. "Das freut uns", erwidert der Demonstrant, "dass Sie die Bereitschaft zum Gespräch erklärt haben." Man nickt sich freundlich zu, schüttelt noch mal die Hände. Die Demonstranten demonstrieren, und Mappus wendet sich dem schönen neuen Rathausplatz zu, auf dem zwei Dutzend Bürger warten und der so augenfällig "die unermessliche Armut der Kommunen in Baden-Württemberg zeigt", wie der Ministerpräsident scherzt.
"Stuttgart 21 wird nicht die entscheidende Rolle spielen"
"Wir sehen uns", ruft die Demonstrantin ihm noch über die Straße nach. "Das ist okay", antwortet der lächelnd. Wenn die Demonstranten freundlich sind, habe er kein Problem mit ihnen, versichert Stefan Mappus. "Nerven tut's, wenn gepfiffen wird, wenn du aussteigst." Genervt hat's beim ersten Tag seiner Sommertour nur in Stuttgart. Da haben sie schon gepfiffen, als er vor dem Landtag aus dem Auto in den Bus umstieg. Sonst scheint sich auf der Reise durch die Kreise Böblingen und Ludwigsburg lange zu bewahrheiten, was der CDU-Landesvorsitzende sieben Monate vor der Wahl in Baden-Württemberg hofft und aufsagt wie ein Mantra: "Das Thema Stuttgart 21 wird über das Land gesehen nicht die entscheidende Rolle spielen."
Fünf Stationen hat Mappus in fünf Stunden absolviert, ehe er offen auf die ersten Stuttgart-21-Gegner trifft. Völlig unbehelligt informiert er sich über die Obdachlosenzeitung "Trottwar" in Stuttgart, obwohl seine Tourorganisatoren dort sogar mit einer Blockade gerechnet hatten. Im Autohaus in Leonberg lebt der Reisende richtig auf. "Wäre ich nicht in der Politik, wäre ich in der Autobranche", gesteht er. Die Inhaber sprechen nicht über Schienenprojekte, sie wollen, dass das Land seine Steuerpolitik ändert, damit Autoexporte erleichtert werden. Da ist Baden-Württemberg besonders rigoros, was der Ministerpräsident kaum glauben kann, aber "da kümmern wir uns drum". Auch bei den Lehrlingen macht er einen guten Eindruck, "sympathisch und seriös", kommentiert Lorenzo Salerno, der frischgebackene Autolackierer aus Renningen, den Auftritt seines Landesvaters. In Schönaich beeindruckt die Firma Faulhaber mit ihren winzig kleinen Motoren, in der Lehrwerkstatt erkennt der Regierungschef, dass Mädchen in den technischen Berufen noch immer Exoten sind.
Mappus liebt die Auseinandersetzung
Unausgesprochen schwebt "das Thema" dennoch über der Reise, die dazu gedacht ist, den Ministerpräsidenten, der seit Februar im Amt ist, richtig bekannt zu machen. Im Bus informiert sich Mappus über die Blockade der Bagger am Bahnhof. In Schönaich fragt die örtliche Presse nach Stuttgart 21. Mappus wirkt souverän: "Wir tun gut daran, wenn wir einen Dialog führen", man wolle nicht, dass die Stadt ein halbes Jahr durch Demonstrationen lahmgelegt werde. Später im Bus wird er sagen, eigentlich komme ihm die Sommertour jetzt gerade recht. Mappus liebt die Auseinandersetzung. "Das Thema ist nicht in einer Woche auszuräumen", würde man noch mal anfangen können "würde ich es ein, zwei Jahre früher offensiv angehen". Aber jetzt geht er es an.
So kommt der einsame Rufer bei der Hocketse in Kleinbottwar dem Kämpfer Mappus gerade recht. Vom Eingang her schallt es "Lügenpack", als Mappus in der voll besetzten Besenwirtschaft ans Mikrofon tritt. Der Rufer wird von der Polizei vom Hof komplimentiert, und Stefan Mappus ist in seinem Element. "Wer keine Sachargumente hat, geht so vor", sagt er dem ihm zugeneigten Publikum mit einem Anflug von Zorn und lässt sich ansonsten nicht aus dem Konzept bringen. In freier Rede arbeitet er ruhig ab: die geplante Klage gegen den Länderfinanzausgleich, die Bildungspolitik, dann kommt er beim Stichwort Infrastruktur darauf, dass es "ein Glücksfall ist, bei der Schiene, das Beste zu bekommen, was es überhaupt geben kann". "Das ist eine einmalige Chance, das kommt jetzt, oder es kommt nie." So viel zur Sache und sonst: "Ich bin nicht der Typ, der allem ausweicht, aber ich bin gegen Randale, ich möchte mit den Leuten reden und die Ängste überwinden". Applaus.
Er geht plaudernd von Tisch zu Tisch und sammelt bei den 270 angejahrten CDU-Freunden Punkte. An den Tischen sprechen sie über Kinderbetreuung, Berufschancen der studierenden Kinder und Bildung. Der Auftakt der Imagetour wird als Erfolg verbucht: "Volksnah und im Vergleich zu Späth und Oettinger am sympathischsten und am zugänglichsten", findet die Freibergerin, die schon 25 Jahre in der CDU ist, den neuen Ministerpräsidenten, der mal nicht aus dem Kreis Ludwigsburg ist. "Dass die dazwischengeschrieen haben, finde ich nicht gut, aber damit muss er leben." Und wie er das mit den Demonstranten gemacht hat, "das find ich gut", sagt eine Besucherin aus Murr.
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