USA Die perfekt polierte Harmonie der Mormonen
Andreas Geldner, 22.12.2011 14:42 Uhr
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Mitt Romney, US-Präsidentschaftskandidat und Mormone Foto: AP
Mitt Romney, US-Präsidentschaftskandidat und Mormone Foto: AP
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Salt Lake City - Der Temple Square im Herzen von Salt Lake City ist eine Insel der Seligen. Zwischen dem sechstürmigen Tempelgebäude aus edlem Granit, den zwei Besucherzentren und der Konzerthalle bleibt keiner ungegrüßt. Junge Frauen mit Namensschildern und ans Revers gehefteten Nationalflaggen belagern jeden Besucher mit ihrem Lächeln. "Stille Nacht" säuselt aus Lautsprechern über eine lebensgroße Krippenszene. In der Mitte eines von Lämmern umringten Brunnens spiegeln sich Maria und Josef im ruhigen Wasser. Von Salt Lake City aus regiert der lebende Prophet Thomas Monson zusammen mit zwölf Aposteln mit straffer Hand die weltweit 14 Millionen Mitglieder - so patriarchalisch wie ein Papst.

Utah ist die Hochburg der Glaubensgemeinschaft, die nach dem gewaltsamen Tod ihres amerikanischen Propheten Joseph Smith, dem Gott 1827 angeblich auf goldenen Tafeln seine Botschaft übermittelte, nach Westen floh. Die heute längst abgeschaffte Polygamie und der Glaube, dass der auferstandene Christus in Amerika erschienen sei, war so manchem Außenstehenden suspekt.

In Orten wie der Universitätsstaat Provo, eine Autostunde südlich von Salt Lake City, gehören 90 Prozent der Bewohner der Gemeinschaft an. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage prägt das Leben ihrer Mitglieder so stark, dass sie Kritiker als Sekte sehen. "Wir sind die Kirche Jesu Christi, die Glück, Frieden und Licht bringt", sagt hingegen der Kirchenälteste Patrick Kearon, der sein Büro unweit des properen mormonischen Paradeplatzes hat. Er hat in Großbritannien erst Mitte zwanzig zum Glauben gefunden: "Ich war überrascht, als ich diese energiegeladenen, glücklichen, wohlerzogenen und gebildeten Menschen traf."

Über die Hälfte der Studenten bereits verheiratet

Kearon weiß, warum die Mormonen zurzeit im Rampenlicht stehen. Gleich zwei republikanische Präsidentschaftsbewerber gehören der Kirche an. Jon Huntsman, der ehemalige Gouverneur von Utah und Mitt Romney, der Geschäftsmann und Ex-Gouverneur von Massachusetts. Das ist für Romney ein Handicap. Fromme Christen trauen den Mormonen nicht, auch wenn diese sagen, dass Jesus im Mittelpunkt ihres Glaubens stehe. Aufdringlich, sektiererisch, geheimniskrämerisch, kontrollierend, sexistisch und schwulenfeindlich, das sind Vokabeln, die laut Umfragen manchen Amerikanern in den Sinn kommen, wenn sie an diese Religion denken.

Gepflegte Kuscheligkeit strahlt das Empfangsgebäude der Brigham-Young-Universität in Provo aus - mit offenem Kamin und glitzernden Weihnachtsbäumen. Ob Mormone oder nicht: Sex und Alkohol, ja selbst Tee und Kaffee sind tabu. Die Studenten müssen einen Sittenkodex unterschreiben, der sogar eine Kleiderordnung enthält. Mehr als die Hälfte der 33.000 Studentinnen und Studenten sind verheiratet.

"Es ist schön, unter Leuten zu sein, die so denken wie man selbst", sagt Mallory Everton, die Filmwissenschaft studiert: "Ich will Filme mit einer positiven Botschaft machen." Gehorsam sei doch gut, sagt sie - ohne mit der Wimper zu zucken. Sean Hollingshead, der "Freizeitwissenschaft" studiert, denkt genauso: "Uns ist es egal, ob uns die Leute als modern sehen oder nicht", sagt er: "Es gibt eine feine Linie zwischen Spaß und Glück. Unserem Glück steht nichts im Weg."

Sprachausbildung für die Missionare

Doch nahe beim Campus liegt ein Gebäudekomplex, der eine andere Sprache spricht. Hunderte junge Männer in schwarzen Anzügen und Frauen in knielangen Röcken marschieren durch die Korridore des Ausbildungszentrums für Missionare. Auch auf deutschen Straßen kennt man sie, die adrett im Doppelpack auftretenden jungen Leute mit den schwarzen Namensschildchen. Die zwei Missionsjahre, die für Frauen 18 Monate betragen, sind der Moment im Leben eines jungen Mormonen, wo er im Alter von 19 bis 21 Jahren die Macht seiner Kirche zu spüren bekommt.

Sie allein bestimmt, wohin es geht. Die Vornamen werden getilgt: Alle heißen nur noch "Ältester" und "Schwester". Im zweiten Stock hat ein Dutzend Missionare die Hälfte der vierzig Stunden Schnellbleiche in deutscher Sprache hinter sich. "Wer bereitet auf den Himmel vor?", fragt eine Studentin im Übungsdialog. "Alle besser bereiten auf den Himmel vor", radebricht ihre Partnerin.

