Hamburg/Stuttgart - Stuttgart 21 führt zu "Engpässen", verursacht "Konflikte zwischen Hauptbahnhof und Flughafen mit dem Regionalverkehr" und ist "nicht kompatibel mit den angenommenen Fernverkehrszügen". Was sich liest wie ein Gutachten von Projektgegnern, findet sich in einer von der Landesregierung vor zwei Jahren in Auftrag gegebenen und bis heute geheim gehaltenen 60 Seiten starken Studie des Züricher Verkehrsplanungsinstituts SMA.
Die Vorabmeldung der Zeitschrift "Stern" »
Das führende europäische Institut für die Planung von Eisenbahnverkehr hat den Auftrag erhalten, den Entwurf einer Fahrplanstruktur für die Zeit nach der Realisierung von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen – Ulm zu entwickeln. Wie der Autor Arno Luik, dem die Studie vorliegt, im "Stern" schreibt, werden in der SMA-Studie "Fahrzeitverlängerungen" beklagt, weil S-Bahnen die ICEs aufhielten. Infrastrukturengpässe würden am Übergang zwischen Neckartalbahn und Neubaustrecke und auf den Fildern prognostiziert, weil sich dort sämtliche Zugarten auf eingleisigen und niveaugleichen Trassen in die Quere kämen.
Fazit fällt negativ aus
Die Projektpartner Bahn, Land, Stadt und Region verweisen stets auf die Vorteile von Stuttgart 21 für den Fern- und Regionalverkehr. Das Fazit der Gutachter fällt hingegen eindeutig negativ aus: Die SMA sieht für den künftigen Zugbetrieb ein "hohes Stabilitätsrisiko", die Infrastruktur von Stuttgart 21 sei knapp dimensioniert und eine Gestaltung des Fahrplans "nur in sehr geringem Maß möglich."
Am Schluss heißt es besorgt: "Letztes Wort bezüglich Infrastruktur-Dimensionierung gesprochen? Letztes Wort bezüglich Konzeption S-Bahn gesprochen?" Pikant: auch Bahnchef Rüdiger Grube kennt laut "Stern" die SMA-Studie nicht. Grube sagte dem Magazin, er habe jedoch großes Vertrauen in seine Fahrplangestalter, das seien schließlich "absolute Experten".