Verdi Warnstreiks behindern Berufspendler

Von dpa, StZ 

Der Streik in Stuttgart hat viele Pendler getroffen. Zudem blieben 85 Prozent der Tageseinrichtngen für Kinder in der Landeshauptstadt geschlossen. 

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Foto: Benjamin Beytekin

Stuttgart - Der zweite Streiktag im öffentlichen Dienst Baden-Württembergs hat hunderttausende Pendler und Schüler am Mittwochmorgen in mehreren Städten getroffen. Busse und Straßenbahnen blieben vielerorts in den Depots. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi legten die Beschäftigten vor allem in Stuttgart, Esslingen und Karlsruhe die Arbeit nieder. Viele Menschen mussten auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Verdi zeigte sich zufrieden mit der Streikbeteiligung zum Höhepunkt der ersten Streikwelle im Südwesten.

Während die Polizei in Stuttgart bis zum Vormittag lediglich „sehr volle Straßen“ registrierte, kam es in Karlsruhe zu größeren Staus - schuld daran war aber nicht nur der Streik. „Es gab ein deutlich stärkeres Verkehrsaufkommen. Das wurde aber durch einen größeren Unfall auf der Autobahn mit mehreren Kilometern Stau überlagert.“ In der Folge versuchten noch mehr Autofahrer, durch die Stadt zu ihren Zielen zu gelangen.

Mit den Warnstreiks wollen die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Kommunen und des Bundes den Druck auf die Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen erhöhen. Betroffen von Arbeitsniederlegungen waren neben dem öffentlichen Nahverkehr auch mehrere Krankenhäuser, Kindertagesstätten und Verwaltungen.

Tarifrunde betrifft 170.000 Angestellte

Allein in Stuttgart blieben nach Angaben der Stadt 85 Prozent aller städtischen Tageseinrichtungen für Kinder geschlossen. Auch die Müllmänner gingen in den Ausstand. Für Kliniken wurde ein Notdienst eingerichtet. „Es läuft alles wie geplant“, sagte Verdi-Sprecher Andreas Henke. Die Beteiligung unter den Beschäftigten sei deutlich besser als erwartet. Angaben zu den Teilnehmerzahlen bei konnte er zunächst nicht nennen.

Auch in Karlsruhe verlaufe der Warnstreik „sehr gut“, sagte Henke. Dort waren alle Kindertagesstätten geschlossen, zudem fuhren weder Busse noch Straßenbahnen sowie die Stadtbahnlinie 2. Für einige Busse gab es nach Angaben der Verkehrsbetriebe aber einen Ersatzfahrplan, der Anschlüsse in die Innenstadt und zu den S-Bahnen der nicht bestreikten Albtal-Verkehrs-Gesellschaft herstellen sollte. Nicht betroffen vom Streik war der Shuttle-Verkehr zur Kunstmesse „art“.

Im Tagesverlauf waren Warnstreiks zum Beispiel auch in Ulm und Schwäbisch Gmünd geplant. In Esslingen standen die Omnibusse still, dort war für den Mittag wie auch in der Landeshauptstadt eine Kundgebung geplant.

Bereits am Dienstag hatten rund 1000 Beschäftigte für die Forderung nach 6,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat, ihre Arbeit niedergelegt. Ziel ist es, die Arbeitgeber für die nächsten Tarifgespräche am 12. März zu einem Angebot zu bewegen. Die Tarifrunde betrifft im Südwesten 170. 000 Angestellte der Städte und Gemeinden sowie 8200 Angestellte des Bundes.

 

 

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26 KommentareKommentar schreiben

Solidarität: @Industriemechaniker Reicht die Solidarität auch dann noch aus, wenn ein vergleichbarer Tarifabschluss wie in der Industrie einmal im Einzelhandel abgeschlossen würde ? Auch im Einzelhandel wird nicht sonderlich gut gezahlt ( und Verdi macht sich nie sonderlich große Mühe, erkleckliche Tarifabschlüsse für die AN herauszuhandeln). Warum wohl ? Ganz einfach. Dies würde sich sofort auf die Endverbraucherpreise im Einzelhandel niederschlagen. Hierfür hätte die gesamte Bevölkerung wohl kein Verständnis. Soviel zum Thema Solidarität ! Schaut einfach einmal, wie hoch die Tarifverträge im Einzelhandel sind, wieviel geringfügig Beschäftigte dort tätig sind und wieviel Beschäftigte jetzt beispielsweise bei der Insolvenz der Firma Schlecker 'freigesetzt' werden.

