Urlaubsmesse CMT "Tourismus profitiert von Krise"
Viola Volland, 18.01.2011 07:09 Uhr
Prominent ist der Islandstand in Halle 4 platziert – neben Kenia ist die Atlantikinsel Partnerland der CMT. Foto: Steinert
Prominent ist der Islandstand in Halle 4 platziert – neben Kenia ist die Atlantikinsel Partnerland der CMT. Foto: Steinert
""Wir rechnen für 2011 wieder mit einem saftigen Plus." "
Olympia Tsioulakis vom Griechenlandstand

Stuttgart - Eyjafjallajökull - im Jahr 2010 hat der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen negative Schlagzeilen gemacht, weil er den Flugverkehr lahmlegte. Nun lockt er Touristen nach Island. "Jetzt will jeder dahin", sagt Hördur Erlingsson, der Inhaber von Erlingsson Naturreisen. Erlingsson hat ein Einmachglas gefüllt mit Asche vom Eyjafjallajökull mit zur Urlaubsmesse CMT nach Stuttgart gebracht. Deswegen blieben immer wieder Leute stehen, erzählt der Reiseanbieter aus Reykjavík, der extra Touren durch das am Vulkan gelegene Tal wieder ins Programm genommen hat.

Das diesjährige Partnerland der CMT hat allerdings nicht nur mit dem Eyjafjallajökull in der jüngeren Vergangenheit auf sich aufmerksam gemacht. Island muss auch damit leben, das erste europäische Land zu sein, das von der Finanzkrise erfasst wurde - und zumindest für den Inselstaat gilt: die finanzielle Misere wirkt sich nicht negativ auf den Tourismus aus. Das Gegenteil trifft sogar zu. 2010 habe man, was den deutschen Markt angeht, um rund fünf Prozent zugelegt, sagt der für Zentraleuropa zuständige Tourismusregionalleiter Islands, David Johannsson, am CMT-Stand B 12 in Halle 4. Der Kronenkurs sei zwar inzwischen wieder gestiegen, aber für Urlauber immer noch günstig. Für einen Euro bekommt man heute ungefähr 155 Kronen - vor der Krise habe der Kurs bei unter 100 Kronen gelegen. "Der Tourismus hat von der Krise profitiert", sagt auch Hördur Erlingsson.

Island wird nicht als Krisenland gesehen


Das zeigt sich auch am Islandstand auf der CMT. Das Auftaktwochenende sei das beste seit mindestens 20 Jahren, "mit nichts zu vergleichen", so Johannsson. Interessant ist ohnehin, dass Island von vielen Messebesuchern gar nicht mehr als Krisenland wahrgenommen wird. "Wir interessieren uns für Land und Natur", sagen beispielsweise Bernd und Margarethe Gebhardt. Günstigere Preise sind für das Ehepaar aus dem Zollernalbkreis nicht relevant.

Auch die anderen europäischen "Finanzkrisenländer" wie Griechenland, Irland oder Portugal haben es auf der Urlaubsmesse nicht schwer - das behaupten zumindest die jeweiligen Tourismusvertreter. Das hochverschuldete Griechenland hatte im vergangenen Jahr die meisten negativen Schlagzeilen aufgrund der Proteste gegen das Sparpaket zu verkraften, unter anderem hatte der Streik der Lastwagenfahrer zu Benzinknappheit geführt.

Laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen ist Griechenland 2010 eines der wenigen Länder gewesen, die Rückgänge beim Tourismus verzeichnet haben. Die Umsätze der Hotels waren allein in den ersten zehn Monaten des Jahres um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken.

Ende März starten Direktflügen von Stuttgart nach Dublin


Olympia Tsiolakis vom griechischen Ministerium für Kultur und Tourismus rechnet aber aufgrund des Verlaufs der CMT für 2011 wieder mit "einem saftigem Plus". Das Interesse am Griechenlandstand (Halle 6, D 22) sei deutlich größer als in den Vorjahren. "Es kam noch keine einzige Frage zur Krise", sagt die Tourismusvertreterin. Durch die Finanzkrise sei das Reiseland noch einmal günstiger geworden und das komme an. Tatsächlich hat die griechische Regierung die Mehrwertsteuer für Hotelbetriebe auf 6,5 Prozent gesenkt, um die Branche zu stützen.

Dass die Touristen von der Finanzkrise in ihrem Land nur profitieren - diese Botschaft versucht man auch am Irlandstand (Halle 4, C 77) zu vermitteln, wo ebenfalls von einem perfekten Messestart die Rede ist. "Viele denken immer noch, Irland sei teuer", sagt Ruth Ticu von der Irland-Information. Dabei habe Irland im Gegensatz zu Deutschland die Flugsteuer von zehn auf drei Euro reduziert, auch die Hotelpreise in Dublin seien gesunken. Sie glaubt, dass sich die Krisenberichte eher positiv auswirken werden. Viele Touristen seien dadurch auf die Idee gekommen, nach Irland zu reisen. Bootsurlaube und Mietwagenrundreisen seien beispielsweise sehr gefragt. Für Stuttgarter sei zudem die Anreise bald besonders praktisch: Ende März startet Aer Lingus mit Direktflügen von Stuttgart nach Dublin.

Mehr Informationen zur Messe unter http://www.messe-stuttgart.de/cmt »
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