Vaihingen Das Krokodil unterm Bett gibt es wirklich

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Im Eltern-Kind-Treff Müze hat die Familientherapeutin Sabine König über Ängste bei Kindern gesprochen.

Sabine König Foto: privat
Sabine KönigFoto: privat

Vaihingen - Angst ist kein schönes Gefühl, aber sie ist notwendig. „Kinder brauchen diese Grundausstattung, um nicht waghalsig ins Leben rauszuspringen“, sagte Familientherapeutin Sabine König. Als Expertin für Säuglings- und Kleinkindfragen war König am vergangenen Dienstag im Vaihinger Eltern-Kind-Treff Müze zu Gast, um über Kinderängste zu referieren. Die Therapeutin machte deutlich, dass Furcht bei Kindern zum Entwicklungsprozess dazu gehört. „Es gibt Ängste, die jeder in den ersten sechs Lebensjahren durchleben muss, um für das Leben gerüstet zu sein“, sagte sie.

Bereits im Säuglingsalter leide das Baby an der Körperkontaktverlust-Angst. „Sie ist eine Urangst des Menschen, alleine zu sein“, erklärte König. Das Baby brülle, damit Mama oder Papa es wieder auf den Arm nehmen. Diese Basisangst sei wichtig für das Erwachsenenleben, wie die Therapeutin weiß: „Sie macht uns fähig, uns um Babys zu kümmern und überhaupt in Körperkontakt zu treten.“ Das bekannte „Fremdeln“ trete bei Kindern zwischen dem siebten und zehnten Monat auf. Das Kind bestimme selbst, wen es an sich heranlässt und wen nicht. Diese natürliche Nähe-Distanz-Regulation gilt es laut König zu achten: „Das ist ein Schutz vor Übergriffen.“

Kinder um das zweite Lebensjahr entwickeln die fantastische Angst. „Das Kind hat die Idee, dass es Dinge gibt, die es bedrohen“, sagte die Familientherapeutin. Dann könne es vorkommen, dass die Kleinen Angst vor Füchsen und Schlangen haben oder Krokodile unter ihrem Bett sehen. König mahnte, mit der Angst des Kindes sensibel umzugehen: „Wenn wir dem Kind sagen, dass es kein Krokodil gibt, dann lassen wir es mit ihm alleine, denn das Kind sieht das Krokodil wirklich.“ Ein Ansatz sei, auf die Geschichte einzusteigen, oft fänden Kinder durch ihre Fantasie dann selbst eine Lösung für das Problem.

„Sie lernen, was Leben und Achtsamkeit mit Leben heißt“

Ab dem dritten Lebensjahr haben Kinder mit Vernichtungsängsten zu kämpfen. Es sei laut König das plötzliche Verständnis der Kinder, dass um sie herum gefährliche Dinge passieren. Diese Phase äußert sich durch die Angst vor Sturm, Gewitter oder Krieg. König erklärte, wie diese Furcht zustande kommt: „Kinder können noch keine Grenze ziehen zwischen dem, was sie sehen und dem, was sie betrifft.“ In diesem Lebensabschnitt lernen die Kleinen, Gefahren abzuschätzen. Zwischen dem vierten und fünften Jahr beginnen Kinder, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen. Auch diese Todesangst ist wichtig für die Entwicklung des Kindes, wie König sagte: „Sie lernen, was Leben und Achtsamkeit mit Leben heißt.“

Nach ihrem Referat gab König den anwesenden Müttern die Gelegenheit, ihre Fragen loszuwerden. Alle Mütter erkannten die genannten Ängste bei ihren Kindern wieder. Außerdem wurde deutlich, dass die Eltern selbst Angst haben, im Umgang mit der Kinderangst etwas falsch zu machen. Sabine König konnte jedoch beruhigen: „Sie machen als Eltern das, was in ihrer Möglichkeit steht. Das Leben ist nicht perfekt, und all das, was uns nicht gelingt, trägt dazu bei, dass wir schwierige Situationen aushalten können.“

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