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Stuttgart - Frau F. will sich das Leben nehmen. Sie kann nicht mehr. Alles nur wegen diesen verflixten Strümpfe, mit denen die alleinerziehende Mutter aus der Eifel ihre kümmerliche Sozialhilfe um ein paar Euro aufbessern wollte.
Das Geschäft ruiniert sie – wegen diesem verdammten Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, von dem sie noch nie gehört hat. Bei den von ihr auf dem Internetportal Ebay angebotenen Strümpfen haben die Widerrufsbelehrungen gefehlt. Sie wird abgemahnt und soll knapp 1000 Euro für ihren Verstoß zahlen. Zu viel für Frau F. Sie wolle sich umbringen, sagt sie Rudolf Koch am Telefon. Der ruft sofort den Pfarrer im Wohnort der Dame an. Sie tut es nicht.
Wenn man wissen möchte, warum Abmahnungen lebensmüde machen können, fährt am besten nach Gelsenkirchen zu Rudolf Koch. Er ist ein Experte der ersten Stunde. Rudolf Koch, 62, ist Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland und Mitglied des Vereins Abmahnwelle.
Rudolf Koch schüttelt den Kopf hinter den Papierbergen. „Eine Schweinerei.“ Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Aktenordner, und hinter vielen stecken fast schon tragische Schicksale. Und dies hier, diese meterhohen Stapel in seinem Arbeitszimmer sind kaum mehr als ein Hügelchen im großen Abmahnungsgebirge. Seit 25 Jahren beschäftigt er sich mit Abmahnungen. Sein Haus ist die Asservatenkammer des deutschen Abmahnwesen, an die 40.000 Verfahren lagern hier. Er ist Archivar eines Systems, das nie unter Kontrolle gewesen und seit einiger Zeit völlig entfesselt ist. „Das ist eine richtige Industrie geworden.“ Die deutsche Abmahnindustrie.
500 Millionen Euro sind im Spiel
Es geht um viel Geld. Allein 2010 wurden mehr als 600.000 Abmahnungen mit einem geschätzten Volumen von mindestens 500 Millionen Euro verschickt. Das Volk wird mit kostspieligen Unterlassungserklärungen und Schadenersatzforderungen überzogen. Wie mit einer Schrotflinte mit gewaltiger Streuung. Ein gewaltiges Anwalts-Pingpong ist im Gange aus Abmahnungen von Rechteinhabern und Widersprüchen von Anwälten, ausgetragen auf dem Rücken der Verbraucher. Mal geht es um Verstöße gegen die Batterienverordnung, weil bei den auf Ebay oder Amazon angebotenen Waren, die mit Batterien betrieben werden, der Hinweis fehlt, dass diese auch wieder zurückgenommen werden. Mal sind es Verstöße gegen das Telemediengesetz, weil ein Impressum nicht korrekt ist. Mal ist eine klitzekleine Abkürzung fehlerhaft. Den größten Teil machen aber Verstöße gegen das Urheberrecht aus, speziell das Filesharing, der Download von Musik oder Filmen. Es gibt um die 20 spezialisierte Anwaltskanzleien, die im Auftrag der Rechteinhaber teils bis zu 50.000 Abmahnungen jährlich verschicken.
Das Amtsgericht München hat im November eine Rentnerin zur Erstattung von Abmahnkosten in Höhe von 651,80 Euro verurteilt, obwohl diese zum Zeitpunkt des angeblichen Downloads keinen Computer besaß. Der Rentnerin war vorgeworfen worden, im Januar 2010 einen Hooligan-Film im Rahmen eines Filesharing-Systems zum Download für andere angeboten zu haben. Ihr Verhängnis war ein Internetanschluss, den sie noch aus früheren Zeiten besaß und für den sie laut Rechtsprechung weiter verantwortlich ist.


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@eva
gib einfach die firma, die abzockt, in eine suchmaschine ein. es gibt dann genügend diskussionsforen mit links zu standardbriefen, den abmahnungen zu widersprechen. teilweise von der verbraucherzentrale. lesen und verstehen sollte man dann trotzdem.
@Adam
Wie denn? Ein paar Tipps wären hilfreich! Danke!
Abzocke
ich wurde schon oft abgemahnt, aber noch nie haben die Abzocker mein Geld gesehen... Man muss ich nur wehren, am besten ohne Anwalt, denn den muss man ja schließlich auch bezahlen, wer sich schon länger mit dieser Abzocke befasst, wird schon Wege finden den Abzockern ein Strich durch die Rechnung zu ziehen!