Verkehrsprojekt für Mannheim und Ludwigshafen Seilbahn statt Brücke über den Rhein?

Von Johanna Eberhardt 

Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar und der Regionalverband prüfen die Potenziale einer Gondel-Verbindung zwischen Mannheim und Ludwigshafen. Auslöser der Überlegungen ist der geplante Abriss der Hochstraße Nord in Ludwigshafen.

Eine Seilbahn im Stadtverkehr – in Koblenz funktioniert das seit der Bundesgartenschau 2011. Vor allem Touristen gondeln zur Festung  Ehrenbreitstein. Foto: dapd
Eine Seilbahn im Stadtverkehr – in Koblenz funktioniert das seit der Bundesgartenschau 2011. Vor allem Touristen gondeln zur Festung Ehrenbreitstein.Foto: dapd

Mannheim/Ludwigshafen - Die Verkehrsplaner der Region prüfen, ob der Bau einer Seilbahn über den Rhein die Straßen und Brücken zwischen Mannheim und Ludwigshafen entlasten könnte. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar wird dazu nach Angaben des Regionalverbands noch in diesem Frühjahr eine Analyse vorlegen, in der die Potenziale eines solchen Projekts näher untersucht werden sollen.

Anlass der Überlegungen ist der geplante Abriss und Neubau der Hochstraße Nord in Ludwigshafen. Die Baumaßnahem, zu der eine neue Brücke und die Tieferlegung der Straße gehören, soll 2018 beginnen. Noch ist unklar, wie während der auf acht bis zwölf Jahre veranschlagten Umbauzeit die Verkehrsströme in und zwischen den beiden Nachbarstädten gelenkt werden sollen. Sicher scheint bisher nur, dass es zumindest in den Hauptverkehrszeiten zu erheblichen Staus kommen dürfte. Das macht vielen Mannheimer Unternehmen und den Einzelhändlern Sorgen, deren Mitarbeiter und Kunden täglich aus der Pfalz über den Rhein nach Nordbaden kommen.

Überlegungen für Seilbahn „ganz am Anfang“

Die Überlegungen für eine Seilbahn stünden „noch ganz am Anfang“, erklärte der Direktor des Regionalverbands Christoph Trinemeier, der seine Mitglieder in seiner nächsten Sitzung erstmals über die Idee informieren will. Angesichts der zu erwartenden Verkehrsprobleme während der Bauzeit gebe es bereits eine Vielzahl von Überlegungen, wie man Autos und Straßenbahnen umleiten oder großräumig besser lenken könne. Dabei gehe es auch um die Frage, welche Möglichkeiten es für die Verbesserung bei der Beförderung von Pendlern gebe, erklärte er. Neben dem Vorschlag, Straßenbahnzüge zu verlängern und Taktzeiten zu verkürzen sei auch die Idee für den Bau einer „urbanen Seilbahn“ für den ÖPNV aufgekommen. Es gebe - von Koblenz am Rhein bis nach Südamerika – bereits einige erfolgreiche Beispiele für deren Einsatz.

Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar wolle nun zunächst ermitteln, mit wie vielen Nutzern eine solche Seilbahn über den Rhein zwischen Mannheim und Ludwigshafen rechnen könne. Erst danach wolle man sich in den Gremien des Verbandes näher mit dem Thema befassen. Schon jetzt gehe man aber davon aus, dass sich ein solches Projekt nur rentieren werde, wenn es sinnvoll in das bestehende Nahverkehrsnetz integriert werde und auf Dauer angelegt sei. Es könne nicht nur um einen schnellen „Sprung über den Rhein“ gehen, sondern darum, dass die Pendlerströme mit der Seilbahn auch ihr Ziel erreichten, meinte der Verbandssprecher.

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2 KommentareKommentar schreiben

Seilbahn über Rhein: So langsam werden die verantwortlichen Politiker und Stadtplaner nervös. Der Termin des Abrisses der Hochstraße und damit Wegfall der zweiten Brücke über den Rhein kommt immer näher. Ich glaube, kein Mensch kann sich bisher dieses kommende Verkehrschaos ausmalen, das damit einhergeht. Man hat seit Jahrzehnten versäumt, eine dritte Rheinbrücke zu bauen, die Straßenanschlüsse mit der B 38a enden im Niemandsland. Eine Gemeinde hat die damalige Verwirklichung sabotiert, im Verbund mit den Grünen. Eine zweite Fähre war auch schon im Spiel, jetzt soll eine Seilbahn das richten. So eine Seilbahn ist eine Touristenattraktion, unbestritten. Aber eine Seilbahn befördert keine Autos über den Rhein. Der Nahverkehr kann unmöglich die zehntausende Pendler links und rechts des Rheins aufnehmen. Am Beispiel Karlsruhe sehen wir ja, wie es dort mit der zweiten Rheinbrücke vorwärtsgeht: Die Grünen in B-W blockieren mit ihrer Haltung dieses Projekt. Ja wenn es sich um eine "Tierbrücke" handeln würde, die wäre binnen kürzester Zeit installiert (sh. Projekt A 61 bei Schifferstadt). Diese Pressemeldung erschien ein Monat zu früh, solche Artikel schreibt man am 1. April.

Doch lieber eine Brücke!: Ich finde, man sollte Seilbahnen immer auch als Alternative und als Ergänzung mit in Erwägung ziehen. Seilbahnen haben Vor- und Nachteile. Wenn aber eine Brücke möglich ist, sollte auch eine Brücke gebaut werden. Eine Brücke hat eine weitaus höhere Verfügbarkeit, als eine Seilbahn und braucht kein Personal für den laufenden Betrieb.

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