Verlegefähigkeit Bundeswehr im Ernstfall nur bedingt mobil

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Sollte es in Osteuropa zu einem Krieg kommen, müsste auch die Bundeswehr rasch Truppen und Material dorthin bringen. Da ist allerdings einiges im Argen.

Ein Bergepanzer auf der A9 bei Halle/Saale: das schwere Gerät hat meist keine freie Fahrt mehr auf deutschen Straßen. Foto: dpa
Ein Bergepanzer auf der A9 bei Halle/Saale: das schwere Gerät hat meist keine freie Fahrt mehr auf deutschen Straßen.Foto: dpa

Berlin - Wie schnell kommt die Bundeswehr mit schwer bewaffneten Kampfverbänden innerhalb Europas von A nach B? Seitdem Russland mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim für seine Nachbarn wieder zum möglichen Aggressor geworden ist, ist die Frage wieder brennend aktuell geworden.

In der Nato gilt die Verlegefähigkeit der europäischen Streitkräfte schon seit einiger Zeit als problematisch. Da lässt es die Alarmglocken schrillen, wenn ein Bundeswehrgeneral berichtet, heute wisse keiner mehr, über welche Straßen und Schienenstrecken in Deutschland die Truppe ihre schweren Waffensysteme vom Schützen- bis zum Kampfpanzer transportieren könne. Im Kalten Krieg hätten orangefarbene, runde Schilder mit Ziffern, Panzer- oder Lastwagensymbolen die Belastbarkeit des Straßennetzes für Militärtransporte angezeigt. Nach der Wiedervereinigung seien in Westdeutschland nicht nur die meisten dieser Schilder abgebaut worden; im Glauben an die Friedensdividende seien auch die zugehörigen Informationen verloren gegangen.

Gelassenheit im Ministerium

Das Verteidigungsministerium reagiert gelassen: Die Informationsverfahren hätten sich geändert, aber die für militärische Verlegungen relevanten Daten seien elektronisch gespeichert. Überhaupt gibt das Ministerium sich auffällige Mühe, die Verlegefähigkeit der deutschen Streitkräfte in möglichst helles Licht zu rücken.

Die schnelle Beweglichkeit von Kampfverbänden der Nato ist zu einer Schlüsselfähigkeit im Bündnis geworden. Der Grund ist, dass die Nato sich gegenüber Russland verpflichtet hat, in ihren östlichen Mitgliedsstaaten keine westlichen Truppen dauerhaft zu stationieren. Der neuen Bedrohungslage an der Ostflanke will das Bündnis durch eine massive Verstärkung seiner schnellen Eingreiftruppen, der Aufstellung einer „Speerspitze“ für besonders schnelle Einsätze, mit rotierenden Truppenpräsenzen und verstärktem Manöverbetrieb begegnen. Ob das ausreicht, ist unter Sicherheitsexperten umstritten.

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Hinweis: Fakt ist aber auch, das die drei Teilstreitkräfte der Bundeswehr - Herr, Luftwaffe und Marine, zur Zeit nur bedingt - "voll" einsatzbereit sind, sollte es über "Nacht", zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen..Und dies dank kontinuierlicher Einsparungen der letzten Jahre, beim Personal - wie auch den Waffensystemen, da man noch bis vor "kurzen" an den ewigen Frieden, in Mitteleuropa "glaubte"...Was für ein Irrglaube!

Die Rüstungsmafia : kann sich die Hände Reiben und sich eins grinsen. Erfolgreich ein neues Feindbild installiert, Waffengeschäfte laufen wie geschmiert und der dumme Europäer merkt noch nicht mal sollte es zwischen Ost und West krachen, dass das Feuerwerk weit weg von den Vertretern der Waffenschmieden und der Waffenmafia stattfindet sondern wahrscheinlich unser Land an vorderster Front wäre. Ach ja und wer bedroht uns eigentlich wäre doch wichtig zu wissen? Für alle Interessierten noch ein Hinweis einfach googeln "swiss Propaganda die NZZ Studie" ich weiß nicht wer hinter dieser Studie steht sie ist aber sehr aufschlussreich.

Tja Herr Krauß, : Geopolitik ist halt kein Ponyhof. Auch wenn das viele Friedensaktivisten so sehen wollten seit Fall der Mauer. Da Putin auf keinerlei Verträge und Völkerrecht Rücksicht nimmt, müssen ihm irgendwann auch klare Grenzen aufgezeigt werden.

Schauen sie Herr Begander,..: auf Völkerrecht Rücksicht nehmen, da sind wir doch mit unseren amerikanischen Freunden den Russen spät. seit Vietnam zumindest ebenbürtig. Wollen wir diesen Umstand immer ausblenden bei der täglichen Arbeit an einem Frieden für alle auf diesem Planeten? Okay, die Realität wird mir aller Voraussicht mal eine Bombe oder ersatzweise einen Baseballschläger auf die Birne donnern. Trotzdem empfinde ich die Gegenwart so, wie Albert Einstein vor mehr als einem halben Jahrhundert die Zukunft umreißt. Er wüsste nicht, mit welchen Waffen der 3te Weltkrieg geführt werden wird, (was wir nun wissen!) der 4te auf jeden Fall wieder mit Steinen und Stöcken. Schönes Wochenende und Frieden.

Ach, äähh noch eine Anmerkung,...: Dies ganzen Waffenarsenale sind sowohl zu "Friedenszeiten" wie im Einsatzfalle eine fatal zu nennende Umweltverschmutzung wie Zerstörung. Ich stelle mir vor, wir als Bevölkerung entwickeln uns tatsächlich in hundert Jahren dahin, zu äusserst hohen Prozentzahlen im Einklang mit der Natur zu leben und äusserst ökologisch zu wirtschaften wie zu leben. Und dies wäre dann nach wie vor mit Kriegsgerät zu "verteidigen", das zu tausenden Fahrzeugen auf 100 km 80 Liter ungefilterten, verbrannten Diesel raushaut. Ganz zu schweigen von den Umweltgiften, die die Arsenale Raketen, Bomben und Granaten so zu bieten haben. Niemand, der einigermassen bei Trost und Verstand ist, kann kriegerische Konfliktbewältigung selbst als Ultima Ratio gut heißen.

Mag sein,...: das ich ein Träumer bin. Aber im Hinblick auf gelebten "Frieden" geht mir der Gedanke doch gehörig gegen den Strich, das alles was wir die letzten 70 Jahre "friedlich" hier gelebt haben, ausschließlich darauf beruhen soll, das wir uns eine Tötungsmaschinerie auf Abruf bereithalten, um im "Notfall" verbündet alles kurz und klein zu bomben. Und Frau Krauß, verehrte Namenskousine, habe ich was verpasst oder wie soll ich die "neue Bedrohungslage an der Ostflanke" verstehen? Wird die Frage einer Lösung der europäischen wie geostrategischen Flüchtlingspolitik schlussendlich mit Waffengewalt entschieden? Bin sprachlos irgendwie.

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