Vertreterversammlung in Fellbach Fusionskosten verhageln die Volksbank-Bilanz

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Die Kosten für die Verschmelzung zur Volksbank am Württemberg und das niedrige Zinsniveau haben die Bilanz der Bank verhagelt.

Die  erste Bilanz nach der Fusion sorgt für Gesprächsstoff. Foto: SSG (Mende)
Die erste Bilanz nach der Fusion sorgt für Gesprächsstoff. Foto: SSG (Mende)

Fellbach - Ein Minus von mehr als 2,2 Millionen Euro im klassischen Bankgeschäft und fusionsbedingte Kosten in einer ähnlichen Größenordnung haben die erste Bilanz der Volksbank am Württemberg kräftig durcheinandergewirbelt. Unterm Strich hat das im vergangenen Jahr ge-gründete Geldhaus mehr als vier Millionen Euro weniger verdient, der Ertrag brach um fast 25 Prozent ein. Zumindest auf den ersten Blick stellt das schlechte Ergebnis dem Zusammenschluss im Schatten der Grabkappelle ein denkbar schlechtes Zeugnis aus, von der Verschmelzung der Fellbacher Bank und der Untertürkheimer Bank hätten sich Mitglieder und Kunden mehr erwartet als ein Minusgeschäft.

Die Führungsriege spricht von einem befriedigenden Ergebnis

Doch ganz so dramatisch wie der erste Eindruck sind die Zahlen der Fusionsbank aus der Sicht von Vorstandschef Armin Hornung und seinem Stellvertreter Ingolf Epple nicht. Am Donnerstag legte die Führungsriege der neuen Volksbank am Württemberg ihre Wirtschaftsdaten in der Fellbacher Schwabenlandhalle bei der Vertreterversammlung vor – und sprach von einem „befriedigenden Ergebnis“. Im Vergleich mit anderen Banken aus den Genossenschaftsbanken, das betonte Armin Hornung vor den mehr als 300 anwesenden Mitgliedern, stehe die Finanzehe zwischen Fellbach und Untertürkheim mit „beacht-lichen Zahlen“ da. „Wir werden in den kommenden Jahren die Früchte dieser Fusion einfahren“, rief der Vorstandschef den Gästen zu.

Der Zusammenschluss soll Früchte tragen

Die Zuversicht, dass die sich aus dem Zusammenschluss ergebenden Vorteile die Fusionsdelle in der Bilanz künftig wieder wettmachen, ist offenbar nicht aus der Luft gegriffen. Denn abgesehen von der drastisch unter Druck geratenen Ertragslage stellen sich die Bilanzdaten der Volksbank am Württemberg durchaus positiv dar. Bei den Kundeneinlagen kann Hornung eine satte Steigerungsrate von 4,3 Prozent ver-melden, das Beratungsgeschäft wuchs vor allem dank der Wertpapiere ebenfalls um 3,6 Prozent. Erhöht hat sich auch – wenngleich mit 0,5 Prozent in einer überschaubaren Größenordnung – die Bilanzsumme selbst. Etwas über 1,6 Milliarden Euro bewegt der 195 Mitarbeiter zählende Betrieb mit seinen Geldgeschäften. An der Frage nach der Sinnhaftigkeit der Fusion haben der Untertürkheimer Hornung und sein Fellbacher Kollege Epple deshalb keine Zweifel: „Wir sind noch klein genug, um flexibel und für unsere Kunden überschaubar zu sein. Aber wir sind mittlerweile auch groß genug, um den Bedarf zu decken, wenn bedeutende Firmenkunden einen Kredit brauchen“, erklärt die Vorstands-riege. Auch das Immobiliengeschäft ist ein wichtiger Faktor: Mehr als 460 Häuser und Wohnungen hat die Volksbank am Württemberg im vergangenen Jahr finanziert, durch die Grundstückspreise am Rand der Landeshauptstadt naturgemäß mit durchaus namhaften Beträgen. „Wir sind stolz darauf, besonders hochwertige und anspruchsvolle Kunden zu haben“, sagt Ingolf Epple.

Die fusionierte Volksbank hat 12,5 Millionen Euro erwirtschaftet

Es ist keineswegs so, dass die Volksbank nach der Verschmelzung kein Geld mehr verdient hätte. Mehr als 12,5 Millionen Euro Ertrag hat das fusionierte Unternehmen nach wie vor erwirtschaftet. Dass das deutlich weniger war als erhofft, liegt allerdings weniger an der Fusion als am für die Geldverleiher katastrophal niedrigen Zinsniveau. „Die Sonne lacht nicht mehr wie früher“, umschreibt Vorstandschef Hornung die Tatsache, dass im klassischen Bankgeschäft immer weniger hängenbleibt. „So lange es noch geht, halten wir beim Festgeld die Null-Linie – auch wenn wir selbst 0,4 Prozent bezahlen müssen“, erklärt Stellvertreter Epple zum Thema Zinsrückgang und Strafgebühren.

Um so bemerkenswerter ist, dass die Volksbank am Württemberg bei der an die mehr als 20 000 Mitglieder ausgezahlten Dividende keinen Sparkurs fahren will. Während andere Genossenschaftsbanken sich durch die Niedrigzinsphase eher bei vier Prozent einpendeln, sollen die Teil-haber zwischen Kappelberg und Neckartal mit sieben Prozent beglückt werden. Die Ausschüttung frisst knapp 1,2 Millionen Euro, also knapp zehn Prozent des Ertrags. Für die früheren Mitglieder der Fellbacher Bank ist das ein überraschender Anstieg, sie waren bisher fünf Prozent Dividende gewohnt. In Untertürkheim hingegen liegt die Messlatte bei acht Prozent – ein leichtes Murren wäre nicht weiter verwunderlich.

Die Erlöse befinden sich im Sinkflug

Unterm Strich dürfte freilich auch den Mitgliedern klar sein, dass sich mit den Zinsen auch die Erlöse der Banken auf einem Sinkflug befinden. Andernorts wird schon kräftig am Filialnetz gekappt, teilweise streichen auch in der Region ver-ortete Volksbanken ihre Öffnungszeiten massiv zusammen. Bei der Volksbank am Württemberg sind solche Schritte kein Thema – nicht zuletzt wegen der Synergieeffekte, die die Fusion bringt. Hornung und Epple sind jedenfalls sicher, dass die Verschmelzung der richtige Weg war – und sich langfristig auszahlt. „Beide Vorgänger-banken hätten Personal aufbauen müssen, um die Anforderungen zu stemmen“, stellt Hornung klar. In Fellbach und Untertürkheim sollen die in der Verwaltung eingesparten Kräfte künftig für eine verbesserte Beratung der Kunden geschult werden.