Vaihingen Ein neue Chance für den Buchrainfriedhof
Malte Klein, 16.03.2013 08:00 Uhr
Harald Marquardt stört der Zustand der Aussegnungshalle.Foto: Malte Klein
Vaihingen - Harald Marquardt ist auf den Buchrainfriedhof gekommen, um zu zeigen, was ihn dort aufregt. Der Künstler tritt an ein Fenster der Aussegnungshalle und schaut hinein. Der Blick fällt auf abgewetzte schwarze Fußbodenfliesen, ein kleines Rednerpult und eine schwarz vertäfelte Wand dahinter. Die Halle aus den 60er-Jahren wirkt duster. Von außen ist der Sanierungsbedarf beispielsweise an brüchig aussehenden Fensterkitt erkennbar.
Marquardt hat den Eindruck, dass sich der Zustand der Aussegnungshalle auf die Zahl der Beerdigungen auswirkt. Nach Angaben des Friedhofsamts gab es 2008 auf dem Buchrainfriedhof noch 60 Bestattungen, 2011 waren es 59 und 2012 nur noch 45 Beerdigungen.
Dringender Handlungsbedarf
Der Künstler sieht dringenden Handlungsbedarf. Seit er vor einigen Jahren auf dem Buchrainfriedhof an einer Beerdigung teilgenommen hat, beschäftigt ihn der schlechte Zustand der Aussegnungshalle und der gegenüberliegenden Aufbahrungsräume. „Mein erster Eindruck der Halle war katastrophal“, erinnert sich der freischaffende Künstler aus Vaihingen. „Ich hatte das Gefühl, in einem Vereinsheim zu sein.“ Ein würdiger Abschied sei in dem Ambiente nicht möglich.
Damit sich das ändert, hat Marquardt den Neubau der Aussegnungshalle und der Aufbahrungshäuser auf dem Friedhof für den Bürgerhaushalt vorgeschlagen. Jemand anders hat einen weiteren Vorschlag zum Friedhof eingereicht. Von Montag an bis zum 8. April können die Stuttgarter Bürger diese Vorschläge bewerten.
Neubau kostet 1,35 Millionen Euro
Schon seit Jahren haben Bezirksbeiräte immer wieder den schlechten Zustand der Gebäude auf dem Buchrainfriedhof angeprangert. Im Jahr 2009 hatte das Friedhofsamt Kosten von 440 000 Euro für die Sanierung der Aussegnungshalle und die Integration der Aufbahrungsräume in diese veranschlagt. Ein Neubau, der damals favorisiert wurde, schlug mit 1,35 Millionen Euro zu Buche. Auch wenn die Sanierung ganz oben auf der Wunschliste des Friedhofsamts stand, fiel sie immer wieder bei den Haushaltsberatungen des Gemeinderats durch, weil die Kommunalpolitiker andere Schwerpunkte setzten.
Genau wie Marquardt findet auch Stefan Ruf, der geschäftsführende Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Stuttgart-Vaihingen, deutliche Worte für den aktuellen Zustand der Aussegnungshalle: „Die Halle ist sehr lieblos und trist. Sie wirkt kalt und hat den Anschein, ein Provisorium zu sein.“ Seiner Ansicht nach könnte man die Halle recht einfach aufwerten, indem man sie von innen weiß streicht und ein großes Kruzifix aufstellt.
Pfarrer hält Neubau für sinnvoll
Ruf kritisiert auch den Zustand der Aufbahrungsräume: „Sie sehen aus wie Garagen und nicht wie ein würdiger Raum, in dem die Angehörigen Kraft bekommen, wenn sie ihn besuchen.“ Der Pfarrer ist auf vielen Friedhöfen in Stuttgart tätig. Wesentlich besser gefällt Ruf der Waldfriedhof. Ruf sagt, er würde es sehr begrüßen, wenn Veränderungen einträten und die Stadt als Betreiberin des Buchrainfriedhofs „die Abschiedskultur ernst nimmt“. Die beste Lösung sei ein Neubau. „Es wäre sinnvoll, wenn wir Pfarrer eingebunden werden, damit der Neubau einen stärkeren sakralen Charakter bekommt“, sagt Ruf.
Volker Schirner, der Leiter des Friedhofsamts, kennt die problematische Situation der Bauten auf dem Buchrainfriedhof: „Sie sind sanierungsbedürftig. Die optische Erscheinung widerspricht einem würdigen baulichen Rahmen für Trauerfeiern.“ Wegen der Flachdächer und der Holzständerbauweise müsse das Amt dort „in absehbarer Zeit etwas machen“. Schirner sagt, dass sein Amt für den Buchrainfriedhof bereits einen Antrag für den Doppelhaushalt 2014/15 gestellt habe. Ob es auf eine Sanierung oder einen Neubau hinauslaufen werde, könne er derzeit nicht einschätzen. Handlungsbedarf im Fall einer Sanierung sieht der Leiter des Friedhofsamts bei den Böden und der Beleuchtung. Außerdem seien neue Anstriche nötig. Die Aufbahrungsräume müssten instand gesetzt werden. Pläne für beide Szenarien gebe es.
Harald Marquardt hat eine mögliche Zukunft gezeichnet
Der Künstler Harald Marquardt hat Ideen, wie eine künftige Aussegnungshalle auf dem Buchrainfriedhof aussehen könnte. Auf einer Zeichnung von ihm steht auf der Außenwand „Wenn Rosen verblühen, kommen die Engel“. Auf einer anderen sind Wolken auf der Außenwand zu sehen. „Wir müssen für die Menschen bauen, die das Gebäude später nutzen“, sagt Marquardt.



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