Urban Sketchers Die Zeichner erkunden ihre Stadt

Von nay 

Die Urban Sketchers porträtieren, was ihnen vor das Auge kommt. Der Stuttgarter Ableger um Heiko Fischer und Martin Zentner trifft sich meistens einmal im Monat an einem öffentlichen Ort. Die Werke werden anschließend im Internet veröffentlicht.

Gruppenbild mit Elefant: Die Urban Sketchers treffen sich auch im  Naturkundemuseum im Rosensteinpark. Foto: Nina Ayerle
Gruppenbild mit Elefant: Die Urban Sketchers treffen sich auch im Naturkundemuseum im Rosensteinpark. Foto: Nina Ayerle

S-Süd - Ein Kugelschreiber, eine Serviette oder ein Bierdeckel reichen als Equipment aus. Was man noch braucht: eine Stadt, ein Dorf, ein Ort. „Damit kann man am Anfang schon loslegen“, sagt Heiko Fischer. Loslegen, mit dem Zeichnen der Umgebung, wie man sie selbst wahrnimmt. Fischer, der heute am Marienplatz lebt, hat mit dem Zeichnen von urbanen Szenen angefangen, als er in Zürich lebte. „Ich war einsam, fand die Schweizer etwas doof und wollte wieder mehr Künstlerisches machen“, erzählt der 42-Jährige.

Die Urban Sketchers gibt es welt- und deutschlandweit schon seit mehreren Jahren. Den Stuttgarter Ableger der „städtischen Skizzenzeichner“ haben Heiko Fischer und der Grafiker Martin Zentner auf Anregung der Wählervereinigung Die Stadtisten vor nicht ganz zwei Jahren ins Leben gerufen. „Es ist ja auch eine Möglichkeit, an seiner Stadt teilzuhaben“, sagt Fischer.

Einmal im Monat trifft sich die Gruppe zum Skatchcrawl

Die ersten Zeichnungen von beiden entstanden rund um den Marienplatz. Mit einem kleinen Stammtisch habe es in Stuttgart dann angefangen, inzwischen hat Fischer rund 70 Personen auf seiner Mailingliste. Ein harter Kern trifft sich wöchentlich in einer Kneipe zum „Drink and Draw“-Abend, also zum Trinken und zum Zeichnen. Einmal im Monat verabredet sich eine größere Gruppe zum Sketchcrawl an einem öffentlichen Ort in Stuttgart.

Bereits zum zweiten Mal waren die Sketchers am vergangenen Sonntag im Rosensteinmuseum. Der 27-jährige Ahmed Yetkin war zum ersten Mal dabei. Der Reutlinger zeichnet schon länger, für den Nachmittag in Stuttgart hat er sich extra Stifte und ein Skizzenbuch besorgt. Im Rosensteinmuseum sitzt er etwas für sich und versucht sich zunächst an einem Krokodil. „Ich finde es schön, sich in der Gruppe zu treffen, aber beim Zeichnen bin ich gerne ungestört“, erzählt er. Bei seinem ersten Sketchcrawl habe er auch mit Absicht querbeet in seinem Buch gezeichnet. „Ich wollte es absichtlich nicht hübsch machen. Damit ich ganz locker bin“, sagt Ahmed Yetkin.

Auch Anfänger sind willkommen

Druck und Perfektion spielen bei den Urban Sketchers auch keine große Rolle. Viele haben zwar einen künstlerischen oder kreativen Hintergrund. Mitmachen darf aber jeder. Heiko Fischer hat in England Kunst mit Schwerpunkt Text studiert, Martin Zentner ist Kommunikationsdesigner und betreibt die Galerie Dora Asemwald im Heusteigviertel. „Ich fände es gut, wenn mehr Anfänger dabei wären“, sagt Zentner, der schon die Schulzeit damit verbracht hat, seine Lehrer zu skizzieren. Um Leistung gehe es schließlich nicht. „Viele sind vom Kunstunterricht verdorben und glauben, sie können nicht zeichnen“, sagt Zentner. Seine eigene Skizzen zu kritisieren, ist bei den Urban Sketchers verpönt. Wer das tut, muss einen Euro Strafe zahlen. Am Ende wird nicht nur gemeinsam gezeichnet, sondern die Bilder werden auch im Internet auf Facebook oder auf dem Tumblr-Blog der Stuttgarter Sketchers hochgeladen.

Weltweites Netz aus Zeichnern

Entstehung
Die Urban Sketchers sind eine weltweite Gemeinschaft von Künstlern, die Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder die sie bereisen. Die Zeichnungen sollen eine Art visuellen Journalismus darstellen. Die Künstler zeigen das Leben vor Ort, wie sie es vor ihren Augen geschehen sehen. Entstanden ist die Bewegung im Jahr 2007 in Seattle, USA, und hat sich von dort aus über die Welt verbreitet. Der Gründer heißt Gabriel Campanario. Er hat das Buch „Urban Sketching. Zeichnen und Skizzieren unterwegs – eine Weltreise“ veröffentlicht.

Manifest
vDie Mission des Künstler-Netzwerks ist es, „die Welt zu zeigen, Zeichnung für Zeichnung“. Für die Art und Weise, wie dies zu geschehen hat, hat die Bewegung ein eigenes Manifest. So muss die Skizze vor Ort entstehen, Fotos als Vorlage sind untersagt. Die direkte Beobachtung ist wichtig. Die Mitglieder unterstützen sich zudem gegenseitig und zeichnen zusammen.

Kontakt
Die Urban Sketchers in Stuttgart finden sich bei Tumblr unter http://stuttsketch.tumblr.com. Wer von den Terminen erfahren möchte, kann sich über urban.sketchers.stuttgart@gmail.com registrieren lassen.

Sonderthemen