Göppingen - Eine dampfende Suppe, ein schmackhafter und reichhaltiger Hauptgang, ein Nachtisch und dann noch Kaffee und Kuchen: durchschnittlich 202 Mahlzeiten dieser Art sind in der 17. Göppinger Vesperkirche, die am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen ist, täglich ausgegeben worden. 6255 Essen sind damit in 31 Tagen über den Tresen der abermals zur „Gaststätte“ umfunktionierten Stadtkirche gegangen. Das ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent. Die Gründe für den Anstieg sind, nach Ansicht der Vesperkirchen-Macher, vielfältig und nicht so leicht auf den Punkt zu bringen.
Die Vereinsamung nimmt zu
„Zum einen haben heuer wesentlich mehr ältere Leute das Angebot genutzt. Zum anderen haben wir aber auch wesentlich mehr Solidaritätsgäste gehabt“, sagt Wolfgang Baumung, der Leiter der Göppinger Wohnungsloseneinrichtung Haus Linde und zugleich Hauptorganisator der Essensgemeinschaft auf Zeit. Für Andreas Weidle, den in das Dauerprojekt ebenfalls involvierten Pfarrer der Stadtkirchengemeinde Oberhofen, kommt ein weiterer Punkt hinzu: „Insgesamt nehmen Armut und Vereinsamung zu.“ Da sei eine solche Einrichtung natürlich gefragter denn je.
Das Team funktioniert
Was auch immer dazu beigetragen hat, dass die Vesperkirche einen derart großen Zulauf erfuhr, die Grenzen der Kapazität sind in diesem Winter erreicht – wenn nicht gar überschritten worden. Vor allem für die gut dreidutzendköpfige ehrenamtliche Helferschar gab es kaum eine Verschnaufpause. „So etwas funktioniert eh nur mit einem toll eingespielten Team“, lobt Wolfgang Baumung. Da man allerdings an jeder Station, vor allem aber in der Spülküche, an die logistischen Grenzen gestoßen sei, habe der Stress für jeden an der Aktion Beteiligten deutlich zugenommen.
Eine Mahlzeit für 1,50 Euro
Fest stehe deshalb bereits, dass man, was die Sitzplätze betrifft, auch in 2013 an der Zahl von 120 festhalten werde, fügt er hinzu. Viele weitere Punkte gelte es hingegen bei einem Treffen Anfang März zu besprechen. So widerstrebt es Baumung den Grundpreis von 1,50 Euro pro Mahlzeit anzuheben: „Wenn wir das machen, kann es sein, dass gerade die Ärmsten nicht mehr kommen.“ Jedoch müsste wohl noch deutlicher gemacht werden, dass sich die Kosten für ein Essen, trotz der guten Konditionen, die die Wilhelmshilfe böte, auf rund fünf Euro summiere. „Das müssen wir ganz offen kommunizieren, weil sich gezeigt hat, dass die Leute, die mehr geben können, dies im Sinne der Solidarität auch gerne tun“, schildert er seine Beobachtungen.
Und zum Schluss gibt es auch noch Kuchen
Ein anderer Punkt sei die kostenlose Zugabe von Kaffee sowie den alles in allem 450 ausschließlich und aus dem gesamten Landkreis gespendeten Kuchen. „Vielleicht sollte man ja wenigstens da 50 Cent extra verlangen“, sagt Bamung, ohne sich ganz sicher zu sein, ob er diese Idee wirklich gut findet. Fest steht jedenfalls, dass für die Macher die Arbeit nahtlos weitergeht. Es gilt jetzt Spenden zu sammeln, um den Etat von rund 25 000 Euro für die eben abgeschlossene Vesperkirche auszugleichen und zugleich die finanzielle Basis für die 18. Auflage im nächsten Jahr zu legen.

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