Uwe-Bogen-Kolumne Mehr Gentlemänner für Stuttgart

Von Uwe Bogen 

Stuttgart braucht mehr Gentlemänner. So sehen’s ein Moderator und ein Artdirector. Auf einer Dachterrasse am Charlottenplatz feierten sie ihre Geschäftsidee für Herrenmode. Vom scheidenden Flughafenchef waren schöne Schuhgeschichten zu hören.

Artdirector Steffen Schneider (links) und Fernsehmoderator Chris Fleischhauer wollen Männer schöner machen. Foto: Boris Mönnich / CanduMedia 7 Bilder
Artdirector Steffen Schneider (links) und Fernsehmoderator Chris Fleischhauer wollen Männer schöner machen.Foto: Boris Mönnich / CanduMedia

Stuttgart - Wenn sich Georg Fundel, der sich nach 20 Jahren als Geschäftsführer des Stuttgarter Flughafens verabschiedet, einen Mann genauer anschaut, fällt sein Blick meist auf dessen Schuhe – dies geschieht bevorzugt auf Reisen. Noch bis Ende April arbeitet der 63-Jährige im Tor zur Welt. Das Fernweh liegt bei ihm also nah. In New York, berichtet er, hat ihn mal im Museum of Modern Art ein älterer, elegant gekleideter Herr fixiert. Außergewöhnliche Schuhe trug dieser noble Gentleman, der ihm unbekannt vorkam. Fundels Begleiter wussten, wer es war. Es war der große Modeschöpfer Valentino.

Fundel erzählt von internationalen Schuh-Beobachtungen auf der Dachterrasse im Schatten des Hochhauses am Charlottenplatz. Modische Themen passen zum Anlass. TV-Moderator Chris Fleischhauer und Artdirector Steffen Schneider feiern die Eröffnung ihres Geschäftes Gentsbox, das sich direkt unter der mit Luftballons geschmückten Terrasse befindet und Männern Stilberatung liefern will. Wenn da einer so vom perfekten Schuhwerk schwärmt, blickt man unwillkürlich bei sich hinab und schaut, ob die eigenen Treter glänzen.

Fundels Radtour wird 2200 Kilometer lang

Auch aus Südafrika kann Fundel eine Geschichte beisteuern. Dort sah er bei einem Optiker Marius Müller-Westernhagen, der sich bei diesem regelmäßig die Brille machen lässt. Der Optiker kannte ihn nur als Kunde, wusste nichts von dessen Berühmtheit. Auch der große Marius trug fein gefertigte Schuhe.

Etliche Gäste der Gentsbox-Inhaber, die als stets tipp-topp gekleidetes Paar bei vielen Events der Stadt dabei sind und jetzt selbst zum Feiern einladen, trinken Craft-Bier. Fundel und seine Frau, die Moderatorin und Sprechtrainerin Karin Graf, trinken Wasser – sie fasten. Über Jahrzehnte war ein verzwirbelter Schnauzer das Markenzeichen des Flughafenchefs. Mit Ende 50 hat er die Vergangenheit abrasiert. Und bald gibt’s erneut eine Zäsur in seinem Leben. Am 28. April wird sein letzter Arbeitstag sein. Und am 29. April wird er mit Freunden aufbrechen. Die Radtour ist 2200 Kilometer lang. Das Ziel heißt Sizilien.

Wie Männer Akzente setzen können

Das Prädikat „Deutschlands erste männliche Lotto-Fee“ behält Fleischhauer – bei Regio-TV hingegen will er endgültig aufhören. Eigentlich hatten er und sein Partner nur Lagerräume für den Online-Versand ihrer Modebox mit Accessoires für Männer gesucht. Doch dann fanden sie in der City den Laden mit Schaufenster, der gleichzeitig ihr Büro ist.

Die beiden wollten mithelfen, dass Stuttgart zu mehr Gentlemännern kommt. Sie werben für die Kunst des Kombinierens und für schöne Dinge, mit denen Männer ihren persönlichen Stil unterstreichen können. Einstecktücher, Krawatten, Blumennadeln – es gibt viel, womit ein Anzugträger Akzente setzen kann. Den ersten Kauf im Männerladen tätigt eine Frau. Die Wirtin und Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit hat eine Krawatte für ihren Sohn gefunden, den Kämmerer von Gummersbach.

Marketingberater Stümpflen liebt das Leben

Von der Dachterrasse, auf der modische Männer wie Sportmanager Jens Zimmermann, der russische Sportler Dmitry Polishchuk, Palast-der-Republik-Chef Stefan Schneider feiern, sieht man auf das frühere, ja legendäre Lokal Bernds Lädle, das sich auf der anderen Straßenseite befindet. „Dort habe ich meinen 30.Geburtstag gefeiert“, erinnert sich Marketingberater Michael Stümpflen. Heute ist er 61. Im Grunde ist er neu geboren. Seit wenigen Tagen arbeitet er wieder. Nach einem Herzinfarkt und einem Schlaganfall war nicht klar, ob er dies jemals wieder tun könnte. Beruflich will er künftig kürzertreten, aber das Leben, das er liebt, jeden Tag genießen. Man kann sich an kleinen Dingen erfreuen. Und wenn es nur an einer Stoffblume am Revers ist.