Vaihingen/Enz - Ernsthafte Bücher sind hochwertig, Unterhaltungsromane sind trivial. Aussagen wie diese können Eva Württemberger gehörig auf die Palme bringen. Völliger Quatsch sei das, findet die Autorin historischer Romane. Dennoch begegne ihr diese Haltung ständig – sogar im Autorenkreis für historische Romane Quo Vadis. Der Vaihingerin stinkt diese „elitäre Auffassung“. Zusammen mit einigen Mitstreitern will sie sich nun dagegen wehren – mit einem eigenen Autorenverband namens Homer. Und sie geht davon aus, dass der Vorstoß für Unruhe sorgen wird.

„Das ist schon frech von uns“, findet die Autorin. Schließlich gebe es bislang nur den etablierten Verein Quo Vadis, der die Neugründung sicher als Provokation verstehe. Aber dieser habe sich „in eine etwas seltsame Richtung“ entwickelt. Bei der Auswahl für den Sir Walter Scott-Preis beispielsweise, den Quo Vadis alle zwei Jahre für herausragende historische Romane vergibt, werde die Unterhaltungsliteratur regelmäßig schlecht gemacht. „In Deutschland wird die Spaltung zwischen sogenannter wertvoller Literatur und angeblich trivialer Unterhaltungsliteratur immer noch künstlich aufrecht erhalten“, kritisiert sie. In angelsächsischen Ländern gebe es das gar nicht.

Der Startschuss fällt am 1. Februar in Ulm

Die Gründung des neuen Vereins solle ein Beitrag zur Auflösung dieser Einteilung sein. „Wir wollen eine Alternative schaffen und ein anderes Literaturverständnis fördern“, betont Württemberger. Eine Lesung in Ulm am 1. Februar soll der Startschuss für die Gründung des Vereins „Homer – Historische Literatur“ sein. Beim Autorenkreis Quo Vadis nimmt man diese Ankündigung relativ gelassen hin: „Wenn sich die Autoren in einem anderen Verein besser aufgehoben fühlen, warum nicht“, sagt Kerstin Groeper-Schmäling, Sprecherin von Quo Vadis. Allerdings glaube sie, dass das langfristig keine Lösung sein wird. Nicht zuletzt, weil es allgemein schwierig sei, viele Autoren unter einen Hut zu bekommen. Insbesondere in der historischen Literatur lebe jeder ein wenig in seiner eigenen Welt, da gehe es viel um Befindlichkeiten. Die Diskussion um hohe und Trivialliteratur komme in schöner Regelmäßigkeit im Zuge der Verleihung des Sir Walter Scott-Preises auf – offensichtlich angetrieben von enttäuschten Erwartungen der Autoren, die nicht bedacht wurden. Dabei gebe es diese Unterscheidung bei Quo Vadis gar nicht. „Ich würde mich ganz explizit der Unterhaltungsliteratur zuordnen, und ich fühle mich in keiner Weise geächtet“, betont Kerstin Groeper-Schmäling.

Schlechte Schemaliteratur als Folge des Marktdiktats

Das Urteil, dass historische Romane schlechte Literatur seien, sei „uralt und falsch“, sagt auch Barbara Potthast. Doch die Literaturprofessorin an der Universität Stuttgart hat durchaus beobachtet, dass sich die Unterscheidung in hohe und niedere Literatur in Deutschland mit seinem elitären Bildungsbegriff besonders hartnäckig halte. Allerdings müsse man auch sagen, dass „80 bis 90 Prozent der Riesenflut an historischen Romanen, die seit den 80ern auf den Markt kommt, schlechte Schemaliteratur ist“. Das ist aus ihrer Sicht eine Folge der Ökonomisierung von Kultur: Als gut gelte, was sich gut verkaufen lässt. So gesehen könnten sich die Autoren der enorm gefragten historischen Romane nicht beklagen. Die sogenannte hohe Literatur habe es auf dem Markt viel schwerer.