Verkehrsgerichtstag Führerschein mit 16 wird geprüft

Michael Trauthig, 25.01.2013 16:24 Uhr

Goslar - Ein typischer Unfall: es ist Winter, ein 18-Jähriger fährt auf der Landstraße. Er rechnet nicht mit Glätte. Sein Auto gerät ins Schleudern, rauscht frontal in den Gegenverkehr. Ein Toter und vier Schwerverletzte sind die Folge. So geschehen gerade erst bei Göttingen. Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren verursachen rund 30 Prozent aller Unfälle, obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur bei etwa acht Prozent liegt. Sie sind eine „Hochrisikogruppe“, sagt ein Experte auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar. Wie diese Gefahr zu senken ist, ist ein Schwerpunkt auf dem Treffen von rund 2000 Experten im Harz.

Zwar seien in den vergangenen Jahren deutlich weniger Führerscheinnovizen als früher umgekommen, sagt Heidrun Großmann von der Bundesanstalt für Straßenwesen. Entwarnung bedeute dies nicht. Der Rückgang könne an der Demografie liegen oder daran, dass junge Menschen heute nicht mehr so oft das Auto nutzen – weil es seinen Reiz als Statussymbol verloren hat oder weil es schlicht zu teuer ist. „Die Anfänger sind aber immer noch die am stärksten gefährdete Gruppe im Verkehr“, stellt die Psychologin im zuständigen Arbeitskreis klar. Mangelnde Erfahrung, jugendlicher Leichtsinn und das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten gelten als Gründe dafür. Am gefährlichsten ist dabei die Zeit direkt nach der Führerscheinprüfung. In dem Moment sei die Wahrscheinlichkeit, einen Crash auszulösen, zehnmal so hoch wie bei routinierten Fahrern, so Großmann. Ein dreiviertel Jahr später habe sich die Gefahr bereits halbiert, und nach rund drei Jahren liege sie schon auf dem Niveau der alten Hasen.

Junge Männer sterben öfter

Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Vor allem junge Männer kämen zu Tode, berichtet Ulrich Chiellino, weil sie häufig zu schnell unterwegs seien. Der Mann vom ADAC spricht deshalb von einer „Storming­phase“, in der die einmal gelernten Regeln beiseite geschoben würden. So habe eine groß angelegte Studie gerade ergeben, dass die meisten Neulinge am Steuer schon nach kurzer Zeit Schilder nicht mehr beachten und auch nicht mehr blinken. „Wir sind uns alle einig, dass hier etwas passieren muss“, betont der Psychologe.

Womöglich, so ein Gedanke in Goslar, liege die Misere auch an den Fahrschulen. Das meint zum Beispiel der Auto Club Europa. Schließlich fielen rund 33 Prozent durch die Führerscheinprüfung, was an der Qualität der Ausbildung und am Geschäftsgebaren zweifeln lasse. Bei solchen Vorwürfen kann Gerhard von Bressensdorf schon mal die Beherrschung verlieren. „Es geht nicht an, einen ganzen Berufsstand zu diffamieren“, schimpft der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. „Wir haben vielleicht ein paar wenige Schweinehunde in unseren Reihen. Doch das ist genauso wie bei Pfarrern, Juristen oder Ärzten“, sagt der Fahrlehrer aus dem Allgäu. Die allermeisten seiner Kollegen leisteten aber hervorragende Arbeit.