Vermisstenfall Uwe Gemballa Ermittler aus Südafrika zurück

Susanne Janssen, Michael Schmidt und Johannes Dieterich, 05.03.2010 14:28 Uhr
Leonberg/Johannesburg - Die beiden schwäbischen Ermittler sind aus Südafrika zurückgekehrt, bahnbrechende neue Erkenntnisse haben sie nicht im Gepäck: Der 54-jährige Uwe Gemballa bleibt weiter verschwunden. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. "Wir schließen weiterhin weder eine Straftat, noch einen Unfall oder persönliche Umstände für das Verschwinden aus", erklärt Polizeisprecher Uwe Vinçon. Das letzte Telefonat Gemballas, in dem er wegen eines angeblichen Unfalls seine Frau bat, eine Million Euro zu überweisen, deutet die Polizei weiter als Hinweis auf eine mögliche Entführung oder Erpressung.

Der 54-jährige Porsche-Veredler wird seit drei Wochen gesucht. Am 8. Februar soll er sich auf dem Flughafen und an einer Tankstelle von Johannesburg mit dem tschechischen Milliardär Radovan Krejcir getroffen haben - er wird in seinem Heimatland per Haftbefehl gesucht. Dies bestätigen Zeugen aus Johannesburg, die südafrikanischen Behörden jedoch nicht. Unklar bleibt auch, ob Gemballa durch ein Geschäft mit Krejcir seine finanziell angeschlagene Firma retten wollte. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den hochverschuldeten Unternehmer aus Leonberg wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung. Allein im Jahr 2009 hat Gemballas Firma rund 1,2 Millionen Euro Verlust gemacht.

Derweil könnte Wolfgang Schaal ein ganz neues Licht auf das Verschwinden des Sportwagentuners werfen. Der Installationsmeister und Spezialist für Edelbäder hat in feiner Halbhöhenlage des Leonberger Stadtteils Ramtel eine Baustelle gehabt - und zwar in jenen Tagen, da Gemballa schon verzweifelt aus Südafrika seine Frau angerufen haben soll. "Ich habe gerade meinen Monteur eingewiesen, da fuhr Gemballa aus der Tiefgarage. Er sah nicht gerade so aus, als hätte er eine Fernreise vor", sagt der Stadtrat der Freien Wähler.

Alles ist offen


Schaals Beobachtung ist bezeichnend für die Stimmung in Leonberg. Irgendwie kennt plötzlich jeder Uwe Gemballa, an Kneipentheken gibt es diverse Hinweise auf alle möglichen Theorien. Der Porsche-Tuner gilt als schillernde Figur, als Sportwagenfanatiker: "Er war einer, der eher 18 als sechs Stunden schaffte", sagt ein Leonberger Unternehmer, der in der Nachbarschaft von Gemballa arbeitet. Oder war er ein kühler Spieler mit Konkurserfahrung, der auch seine aktuelle Firmenpleite wohlkalkuliert vorbereitet hat?

Gemballa hat nicht nur vom Firmensitz her seine Wurzeln im mittelständischen Umfeld der Leonberger Gewerbetreibenden. Der "Nucleus Porsche" beschäftigte hier viele kleine und mittlere Zulieferbetriebe. Doch Konstrukteure von Hypersportwagen locken die schillernde Kundschaft vom arabischen Prinzen bis hinab ins Rotlichtmilieu. Die Finanz- und Wirtschaftskrise traf aber Gemballa wie seine Klientel massiv, "der Laden ist arg verschuldet", sagt ein Akteur des Insolvenzverfahrens. Wie viel für die Gläubiger noch übrig bleibt, ist derzeit offen.

So offen wie alles im Fall Gemballa. Dass auch seine Ehefrau offensichtlich kaum zur Erhellung der Situation beitragen kann oder will, liegt für viele Bekannte der Familie auf der Hand. "Man muss sehen, in welcher Situation sich die Frau befindet", heißt es. Als Tochter aus bestem Hause, dem des Privatbankiers Bohl aus dem Schwarzwald, muss die 51-Jährige mitansehen, wie ihr Mann mit einer jungen Freundin aus Osteuropa liiert sein soll. "Wenn dann plötzlich ihr Ex aus Südafrika anruft und Geld verlangt, würden Sie dem dann sofort eine Million überweisen?", lautet eine ungläubige Frage aus Gemballas schwäbischer Nachbarschaft.

Tatsächlich bestätigt die Polizei in Südafrika auch in keiner Weise, dass Geld geflossen sei. Völlig richtig beraten wurde Gemballas Ehefrau nach Ansicht von beteiligten Insolvenzspezialisten in ihrer Entscheidung, für das Unternehmen Insolvenz zu beantragen, wobei sie das als einstige Prokuristin gar nicht hätte tun können. "Aber wenn der Geschäftsführer verschwunden ist, muss ja einer das Unternehmen handlungsfähig halten" - sie soll heute ganz offiziell als "Notgeschäftsführerin" der Gemballa Automobiltechnik GmbH & Co KG ins Handelsregister eingetragen werden. Für Hinweise hat die Familie 10.000 Euro Belohnung ausgesetzt.