Veranstaltung im Stadtleben-Büro von StZ und StN Neues Funknetz verbreitet sich über die Stadt

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Bei einem Workshop in der Geißstraße 4 am Hans-im-Glück-Brunnen ist über das Internet der Dinge informiert worden. Außerdem gab es Sensoren für das neue LoRaWAN-Netzwerk, das in Teilen der Stadt schon verfügbar ist.

Die Veranstaltung im Stadtleben-Büro zum Internet der Dinge hatte Workshop-Charakter – und brachte erste Ergebnisse. Foto: Jürgen Brand 6 Bilder
Die Veranstaltung im Stadtleben-Büro zum Internet der Dinge hatte Workshop-Charakter – und brachte erste Ergebnisse. Foto: Jürgen Brand

S-Mitte - Eine kleine Gemeinschaft von Technik-Interessierten ist zurzeit dabei, in Stuttgart und der Region „ein offenes gemeinsames Netzwerk für das Internet der Dinge“ aufzubauen. Dafür wird die Funktechnologie LoRaWAN – Long Range Wide Area Network – verwendet, die bei niedrigem Energieverbrauch eine hohe Reichweite ermöglicht. Und die in Teilen der Stuttgarter Innenstadt bereits verfügbar ist. Unterstützt wird die Smart-City-Community „The Things Network Region Stuttgart“ unter anderem von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) und Unternehmen wie Bridging IT mit Sitz im Gerber in der Innenstadt oder der Digital Worx GmbH in Möhringen. Am Mittwochabend haben Vertreter der Gemeinschaft interessierten Lesern des Innenstadtteils von Stuttgarter Zeitung (StZ) und Stuttgarter Nachrichten (StN) das Thema näher gebracht – und sie auch mit den ersten LoRaWAN-Sensoren versorgt.

In Amsterdam fing alles an

Dieses Jahr ist in Stuttgart bisher viel zu trocken. Das plagt die Natur – und macht Hausbesitzern mit Garten, Mietern mit grünem Balkon und vor allem auch den vielen Kleingärtnern in der Stadt zu schaffen. Sich selbst und vor allem ihren Pflanzen kann das Leben mit Hilfe von Smart-Home-Anwendungen erleichtert werden. Feuchtigkeitssensoren in Blumentöpfen und Beeten können melden, wenn es höchste Zeit zum Gießen ist, Regensensoren helfen bei der Festlegung der Wassermenge, kleine Computer am Wasserhahn steuern die Bewässerung. Das alles ist auf Balkonen und Terrassen im heimischen WLAN-Netz kein Problem, dort ist in vielen Haushalten das Internet dcr Dinge längst angekommen. In Kleingartenanlagen wie etwa am Raichberg im Stuttgarter Osten oder auch in den Weinbergen mitten im Stuttgarter Zentrum gibt es kein WLAN-Netz. Und genau dort kann die inzwischen weltweit verbreitete LoRaWAN-Technologie helfen.

„Wir bringen das Internet der Dinge in die Region“, sagte Hjalmar Hiemann von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart am Mittwochabend im Stadtleben-Büro von StZ und StN am Hans-im-Glück-Brunnen. Die „The Things Network“-Bewegung habe vor ungefähr zwei Jahren in Amsterdam begonnen. Dort hatten Bootsbesitzer ein spezielles Problem: Ab und zu liefen ihre in den Grachten liegenden Boote voll – und niemand bemerkte es rechtzeitig. Da es auf den Booten kein WLAN gab, konnten marktübliche Sensoren nicht eingesetzt werden. Einem findigen Amsterdamer fiel dann die LoRaWAN-Technologie als Lösung ein.

Geringer Energiebedarf, hohe Reichweite

Die benötigt wenig Strom und hat eine Reichweite von bis zu zwölf Kilometern pro Sender auch in Städten. Videos können darüber zwar nicht übertragen werden, aber eben einfache Daten wie die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und ähnliche Umweltdaten. Die Sensoren funken nur etwa alle fünf Minuten, deswegen hält die Batterie darin auch viel länger als beispielsweise in WLAN-Sensoren. Seitdem wissen die Amsterdamer Bootsbesitzer, wann sie mal wieder nach dem Rechten sehen sollten.

„Das hat sich seitdem über die ganze Welt weiterentwickelt und -verbreitet“, sagte Hiemann. „Wir fördern solche Entwicklungen.“ Und deswegen unterstützt die WRS auch die hiesige Community beispielsweise bei der Verbreitung von Sensoren, wie am Mittwoch geschehen.

In Stuttgarter sind zurzeit bereits vier sogenannte Gateways oder Sender in Betrieb, die einen großen Teil der Innenstadt mit der Funktechnologie, die deutlich strahlungsärmer als beispielsweise ein Smartphone ist, abdeckt. Zwei der Teilnehmer der Veranstaltung am Mittwoch signalisierten, dass sie zwei weitere Standorte im Stadtgebiet zur Verfügung stellen könnten. Die sogenannten Bürgersensoren, die Hartmut John vom The Things Network Region Stuttgart, an die Teilnehmer verteilte, damit diese sie in Betrieb nehmen konnten, sind inzwischen aktiviert. Weitere sollen folgen.

Für 31. Juli ist ein weiteres Treffen der Teilnehmer geplant, damit diese über ihre ersten Erfahrungen berichten können. Bis dahin sollen auch schon weitere Unternehmen aus Stuttgart und vor allem auch in der Region angesprochen und für das „Forschungsprojekt“, wie John es nannte, gewonnen werden.

The Things Network Region Stuttgart

Community:
Die „The Things Network Region Stuttgart“-Community besteht zurzeit aus 28 interessierten Privatpersonen, die sich dem Thema in ihrer Freizeit widmen. Wer sich dafür interessiert, kann unter https://www.thethingsnetwork.org/community/region-stuttgart/ Mitglied werden.

Unterstützer:
Die Gemeinschaft wird unter anderem von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS), an deren Sitz an der Friedrichstraße in der Innenstadt auch ein Sender installiert ist, sowie von Unternehmen wie Bridging IT und digital worx unterstützt. Weitere Unternehmen als Förderer werden gesucht.

Sensoren:
Die Daten der bereits über das Stadtgebiet verbreiteten Sensoren werden über die zurzeit sieben Gateways in der Innenstadt und der Region an einen zentralen Server geleitet und dort für eine den Mitglieder zugängliche Webseite aufbereitet. Weitere Sensoren sind über die Community erhältlich.

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