Es trifft doch nicht den AG: Grundsätzlich ist es sicherlich völlig legitim zu streiken - Ziel eines Streiks soll letztlich jedoch sein, dass dem Arbeitgeber durch die Arbeitsniederlegung seiner Mitarbeiter (wirtschaftlicher) Schaden entsteht und er so unter massiven Druck gesetzt wird, um den Forderungen des Arbeitnehmerverbandes entgegenzukommen. Hier jedoch ist es nicht der Arbeitgeber, der mit den sich daraus resultierenden Folgen konfrontiert wird, sondern Pendler, Eltern, Kinder, ... der Arbeitgeber spart an Lohn- und Nebenkosten. Abos für die Straßenbahn und Busse sind bezahlt, Kita-Gebühren ebenfalls. Die Ausfälle sind also verschwindend gering, wenn überhaupt messbar. Fazit ? Dem Arbeitgeber kommen Streiks doch eher zugute. Leidtragende sind also diejenigen, die absolut keinerlei Befugnis über die Durchsetzung der Forderungen haben. Ganz im Gegenteil - wieviele Chefs haben Verständnis dafür, dass ihr(e) Mitarbeiter(in) wiederholt nicht zur Arbeit kommen kann, weil keine Straßenbahn oder kein Bus fährt ? Oder die Kita schließt und keine alternative Betreuung für das Kind vorhanden ist ? In 2009, als die Kitas über mehrere Wochen immer wieder geschlossen blieben, habe ich nur Rufe nach Solidarität für die Streikenden gehört. Keiner der Streikenden hat sich auch nur ansatzweise die Mühe gemacht, sich in die Situation der Eltern zu versetzen, die sich tagtäglich logistischen Höchstleistungen stellen musste, um einen auch nur halbwegs realisierbaren Alltag hinzubekommen. Kinder waren verwirrt und traurig, weil sie nicht mehr in den Kindergarten durften und stattdessen mehr oder minder hin- und hergeschoben wurden, damit Mama und Papa zur Arbeit gehen können. Oder eben müssen - nicht nur im öffentlichen Dienst Beschäftigte können sich mit nur einem Gehalt nicht über Wasser halten. Da wurden Jahresurlaube gegen teure Gebühren storniert, weil die Urlaubstage nicht mehr ausreichten - zuviele Urlaubstage gingen für Streiktage drauf. Der Familienurlaub ? Futsch. Dafür ein großes Loch in der Kasse. Die Arbeitgeber ? Erfreuten sich an gesparten Lohn- und Nebenkosten. Die SSB wurde bereits vor wenigen Monaten betreikt. Und nun schon wieder. Hier komme ich mir zwischenzeitlich mehr als veräppelt vor. Wurden die Forderungen denn nicht erfüllt ? Meines Wissens nach wurde doch eine Einigung herbeigeführt ? Oder geht es dieses Mal 'um etwas anderes' ? Falls dies der Fall sein sollte, frage ich mich ernsthaft, ob verdi vielleicht nur Spaß daran hat, mal alles außer Kraft zu setzen. Kann man um Himmels Willen denn nicht alle Punkte auf EINE Liste setzen ? Muss man im Herbst über 7 Punkte verhandeln und im Frühjahr über 2 andere ? Kann man dies nicht zusammenfassend tun ? Weiterhin empfinde ich 'Warnstreiks' gerade an jenen Stellen, bei denen nicht direkt die Arbeitgeber getroffen werden, als sehr unfair. Die Verhandlungen sind noch nicht gescheitert, aber rein zur Prophylaxe wird zum Warnstreik aufgerufen. Einmal ist keinmal, also werden weitere Warnstreiks folgen. Bis die Verhandlungen scheitern. Um dann zum Streik aufzurufen. Ich habe Verständnis dafür, dass den im öffentlichen Dienst Beschäftigten eine angemessene Lohnerhöhung zusteht, keine Frage. Aber wäre es nicht angemessen, erst dann zu streiken, wenn die Verhandlungen tatsächlich gescheitert sind ? Und dann zumindest einen 'Notfallplan' anzubieten ? Strecken, die nur mit Bus & Straßenbahn zurückzulegen sind, eben zumindest 4x täglich zu befahren (2x morgens, 2x abends) ? Eine Betreuung nur vormittags oder nur nachmittags anzubieten ? 'Jeder ist sich selbst der Nächste' scheint Deutschlands Lebensmotto zu sein. Wer mit solch einer Einstellung jedoch auf große Solidarität baut, braucht sich nicht wundern, wenn er keine bekommt.

Arbeitnehmer müssen zusammenhalten: Ob in der Privatwirtschaft oder im Öffentlichen Dienst, wir Arbeitnehmer müssen zumindest die Steigerung der Preis und Abgaben durch Lohn und Gehaltserhöhungen wieder auffangen. http://www.eu-info.de/deutsche-europapolitik/umfragen-statistiken-deutschland/reallohn/ Hier kann man sehen wie, wie sich das die letzten 8 Jahre im Schnitt entwickelt hat; für die Kollegen im Öffentlichen Dienst war die Entwicklung übrigens schlechter als in der Industrie, wo ich tätig bin. - Die Bruttolohnerhöhungen, den Urlaub, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und vieles mehr haben wir den Arbeitnehmern zu verdanken, die gemeinsam dafür eingetreten sind - letztlich mit dem Druckmittel des Streiks, für dessen Durchführung übrigens die Streikenden finanzielle Einbußen hinnehmen. Diejenigen Arbeitnehmer, die kein Verständnis für Streiks haben, sollten doch bitte schön zukünftig sich mit den 20 Tagen gesetzlichem Urlaub (bei 5-Tage-Woche) zufrieden geben, auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verzichten und auf einen gesetzlichen Mindestlohn hoffen.

Null Sympathie für diesen SSB-Streik: Der Verdi-Streik gegen die SSB war auch die volle Unverschämtheit gegen die Fahrgäste der SSB: Anstatt einen Shuttle-Service zu zentralen S-Bahn Haltestellen einzurichten, wie man das übrigens in Karlsruhe gemacht hat, hat man die Stuttgarter kalt in der Pampa stehen lassen - sollen die SSB-Kunden doch gefälligst selbst sehen, wie sie ohne Öffentliche klar kommen. Man kann nur hoffen, dass die Stuttgarter Verdi Mitglieder den Organisatoren des SSB-Streiks umgehend den Stuhl vor die Tür stellen. Und sich klar machen - und zwar subito - dass es die Fahrgäste sind, die mit ihren Tickets die SSB Mitarbeiter finanzieren. Und nicht umgekehrt.

@Familie Schnauzevoll (7.3.12, 13 Uhr)r: schrieb 'WAS wollen die noch ? - der Tarifvertrag gilt bis 2016, können/wollen die sich nicht daran halten?' und viele Unwissende drückten + als Zustimmung. - Informieren geht vor Schnauze voll nehmen!

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