Verletzte beim VfB Hoffnung für die Sorgenkinder

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Der VfB Stuttgart hat zuletzt über große Personalprobleme geklagt. Immerhin: die Langzeitverletzten Daniel Didavi, Tunay Torun und Johan Audel sind bei dem Fußball-Bundesligisten auf einem guten Weg.

Daniel Didavi (rechts) ist in Wolfsburg eingewechselt worden. Foto: Herbert Rudel 28 Bilder
Daniel Didavi (rechts) ist in Wolfsburg eingewechselt worden.Foto: Herbert Rudel

Stuttgart - Der Bart ist ab – und mit ihm die letzte Erinnerung an eine sehr unerfreuliche Winterpause. An Heiligabend entdeckte Tim Hoogland rote Punkte in seinem Gesicht, schnell bestätigte sich die Befürchtung, dass es sich dabei um Windpocken handelte. Mit 40 Grad Fieber lag der Außenverteidiger des VfB Stuttgart tagelang im Bett, verpasste nach Neujahr das Trainingslager in der Türkei und wartete darauf, dass er wieder gesund wird. Und der Bart wuchs immer weiter.

Vergangene Woche kam der Rasierer dann endlich zum Einsatz – denn seitdem kann Tim Hoogland wieder mit der Mannschaft trainieren. Nun muss der 27-Jährige nur noch seinen Trainingsrückstand aufholen, dann steht einer Rückkehr in den Spielbetrieb nichts mehr im Wege. „Ich will die Rückrunde genießen“, sagt der Leihspieler aus Schalke, den vor den Windpocken ein Bänderriss monatelang außer Gefecht gesetzt hatte – von den sonstigen Verletzungen in seiner Karriere ganz zu schweigen. Seit Februar 2010 hat er nur sieben Bundesligaspiele bestritten.

Betrübte Miene bei Bruno Labbadia

Betrübte Miene bei Bruno Labbadia

Hoogland ist also wieder zurück – Sorgenkinder jedoch gibt es beim VfB vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den FC Bayern auch weiterhin. Mit sehr betrübter Miene verfolgte der Coach Bruno Labbadia, wie am Tag nach der 0:2-Niederlage in Wolfsburg Daniel Didavi, Tunay Torun und Johan Audel der Reihe nach das Training abbrechen mussten – ausgerechnet jene Spieler also, die dabei mithelfen sollen, die Offensivprobleme zu lösen. Kein Grund zur Beunruhigung, findet der Mannschaftsarzt Heiko Striegel, es habe sich um reine Vorsichtsmaßnahmen gehandelt: „Alle befinden sich sehr gut im Lot.“

Daniel Didavi ist in Wolfsburg sogar eingewechselt worden, nachdem er bereits im letzten Ligaspiel vor Weihnachten in Mainz zu einem ersten Kurzeinsatz gekommen war. Das zeige, dass der Mittelfeldspieler schon weiter sei als vorgesehen, sagt Striegel: „Denn ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass er erst im Januar ins Mannschaftstraining einsteigen kann.“ Ganz normal sei es daher, dass Didavis Knie, das wegen eines Knorpelschadens im Sommer operiert werden musste, noch Belastungsreaktionen zeige – auch im Trainingslager, als der 22-Jährige kürzer treten musste. Das werde sich aber bald ändern, es sei nur noch „ein bisschen Geduld“ gefragt.

Bei Torun besteht erhöhtes Verletzungsrisiko

Im Falle von Tunay Torun soll am Dienstag eine Kernspintomografie Aufschluss darüber geben, wie es weitergeht. Der Neuzugang aus Berlin, der für den VfB bislang erst ein Ligaspiel über 90 Minuten bestritten hat, zog sich Ende der Hinrunde zum zweiten Mal hintereinander einen Muskelfaserriss an der Rückseite des Oberschenkels zu. „Re-Verletzung“ nennt die Medizin eine solche wiederholte Blessur an ähnlicher Stelle, was für Torun bedeutet, dass auch weiterhin ein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht. Bei der neuerlichen Untersuchung wird sich nun entscheiden, ob der 22-Jährige „sehr forsch oder nur mit halbem Gas“ weitertrainieren kann, wie Striegel meint. Er erschwere die Sache, dass die Böden derzeit so tief seien und bei jedem Schritt „das Eineinhalbfache an Kraft“ benötigt werde.

Johan Audel ist auf einem guten Weg

Johan Audel wiederum, der größte Pechvogel der vergangenen Jahre, wurde am Wochenende nur noch von einem Magen-Darm-Infekt davon abgehalten, erstmals seit Dezember 2010 wieder im VfB-Kader zu stehen. „So stabil wie im Moment war er noch nie“, sagt Striegel über den Franzosen, der seit 2010 siebenmal operiert werden musste und sich in Labbadias erstem Training beim VfB einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Die einseitige Belastung beim Aufbautraining führe noch hin und wieder zu Problemen, ansonsten jedoch sei der 29-Jährige auf einem sehr guten Weg.

Cacau muss sich gedulden

Gleiches gilt im Übrigen auch für William Kvist, der in Wolfsburg auf der Bank saß und gegen die Bayern erstmals wieder in der Startformation stehen könnte. Mindestens noch sechs Wochen dagegen wird es bei Cacau dauern, bis der Angreifer nach seinem Kreuzbandriss wieder in das Mannschaftstraining einsteigen kann.

Die Arbeit wird Heiko Striegel also auch weiterhin nicht ausgehen – zumal der VfB in drei Wettbewerben vertreten ist und im Februar wieder die englischen Wochen beginnen. Spiele im Dreitagesrhythmus erhöhen das Verletzungsrisiko um „das Vier- bis Sechsfache“, sagt der Mediziner und ahnt schon jetzt: „Weitere Verletzungen werden sich nicht zwingend vermeiden lassen.“

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