Urteil im Winnenden-Prozess
Auch der Richter bleibt ratlos
Frederike Poggel und Kathrin Wesely,
10.02.2011 19:05 Uhr
D Foto: dapd
""Sie werden Ihr ganzes Leben darunter leiden, der Vater eines Massenmörders zu sein.""
Richter Skujat zu Jörg K.
Nach 29 Verhandlungstagen geht in Stuttgart das Verfahren gegen den Mann zu Ende, mit dessen Pistole Tim K. am 11. März 2009 ein Blutbad angerichtet hat. Wegen 15-facher fahrlässiger Tötung, 14-facher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz wird er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Tim K. hatte sich die Beretta aus dem elterlichen Schlafzimmer geholt, wo sie unverschlossen im Kleiderschrank lag.
Die Eltern der Opfer
Juri Minasenko hat im Saal 1 das Urteil äußerlich gefasst und innerlich aufgewühlt angehört. "Wir haben erreicht, was wir wollten. Der Nachweis ist erbracht, der Vater ist schuldig", sagt er ganz sachlich. Lena und Juri Minasenko haben am 11. März 2009 ihre Tochter Viktorija verloren. An jenem Mittwochmorgen hatte der 17-jährige Tim K. in der Albertville-Realschule in Winnenden zwölf Menschen getötet und elf verletzt. Auf seiner Flucht erschoss der Jugendliche drei weitere Menschen und verletzte zwei, dann erschoss er sich selbst. Krank vor Sorge eilten Lena und Juri Minasenko damals zur Schule, um dort zu erfahren: "Ihr Kind ist auf der Liste derer, die den Amoklauf nicht überlebt haben."
Es war eine "ungeheuerliche Tat", Richter Reiner Skujat spricht von "kaltblütigen Hinrichtungen". Was treibt einen jungen Menschen so weit? Wie kann einer, der das Leben noch vor sich hat, über ein Jahr lang Munition aus den Beständen seines Vaters zusammenklauben und zum Mörder werden? Erklärungsversuche gab es im Verlauf des Prozesses viele: Psychiatrische Gutachter haben Tim K. nach dessen Tod seelische Störungen, Abartigkeit, Narzismus diagnostiziert. Details wurden umfangreich erörtert, Hunderte von Seiten Ermittlungsbericht erarbeitet. Trotzdem "bleibt Ratlosigkeit", sagt Richter Skujat. Warum Tim K. seine alte Schule an diesem Tag aufsuchte, warum er in dem Klassenzimmer die ersten Schüsse abfeuerte, in dem er zuletzt selbst unterrichtet worden war - viele Fragen konnte selbst dieser größte je am Landgericht Stuttgart geführte Prozess nicht beantworten. Das lag auch daran, dass wichtige Zeugen, wie die Therapeuten aus Weinsberg, die Tim ein halbes Jahr vor der Tat noch behandelt hatten, nicht aussagten - auch sein Hausarzt, seine Schwester und seine Mutter schwiegen.
Seite
1
2
3
Weitere Artikel


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>



@Saltz
Bitte Herr K., verschonen Sie uns mit Ihrer üblen Propaganda !
Befangenheit des zweiten Schöffen
Auch der zweite Schöffe (wir erinnern uns, einer wurde während des Prozesses ersetzt) hat, wie man so schön sagt, "Dreck am Stecken": http://waffenpflege.tetra-gun.de/archives/165 Wie kann es sein, daß so etwas nicht vorher auffällt?
Waffen nur zum Töten gebaut???
Wenn man dieser Argumentation folgt, werden in Deutschland 99,997% aller Waffen mißbräuchlich verwendet, den nur mit dem kläglichen Rest wurden in den letzten 30 Jahren in Deutschland tatsächlich Personen getötet. Wäre es anders, wäre dieses Land schon längst menschenleer. Irgendwie sollte man doch noch bei der Realität bleiben. Wir haben hier eben nicht die Verhältnisse, wie sie sie aus dem Fernsehen oder Kino kennen - wo jeder der angebeteten Helden seine Knarre hat und damit alle Probleme löst. Das sollte man irgendwann mal zur Kenntnis nehmen.