Verbrennungen 50 Grad reichen zur Verbrennung

Von Martina Bräsel 

Die Haut von Kindern ist sehr dünn, daher kommt es bei Kerzen oder heißem Punsch leicht zu einer Verbrennung. Eltern unterschätzen oft das Ausmaß einer Verletzung. Ärzte geben Tipps, wie Unfälle zu vermeiden sind.

Kerzen, aber auch heiße Getränke, sind in der Adventszeit nicht ohne. Foto: dpa
Kerzen, aber auch heiße Getränke, sind in der Adventszeit nicht ohne.Foto: dpa

Stuttgart - Brennende Kerzen, dampfender Punsch, knisternde Kaminöfen oder eine Wärmflasche können schwere Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern verursachen. Jedes Jahr müssen in Deutschland etwa 30.000 Brandverletzte unter 15 Jahren ärztlich versorgt werden. 80 Prozent der Unfälle dieser Art geschehen im Haushalt, drei Viertel von ihnen sind Verbrühungen. „Haben sich Kinder erst einmal verbrannt, steht ihnen meist ein langer Leidensweg bevor“, sagt Karin Rothe, Mitglied der der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Schwere Verbrennungen bedeuten starke Schmerzen, oft zahlreiche Operationen bis ins Erwachsenenalter und lebenslang sichtbare Narben.

Meist trifft es die Kleinsten: „Wir wissen, dass 60 Prozent der Betroffenen jünger als drei Jahre sind“, sagt Axel Hennenberger, Mitglied bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Oft unterschätzen Eltern das Ausmaß und die Tiefe der Verletzung. Bereits Temperaturen um 50 Grad reichen für eine Verbrennung aus. Denn Kinderhaut ist sehr dünn, sie wird schon bei Temperaturen geschädigt, die erwachsener Haut kaum etwas ausmachen. „Sind bei Kindern etwa zehn Prozent der Körperoberfläche verbrannt, kann sie dies bereits in Lebensgefahr bringen“, sagt Joachim Suß, Mitglied der DGKCH. Eine Faustregel zur Abschätzung der verbrannten Körperoberfläche: die Handfläche des Betroffenen entspricht einem Prozent seiner Körperoberfläche.

Eine Wunde sollte zehn Minuten mit Wasser gekühlt werden

Je mehr Hautschichten betroffen sind, desto höher ist der Verbrennungsgrad. Man unterscheidet drei Grade, deren Symptome sich langsam entwickeln, deshalb ist das tatsächliche Ausmaß anfangs oft nicht eindeutig zu erkennen. Um einen Hitzestau und ein „Nachbrennen“ zu verhindern, sollte in jedem Fall sofort die Kleidung entfernt werden, aber nur, wenn sie nicht haftet, denn sonst entstehen Hautverletzungen. Die betroffene Körperstelle muss sofort gekühlt werden. Das geschieht am besten mit fließendem kaltem Wasser – mindestens zehn Minuten bei einer Wassertemperatur von etwa 15 Grad. Kälteres Wasser, Cool-Packs oder Eis sind verboten, denn es besteht die Gefahr einer Unterkühlung und Gewebeschädigung. Weil das Kind auf keinen Fall auskühlen darf, sollte es in eine warme Decke gehüllt werden. Bei Verbrennungen zweiten Grades bilden sich Blasen, weil der betroffene Bereich schnell Flüssigkeit aufnimmt. Auch wenn die Blasen bereits aufgeplatzt sind, sollte ein Arzt die Wunde versorgen. „Die Verbrennungsreste müssen abgetragen, desinfiziert und mit Wundauflagen versorgt werden, sonst droht eine Infektion durch Bakterien“, erklärt Axel Hennenberger. Bei Verbrennungen dritten Grades ist die Haut bis auf den Wundgrund verbrannt und sieht wie Leder aus. „In diesem Fall sofort den Notarzt rufen“, rät der Facharzt. Bekleidete Kinder stellt man am besten sofort unter die kühlende Dusche, die Kleidung lässt sich dann leichter ausziehen.

Hausmittel wie Mehl, Puder, Butter, Öl, aber auch Salben oder Gele sind bei größeren Verbrennungen tabu, da sie die Beurteilung und Behandlung der Wunde beim Arzt erschweren. Die Verbrennungen sollten nicht mit flauschigen Materialien wie etwa Watte abdeckt werden, denn sie können mit der Wunde verkleben. Besser sind glatte Baumwolltücher oder sterile Kompressen.

Am besten alle heißen Töpfe außer Reichweite stellen

Um Verbrennungen und Verbrühungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, ein Sicherheitsgitter am Herd anzubringen und möglichst auf den hinteren Herdplatten zu kochen. Wenn Topf- und Pfannengriffe nach hinten gedreht werden, kommen kleine Kinder schlechter an sie heran. Tassen und Kannen mit heißen Getränken sollten weit vom Tischrand entfernt aufgestellt werden. Herunterhängende Tischdenken lassen sich leicht ziehen und stellen daher ein Risiko dar.

Experten empfehlen zudem, nichts Heißes zu essen oder zu trinken, während ein Kind auf dem Arm ist oder auf dem Schoß sitzt. Fläschchen und Brei aus der Mikrowelle fühlen sich oft nur lauwarm an, obwohl der Inhalt kochend heiß ist. Daher sollte man gut umrühren und vor dem Füttern selbst probieren. Und nicht zuletzt sollten kleine Kinder nicht alleine am Wasserhahn spielen, weil sie das heiße Wasser aufdrehen können.

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