Verkehr: Ausbauarbeiten sollen Ende Juli weitergehen Zauneidechsen bremsen Schönbuchbahn aus

Von gig 

Die Ausbauarbeiten müssen bis Ende Juli ruhen, weil das Tiervorkommen erneut geprüft wird. Der ohnehin enge Zeitplan wird noch weiter strapaziert, schon im Dezember 2018 sollen die Züge wieder rollen. Auch der Kostenplan gerät ins Wanken.

Amphibienzäune wie hier in der Nähe der Station Zimmerschlag sollen  die Eidechsenspopulation retten. Foto: factum/Granville
Amphibienzäune wie hier in der Nähe der Station Zimmerschlag sollen die Eidechsenspopulation retten. Foto: factum/Granville

Böblingen - Was Experten bereits befürchteten, ist eingetreten: Entlang der Ausbaustrecke der Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Holzgerlingen stoppt der Artenschutz das Ausbauvorhaben. Naturschützer haben eine nicht geringe Zahl von Zauneidechsen entdeckt. Hinter dem Zeitplan gibt es nun erst recht ein dickes Fragezeichen. Weil die Förderung aus dem Topf des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) Ende des nächsten Jahres ausläuft, ist ohnehin Eile geboten. „Außerdem können wir die Kostenentwicklung momentan nicht absehen“, erklärte der Landrat Roland Bernhard in der jüngsten Versammlung des Zweckverbands Schönbuchbahn.

Noch eine Suche nach den Eidechsen

Bernhard räumte ein, dass er sich schon „ziemlich echauffiert“ habe angesichts der gesetzlichen Vorgaben. „Der Naturschutz ist wichtig. Aber mir geht in diesem Fall der Tierschutz dann doch zu weit“, bekannte der Landrat. Der Zweckverbandsgeschäftsführer Reinhold Bauer berichtete von mehrmaligen Kontroll- und Sammelaktionen, zwischen denen längere Wartezeiten nötig waren. Die Bereiche an der Strecke müssten mindestens drei Mal inspiziert werden – und zwar in einem zeitlichen Abstand von 14 Tagen, erläuterte Reinhold Bauer.

Zudem müsse bei einer solchen Aktion das Thermometer mindestens 15 Grad Celsius zeigen. Im Mai habe es Wochen gegeben, die dafür zu kalt gewesen seien, bilanzierte der Zweckverbandschef. Die Artenschützer siedelten dennoch einige Tiere um. Die letzte Kontrolle soll am 15. Juli stattfinden, anschließend muss sie noch ausgewertet werden. In Augenschein genommen werden auch die Schutzzäune, die zwischen der Station Zimmerschlag und Holzgerlingen, im Bereich der Danziger Straße in Böblingen und dort auch unweit der Herrenberger Straße aufgestellt worden sind. Sie sind teilweise 40 bis 50 Zentimeter hoch und erstrecken sich zwischen Zimmerschlag und Holzgerlingen auf vier Kilometer. „Da fragt man sich, ob der Hund mit dem Schwanz wackelt, oder nicht eher umgekehrt“, schimpfte Bernhard.

Hoffnung auf einen Zuschuss für die Elektrowagen

Mit dem zweigleisigen Ausbau zwischen Böblingen und Holzgerlingen soll jetzt spätestens Ende Juli/Anfang August begonnen werden. Der Streckenabschnitt ist dann ein Jahr lang gesperrt. Der erste Spatenstick soll noch vor den Sommerferien sein. „Dann ist hoffentlich der Verkehrsminister Winfried Hermann mit von der Partie, damit wir ihn noch einmal auf die Kostenbeteiligung des Landes ansprechen können“, sagte der Landrat. Die insgesamt 94 Millionen Euro teure Elektrifizierung der Gesamtstrecke bis Dettenhausen und der Ausbau zwischen Böblingen und Holzgerlingen kosten insgesamt 94 Millionen Euro. Das Land ist bisher bereit, dafür einen Zuschuss von 37 Millionen Euro zu gewähren. Allerdings nur, wenn nach dem Auslaufen des GVFG bis spätestens Ende 2019 sämtliche Kosten abgerechnet sind.

Klar ist, dass die bestellten neun Elektrofahrzeuge 51,3 Millionen Euro kosten. Ursprünglich hoffte der Zweckverband auf einen Landesobolus von 26,5 Millionen Euro, hat aber nun seine Erwartungen deutlich zurückgeschraubt. Als Zuschuss sind momentan neun Millionen Euro einkalkuliert. Zwar stehen dem Minister Hermann für die nächsten drei Jahre 60 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen der Kauf neuer Elektrowagen bezuschusst werden kann. Doch befindet sich die Schönbuchbahn in Konkurrenz zu anderen Bahnprojekten im Land.

Wie teuer der Ausbau wird, ist unklar

Unklar ist darüber hinaus. ob es bei Ausbaukosten im zweistelligen Millionenbereich bleibt. „Die Baupreise befinden sich im Steilflug“, stellte Bernhard fest. Bereits die erste Vergabe mit einem Kostenvolumen von vier Millionen Euro fiel teurer aus als geplant. Und die größten Batzen mit der Leit- und Sicherheitstechnik stehen noch aus. Ende August wisse man mehr, sagte Bernhard, bis dahin sollen auch diese Arbeiten vergeben werden. „Dann sehen wir erst, wo wir stehen“, fügte er hinzu.

Wenn der Ausbau beendet ist, stehen allerdings noch keine Elektrofahrzeuge bereit. Diese werden vom spanischen Hersteller CAF frühestens im Jahr 2020 geliefert. Bis dahin sollen weiterhin Dieselfahrzeuge zum Einsatz kommen.