Varieté Stuttgart L-Bank kündigt Varieté wegen Eigenbedarfs

Von Jörg Nauke 

Die Leitung des Varietés ist nach der Kündigung der L-Bank fassungslos, Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) bedauert die Entscheidung, will aber nun den Blick nach vorne richten.

Die Kündigung der L-Bank ist auf Ende Januar 2014 terminiert. Foto: Zweygarth
Die Kündigung der L-Bank ist auf Ende Januar 2014 terminiert.Foto: Zweygarth

Stuttgart - Die Zukunft des Stuttgarter Varieté ist jetzt ungewisser denn je. Der Vermieter der Rotunde am Börsenplatz, die landeseigene L-Bank, hat offenbar die Zusage zurückgezogen, die Fortführung des Mietvertragsverhältnisses im Jahr 2014 von einem schlüssigen Finanzierungskonzept der Varieté-Geschäftsführung abhängig zu machen. Zwei Wochen, bevor Varieté-Chefin Gabriele Frenzel dem Kreditinstitut eine Liste mit Einsparungen und Sponsorenzusagen in sechsstelliger Höhe präsentieren konnte, hat die L-Bank am Dienstagnachmittag die Kündigung auf Ende Januar 2014 terminiert. Überschrieben ist die Pressemitteilung allerdings mit dem Hinweis, die Bank werde das Varieté 2014 mit 10 000 Euro pro Monat unterstützen – an einem „neuen Standort“ und zwar „um den Übergang an eine andere Spielstätte zu erleichtern“. Nach StZ-Informationen begründet die Bank die Kündigung mit Eigenbedarf. Künftig werde sie in der Rotunde demnach eigene Kulturveranstaltungen organisieren.

Gespräch des OB mit Bankverantwortlichen

Auf 120 000 Euro jährlich beliefen sich seither Miete und Nebenkosten für die seit Anfang der 90er Jahre vom Friedrichsbau-Varieté bespielten Rotunde. Diese Unterstützung hatte sich Frenzel vom Vermieter tatsächlich auch erhofft, allerdings in Verbindung mit einer weiteren Duldung. „Wir sind über die Kündigung erschüttert“, sagte sie gestern. Mittlerweile habe sie 40 Stuhlpartnerschaften à 1200 Euro vermittelt und Sponsorenzusagen im fünfstelligen Bereich vorzuweisen. Außerdem war vorsichtshalber allen Mitarbeitern gekündigt worden. Fortan sollte das Theater ohne Live-Band auskommen. Die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft erschien denkbar, nachdem die bisherige Gesellschafterin, die Deutsche Entertainment AG, mitgeteilt hatte, sie wolle sich zum Jahresende zurückziehen und sämtliche Infrastruktur im Wert von rund zwei Millionen Euro zurücklassen.

Frenzel hatte sich viel von einem Treffen zwischen Fritz Kuhn (Grüne) und dem L-Bank-Vorstandschef Christian Brand erhofft. Der Oberbürgermeister hat gestern die Verlängerung des finanziellen Engagements begrüßt. Mehr habe er nicht erreichen können. Er bedauert die Kündigung, richtet den Blick aber nach vorne. Man müsse nun schnell eine Spielstätte finden, in der das Varieté zumindest für eine Übergangszeit unterkommen könne.

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24 KommentareKommentar schreiben

l-bank eigenbedarf: und schon wieder geht ein kulturcenter verloren es ist schade das die bank eigenbedarf anmeldet. die banken haben nur geld und gier im kopf sonst sehen sie nichts und gehen noch über leichen. der kleine bürger muss sehen woh er bleibt. hauptsache wir der bankenkonzern können etwas vorzeigen. und wenn der konzern mal pleite geht wird an den nächsten der geld und kohle hat vermietet. und später kann man auch da wieder eigenbedarf anmelden. das ist der trik der conzerne.

Kuhn soll,müsste,......: .....ja, der Herr Kuhn muss also jetzt am besten alles zahlen: Mehr Geld für das Tierheim, den Umbau des Fernsehturms, das Turm Forum unterstützen, mehr Parkplätze schaffen, die "unerwarteten" Mehrkosten bei S21 mittragen, etc,etc, etc.....Bei einigen hier geht es gar nicht um die Sache an sich, sondern mal wieder munter drauf los "bashen". Witzigerweise waren sehr viele angesprochene Probleme schon weit vor Kuhn's Amtszeit bekannt (oder es wurde einfach drüber hinweg gesehen). Und Herr Kuhn hat nicht mehr Geld zur Verfügung als sein Amtsvorgänger. Auch werden nicht irgendwelche Gelder sinnlos für Grüne "Spinnereien" ausgegeben. Nein, es werden sogar Maßnahmen, die Geld in die Kasse bringen (Parkraummangment), gleich wieder verteufelt. (Uppss, das Parkraummanagment wurde ja unter Schuster eingeführt, tschuldigung). Was sagt mir das? Herr Schuster war wohl ein guter (Bürger-) Meister im vertuschen und nicht handeln. Schade, wieder ein Traum der konserativen geplatzt. Ich weiß, ihr wollt sowas nicht hören, ist aber wohl doch realität.

Angebliche Mehrheit: Seit wann hat denn der Stuttgarte Gemeinderat eine rot-grüne Mehrheit? Einfach mal richtig nachschauen, bevor man Quatsch postet: http://www.stuttgart.de/gemeinderat

Umzug des Varietes in die Villa Berg: Natürlich ist dies erschütternd. Für mich ist nun die Stadt und das Land am Zug eine geeignete Spielstätte zu finden, in welcher das Variete dauerhaft gastieren kann. Mir persönlich kommt hier spontan die Villa Berg in den Sinn. Seit längerem wird über die Nutzung der Villa Berg diskutiert, es gibt Menschen, welche sich regelmäßig treffen, um hier etwas zu erreichen (Occupy Villa Berg); wäre es also nicht sinnvoll hier zu investieren? Zumal ich diese Räumlichkeiten durchaus für angemessener halte, wie die bisherigen. Also, worauf wird noch gewartet? Nicht motzen, machen!

tristesse: eine stadt schafft sich ab - stück für stück. selbstverständlich muss das land hier handeln und geld in die hand nehmen - so wie die stadt beim botnanger tierheim. wenn man sich bei s21 nicht hasenfüssig der bahn gefügt hätte, wäre das geld ja sogar da und das regieren eine einzige erfolgsgeschichte. stattdessen: tristesse am bahnhofsloch und tristesse in den köpfen der grünen stadt- und landesregierungen. und frustrierte bürger, die inzwischen keine der etablierten parteien mehr wählen werden.

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