Versicherungsbranche Wüstenrot kauft Bausparkasse auf
Andrea Gregor, 09.03.2010 10:28 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Ob die Expansionspläne des Konzernchefs von Wüstenrot & Württembergische, Alexander Erdland, dieses Mal von Erfolg gekrönt sein werden - darüber wird in der Bausparbranche gegenwärtig viel spekuliert. Einiges spricht dafür, dass dem ehrgeizigen Vorstandsvorsitzenden der Stuttgarter W&W AG auch das jüngste Projekt gelingt: die Übernahme der kleinen, aber feinen Wüstenrot-Konkurrentin Allianz Dresdner Bauspar AG (ADB). Doch es gibt noch einen zentralen Knackpunkt, an dem der Zukauf der Commerzbank-Tochter scheitern könnte.

Für Wüstenrot sind nämlich in erster Linie die Vertriebswege der Allianz Dresdner Bausparkasse interessant, als da wären: ein eigener Außendienst, die Commerzbank und der Allianz-Konzern. Durch eine Kooperation mit dem Versicherungsriesen(10.000 Vertriebsleute) würde W&W auf einen Schlag seine Vertriebskraft enorm stärken. Wie zu hören ist, wäre ein Nichtzustandekommen der Allianz-Kooperation für die Stuttgarter ein K.-o.-Kriterium bei den Verhandlungen. Noch sei man sich über die Konditionen der Vertriebspartnerschaft nicht einig geworden, erklären mit dem Stand der Gespräche vertraute Kreise.

Vertragschluss ist wahscheinlicher als das Scheitern


Wüstenrot äußerst sich prinzipiell nicht zum Thema ADB. "Kein Kommentar", erklärte ein Unternehmenssprecher auch am Montag. In der Branche wird ein Vertragsabschluss für wahrscheinlicher gehalten als ein Scheitern der Übernahme.

Bereits im Oktober vorigen Jahres hatte der Vorstand der Bausparkasse den Aufsichtsrat darüber informiert, dass man Interesse an der zum Verkauf stehenden Allianz Dresdner Bausparkasse habe. Das im hessischen Bad Vilbel ansässige Unternehmen gehört seit der Übernahme der Dresdner Bank zur Commerzbank. Diese hat von der EU-Wettbewerbsbehörde die Auflage erhalten, sich bis Ende 2011 von der Bausparkasse zu trennen. Neben Wüstenrot gab es zunächst noch andere Interessenten, etwa die Badenia AG (Karlsruhe) und der Branchenprimus Schwäbisch Hall. Beide sind dem Vernehmen nach aber mittlerweile aus dem Rennen.

Angeblich ist Wüstenrot bereit, für die Konkurrentin bis zu 120 Millionen Euro zu zahlen. Insider erwarten, dass der Preis am Ende niedriger sein wird, weil der defizitären, staatlich gestützten Commerzbank an einem zügigen Abschluss gelegen ist.

Angst vor Standortschließung in Bad Vilbel


Bei Wüstenrot sehen einige den möglichen Zukauf mit gemischten Gefühlen. Die ADB sei eine gute Bausparkasse, heißt es. Die neuen Vertriebspartner würden aber die Bedeutung des eigenen Außendienstes schwächen. Der Wüstenrot-Außendienst, so heißt es in der Pressemitteilung zum Neugeschäft im vergangenen Jahr, "hat durch sein außerordentliches Engagement den Hauptbeitrag zu dem Spitzenergebnis geleistet". Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter am Stammsitz Ludwigsburg jetzt schon über Raumnot klagen, weil die Büros überbesetzt seien. Wenn nun noch Mitarbeiter der ADB hinzukommen sollten, wäre das Ende der Fahnenstange erreicht. In Bad Vilbel wiederum gibt es Befürchtungen, dass der Standort möglicherweise aufgegeben werden könnte. Dort arbeitet der Großteil der knapp 360 ADB-Beschäftigten.

Im Juli vergangenen Jahres bereits hat Wüstenrot die Vereinsbank Victoria Bauspar AG (VVB) in München erworben und sich damit Zugang zu neuen Vertriebswegen (Ergo-Versicherung und Hypo-Vereinsbank) verschafft. Die Integration der VVB sei abgeschlossen, heißt es bei W&W.
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