Neun Wochen lang pauken die Missionsschüler Grammatik und Vokabeln, aber vor allem die Doktrin der Mormonen. Von deutscher Kultur, der deutschen Gegenwart erfahren sie fast nichts. "Die Sprachausbildung ist auf das Evangelium konzentriert", sagt ein junger Mann namens Hanson: "Raus aus dem Flugzeug, rein ins Feuer." Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird die Gruppe in München landen. Sein Nebensitzer, Hemsley, rückt das zurecht: "Es ist ein gutes Feuer. Ich lerne lieber aus Erfahrung, als darüber zu lesen."

Kommentare (5)
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DEZ
24
Eine deutsche, die Mormone ist, 07:35 Uhr

Leider kein unparteiischer Artikel

Ich finde diesen Artikel sehr parteiisch. Zwar sind die meisten Fakten richtig, werden jedoch oft extrem und mit kleinen versteckten Worten hier und da absichtlich sehr negativ dargestellt. Wer Thomas Monson nur einmal reden gehoert hat, der weiss, dass die Beschreibung "straff" hier total Fehl am Platz ist! Auch einige andere Punkte sind irrefuehrend. Nur 50% der Menschen in Utah sind Mormonen, was man beim Lesen nie denken wuerde. So ein Quatsch, dass die Menschen in Utah Nichtmitglieder-feindlich seien! Ich bin schon seit meiner Kindheit Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und habe mich nie so gefuehlt als wollte die Kirche, dass ich mich ihr unterordne. Ich bin frei in meinen Entscheidungen und lebe gemaess guten moralischen Werten, nach denen ich leben will. "Frei" ist schon ein interessanter und komplexer Begriff. Auch ein Land und eine Regierung funktionieren mit Gesetzen. Trotzdem sind die Buerger "frei" darin sich zu entscheiden, ob sie diesen Gesetzen gehorchen wollen oder nicht. Ich habe an der Brigham Young Universitaet studiert und habe mich selbst dazu verpflichtet ihren Kodex einzuhalten, was mir nie schwer fiel. Einige Regeln an der Uni oder im Missionary Training Center klingen so krass, sollen aber unnoetige Ablenkungen oder Fehler vermeiden. Ich bin zum Beispiel froh, dass ich keinen Alkohol trinke und so meiner Gesundheit einen Gefallen tue und mich nicht in Situationen begebe, wo ich nicht mehr ganz klar denken kann, ganz zu schweigen von Unfaellen, die passieren koennen. Auch bin ich froh, dass ich keinen Sex vor der Ehe hatte und diese Intimitaet nur mit meinem Ehemann teile und wir beide einander vollkommen treu sein wollen. Es ist immer sehr bedauerlich zu hoeren oder zu lesen, dass so viele Menschen meinen Christus stehe nicht im Mittelpunkt unseres Glaubens. Im Artikel wird das angezweifelt. Das stimmt nicht. Auch wenn sich viele Mitglieder der Kirche nicht so verhalten wie es Christus gelehrt hat, ist dies doch ein Fehler von Menschen und nicht der Doktrin und kommt sicherlich in allen Glaubensgemeinschaften vor. Auch sollte kein Mitglied auf irgendwen den Finger zeigen, wegen zu wenig Kindern. Die Mormonen lehren, dass die Anzahl von Kindern, die Eltern haben moechten, eine private Entscheidung zwischen Mann und Frau und Gott ist. Sex ist nur vor der Ehe tabu, was auch andere Christen lehren. Der Prophet Thomas Monson betonte erst kuerzlich wie wichtig die Treue in einer Ehe ist und ich lebe nach diesem und vielen anderen Werten und Geboten, weil ich mich dazu entscheide und es mich gluecklich macht. Keiner wird zu irgendetwas gezwungen und auch "Abtruennige" sollten in einer "perfekten Mitgliedschaft" immer willkommen sein. Da Christus und sein Suehnopfer im Mittelpunkt des Glaubens stehen, hoffen wir natuerlich immer, dass Menschen sich dazu entscheiden ihr Leben wieder nach den Geboten Gottes zu leben.

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DEZ
23
sunshine-bee, 09:08 Uhr

Sekte bleibt Sekte

Für mich sind diese Glaubensgemeinschaften furchtbar, sobald diese mit Verboten/Gesetzen/Du musst ... hantieren. Denn dann sind sie nicht mehr frei, die Menschen die dort ihren Glauben grunfen haben wollen sind auch nicht mehr frei - also ist das für die heutige Zeit unzumutbar. Ich frage mich immer wieder, wie es sein kann, dass diese "Glaubensgemeinschaften" neue Mitglieder finden kann. Achja und ich zähle zu den Glaubensgemeinschaften auch die christlichen die sich hier in D etabliert haben. Und ich glaube auch das Fanatismus in welcher Religion auch immer, der größte Kriegshetzer auf diesem Erdball ist.

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DEZ
22
Wieviele Frauen hat denn "der gute Mann"?, 22:31 Uhr

Offiziell? Inoffiziell? dito Kinder?

Offiziell? Inoffiziell? Das ist doch das pure Marketing. Wahrscheints fast kein einziges wahres Wort. "All that we've got here it's American made - it's a little bit cheesy but it's nicely displayed".... Frank Zappa. Correct.

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