Verlag Mairdumont Marco Polo erneuert sich zum Jubiläum

Von  

Mairdumont will den Reiseführer mit digitalen Zusatzangeboten fit für die Zukunft machen. Bangemachen gilt aber nicht: Verdrängen kann das Internet das gedruckte Exemplar nicht.

Das Internet macht Mairdumont-Chefin Stephanie Mair-Huydts keine Angst. Foto: M. Danze
Das Internet macht Mairdumont-Chefin Stephanie Mair-Huydts keine Angst.Foto: M. Danze

Stuttgart - Der Name Marco Polo ist seit jeher mit dem Thema Reisen verbunden. Mittlerweile denken viele Deutsche aber nicht mehr an den venezianischen Entdecker, sondern an die kleinen Reiseführer von Mairdumont, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Dass der Name stark mit dem Reisen verknüpft ist, zeigt auch eine Anekdote von Stephanie Mair-Huydts, der Sprecherin der Geschäftsführung und Erbin des Verlags Mairdumont in Ostfildern: „Als wir vor über 25 Jahren die Leute zu Marktforschungszwecken fragten, ob sie die Marco-Polo-Reiseführer kennen, sagten viele ja – dabei waren die Bücher noch gar nicht auf dem Markt.“

Der Erfolg schien also programmiert zu sein. Damals trat der Verlag mit dem Anspruch an, einen Reiseführer zu machen für Leute, die um solche Produkte bislang einen Bogen gemacht hatten. Was auch daran gelegen habe, dass die früheren Führer zu stark auf Hochkultur gesetzt hätten, erinnert sich Mair-Huydts. „Das Neue an der Grundphilosophie von Marco Polo war, dass Lifestyle genauso wichtig ist wie die Kultur“, sagt sie.

Der Umsatz mit Reiseführern ist seit 2002 gestiegen

Heute, zum 25-Jahr-Jubiläum, sind die dünnen Büchlein Marktführer mit einem Marktanteil von 22 Prozent. Die zehn meistverkauften Reiseführer im vergangenen Jahr waren alle aus der Marco- Polo-Reihe. Insgesamt gibt es 247 Titel in sechs Sprachen; jährlich sind nach Angaben von Mairdumont sechs Millionen Reisende mit einem solchen Reiseführer unterwegs.

Seit den ersten Ausgaben im Jahr 1991 wurden über 100 Millionen Exemplare verkauft. Unkenrufen, dass die gedruckten Reiseführer nach und nach durch kostenlose Online-Reiseportale ersetzt würden, hält Mair-Huydts entgegen, dass der Umsatz mit Reiseführern seit 2002 sogar gestiegen sei. „Es stimmt hoffnungsfroh, dass das Internet den Reiseführern keinen Abbruch getan hat“, sagt Mair-Huydts. Zwar informierten sich Reisende vor dem Aufbruch im Netz, „auf der Reise haben sie dann aber einen Reiseführer dabei“, ist Mair-Huydts überzeugt.

Ein neues Vehikel ist Mairdumont Ventures

Doch auch wenn Mairdumont bewusst weiter auf das Printprodukt setzt, verschließt man sich das Familienunternehmen aus Ostfildern der Digitalisierung nicht: Die seit Januar neu aufgelegten Reiseführer bieten eine kostenlose Touren-App und einen online fortlaufend aktualisierten Veranstaltungskalender für das jeweilige Reiseziel.

Um die Digital-Kompetenz im Verlag zu erweitern, hat Mairdumont im vergangenen Jahr die Firmen Trips by Tips, eine Bewertungsplattform für Reiseveranstalter, und Escapio, ein Preisvergleichsportal für Premium-Hotels, gekauft und als Tochtergesellschaften ins Unternehmen integriert. Außerdem wurde als Vehikel für Neuerwerbungen die Kapitalgesellschaft Mairdumont Ventures gegründet, die dann im vergangenen Jahr Anteile von Startups mit Reisehintergrund wie zum Beispiel dem Strandbewerter Beach-Inspector oder dem Programmierer für Reise-Apps, Tourias, erworben hat.

In China bereitet das Personal Probleme

Rückschläge musste der Reiseverlag im vergangenen Jahr in China hinnehmen. 70 speziell auf das chinesische Publikum zugeschnittene Reiseführer des Joint-Ventures Beijing Publishing Group Mairdumont Media Ltd waren im vergangenen Jahr geplant, nur 20 davon sind bisher erschienen. „Wir kommen dort langsamer voran als gedacht“, räumt Mair-Huydts ein und begründet den Rückstand mit einer großen Personalfluktuation.

Besser läuft es da in Großbritannien, wohin der schwäbische Verlag vor fünf Jahren expandierte. Nach wie vor sei man auf der Insel die Nummer vier unter den Reiseverlagen; im Bereich Kartografie gelang der Sprung von Platz drei auf Platz zwei. „Der Markt dort ist hart umkämpft, aber wir kommen Schritt für Schritt voran“, sagt Mair-Huydts. Es ist der Anspruch, die Nummer eins zu werden – in Großbritannien ebenso wie in China.