"Verhaltensgestörte Personen" Bahn entschuldigt sich für Volksfest-Meldung

Von Theresa Schäfer / /  

Ein skurriler Warnhinweis macht die Bahn zum Gespött: Am Stuttgarter Hauptbahnhof wurde in einer Anzeige am S-Bahngleis in einem Hinweis zum Cannstatter Volksfest vor "verhaltensgestörten Personen" gewarnt. Die Bahn ist um Schadenbegrenzung bemüht.

Es ist mit verhaltensgestörten Personen zu rechnen: Aus der Sicht mancher Fahrgäste hat der Bahn-Mitarbeiter, der anlässlich des Cannstatter Wasens diesen Warnhinweis über die Infotafeln laufen ließ, eine bittere Wahrheit ausgesprochen. Sein Arbeitgeber ist hingegen not amused. Foto: Wasen Free Youth bei Facebook
"Es ist mit verhaltensgestörten Personen zu rechnen": Aus der Sicht mancher Fahrgäste hat der Bahn-Mitarbeiter, der anlässlich des Cannstatter Wasens diesen Warnhinweis über die Infotafeln laufen ließ, eine bittere Wahrheit ausgesprochen. Sein Arbeitgeber ist hingegen not amused.Foto: Wasen Free Youth bei Facebook

Stuttgart - "Cannstatter Wasen: Es ist mit Verspätungen, überfüllten Zügen und verhaltensgestörten Personen zu rechnen." Hochnotpeinlich ist der Bahn dieser skurrile Warnhinweis, der an den S-Bahnanzeigen am Stuttgarter Hauptbahnhof und weiteren Bahnhöfen in der Region gelaufen ist und jetzt im Netz für Lacher sorgt.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagte eine Bahnsprecherin am Sonntagmorgen: "Wir entschuldigen uns in aller Form." Nikolaus Hebding vom Stuttgarter Bahnhofsmanagement sagte, mit der Mitteilung sei eine Grenze überschritten worden. Ein Mitarbeiter habe offenbar eigenmächtig gehandelt. "Eine solche Meldung wäre niemals freigegeben worden."

 

 

Der betreffende Mitarbeiter werde jetzt zum Gespräch gebeten.

Dass die Wasenzeit für den öffentlichen Nahverkehr eine Belastung darstelle, sei klar, sagte die Sprecherin und nannte als Beispiel die Störungen durch Ballons in den Oberleitungen. Hinzu kommen betrunkene Wasengäste, die in den S-Bahnen pöbeln oder sich gar übergeben müssen. "Das entschuldigt aber auf keinen Fall eine solche Meldung. Der Mitarbeiter muss uns wirklich erklären, was er sich dabei gedacht hat."

Große Zustimmung bei Facebook

„Das kam bei uns noch nie vor“, betont die Bahnsprecherin. Nur ein einziges Mal habe einer versehentlich getextet, Reisende sollten auf ihr „Gebäck“ achten. Mit einer Rechtschreibschwäche wird sich der Mitarbeiter bei seiner Formulierung mit den "verhaltensgestörten Personen" allerdings kaum herausreden können.

Im Netz erntete die Formulierung überwiegend Zustimmung. Ein Kommentar auf der StZ-Facebookseite ("Mein persönlicher "Mitarbeiter des Jahres"!") kam bis Sonntagnachmittag auf rund 150 Likes. Ein anderer schrieb: "Endlich mal ein Bahnmitarbeiter, der die Wahrheit sagt!"

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18 Kommentare Kommentar schreiben

lol: Die Bahn sollte sich lieber für den katastrophalen Zustand des S-Bahn-Systems im Grossraum Stuttgart bei den Fahrgästen entschuldigen. Diese wenigstens noch witzige Fahrgastinformation, bedarf keiner solchen.

Respekt vor den Bedürfnissen der Fahrgäste fängt bei der Bahn selber an: Im Zusammenhang mit den erwähnten volksfestbedingten Turbulenzen saß ich mit Hunderten anderer Fahrgäste eine Weile in Plochingen im Zug fest, weil laut Durchsage noch auf die Polizei gewartet werden müsse, um sich einiger Fahrgäste anzunehmen. Vor vielen Jahren steckte ich ebenfalls lange an einem Bahnhof fest, weil der Schaffner einen Fahrgast ohne Fahrschein ebenfalls der Polizei übergeben wollte und dazu den nächstliegenden Bahnhof wählte, den zu erreichen die Polizei noch viel Zeit brauchte. Ich möchte als Fahrgast nicht von der Bahn mit verpassten Anschlüssen bestraft werden und bitte darum, künftig mit der Polizei einen Bahnhof abzustimmen, an dem sie bei Ankunft des Zuges bereitstehen kann. Die Vorschriften der Bahn sollten nochmals daraufhin überprüft werden, dass das mutwillige Stoppen von Zügen durch die Bahn AG selbst nur bei sonst drohender Gefahr für Fahrgäste oder Zugpersonal erlaubt ist und ansonsten vorrangig die Beförderungsleistung verlässlich erbracht wird. Anschlussbusse aufs Land fahren zum Teil nur stündlich und warten nicht am Bahnsteig gegenüber.

Was für ein Tamtam: Was hätten wir heute wohl hier zu lesen, wenn der Bahnangestellte geschrieben hätte: "Ich liebe Dich! Willst Du mich heiraten?" Ab gesehen davon, wo hat dieser denn Unrecht? Ach richtig, so was tut man nicht! Man hat schön zu reden! Ich finde es klasse, das auf Menschen hingewiesen wird, die ihre Grenzen nicht kennen und andere damit unnötig ärgern müssen. Gruß vom Motzkigele

Als SSB Fahrgast kann ich die Einschätzung des Bahnmitarbeiters nachvolliziehen: ... Erbrochenes im Fahrgastraum, johlende bierzeltstinkende Hobbyoberbayern .... kurz besoffene Leute, die außer zum Wasen nie Öffis nutzen und Null Rücksicht auf andere Fahrgäste nehmen. Puh, ich bin froh, dass der Wasen vorbei ist.

Entschuldigen?: Seit wann muss man sich denn für die Wahrheit entschuldigen? Ich finde es klasse, was dieser Mitarbeiter da geleistet hat, endlich mal jemand, der die Wahrheit auf die Informationstafeln bringt. Aber die Wahrheit (das gilt für ALLE Bereiche m Leben) wollen ja die meisten nicht hören, schade!!!!!

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