VfB-Mitgliederversammlung Nächster Denkzettel für die Vereinsführung

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Schallende Ohrfeige: die Mitglieder des VfB verweigern dem Vorstand und dem Aufsichtsrat bei der Mitgliederversammlung am Sonntag die Entlastung.

Der VfB-Präsident Bernd Wahler muss sich einiges an Kritik anhören. Foto: Baumann
Der VfB-Präsident Bernd Wahler muss sich einiges an Kritik anhören.Foto: Baumann

Stuttgart - Gegen Ende seines Vortrags blickt Robin Dutt streng in Reihe acht und neun. In dunklen Anzügen sitzen dort die VfB-Spieler und müssen den Tadel ihres Chefs über sich ergehen lassen. „Unser Team darf nicht nur Höchstleistungen zeigen, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht. Wir brauchen eine neue Mentalität“, ruft Dutt und ergänzt: „Jawohl, das darf als Kritik an der Mannschaft verstanden werden.“ Kurz darauf verlassen die Spieler die Porsche-Arena – nicht aus Protest, sie müssen zum Training. Schließlich ist der VfB Tabellenletzter.

Allerdings ist nicht allein die Mannschaft schuld daran, dass der Bundesligist seit Jahren in der Krise steckt. Ganz außen auf der riesigen weiß-roten Bühne sitzt die Clubführung und muss der Basis auf der Mitgliederversammlung wieder einmal erklären, warum die Krise auch in dieser Saison nicht enden will. So turbulent und emotional wie in den vergangenen Jahren geht es zwar nicht zu. Ihren Protest aber bringen die 1500 Mitglieder auf der knapp fünfstündigen Versammlung auch diesmal zum Ausdruck – und verweigern der VfB-Spitze für das Jahr 2014 die Entlastung.

Der Vorstand um den Präsidenten Bernd Wahler scheitert mit 48,6 Prozent Zustimmung nur knapp – krachend fliegt dafür der Aufsichtsrat um Joachim Schmidt durch, den nur 28,7 Prozent der Wahlberechtigten entlasten wollen. Direkte Folgen hat dies zwar nicht – doch ist es für die VfB-Führung eine weitere schallende Ohrfeige. „Wir verstehen Ihre Enttäuschung und nehmen das sehr ernst“, sagt Aufsichtsratschef Schmidt, „für uns ist das ein Ansporn, die Arbeit zu verbessern.“

Wahler bittet die Mitglieder um weitere Geduld

Schon vorher hat Bernd Wahler von „weitreichenden personellen und strukturellen Veränderungen“ berichtet – und selbst die Antwort auf die Frage gegeben, was diese bewirkt haben: „Wenn man auf die Tabelle schaut – nichts!“ Doch gebe es inzwischen „einen neuen Teamgeist“ und „eine neue Geschlossenheit“. Um weitere Geduld bittet der Clubchef die Mitglieder, es werde „kein kurzer und erst recht kein leichter Weg. Wir stehen erst am Anfang.“

So sehen es auch Robin Dutt und, wie der Sportchef selbst berichtet, auch Huub Stevens. Der VfB brauche einen Neuanfang, der „mehrere Jahre dauert“ – das habe der Niederländer während der vergangenen Saison frühzeitig mitgeteilt und zu verstehen gegeben, dass er dafür nicht zur Verfügung steht. In Alexander Zorniger habe Dutt anschließend einen Trainer gefunden, „der perfekt zu uns passt“.

An Kritik an dem Auftreten und den Äußerungen des polarisierenden Cheftrainers fehlt es unter den Mitgliedern nicht. Zorniger habe sicher „ein paar Mal überzogen“, sagt Wahler, „das haben wir intern mit ihm besprochen“. Grundsätzlich aber sei es gewünscht, dass der Trainer im Umgang mit den Spielern „Kante zeigt“. Mit einem „Kuschelkurs“ ergänzt Dutt, „kommen wir aus dieser jahrelangen Krise nicht raus“.

Eduardo Garcia findet deutliche Worte

Dass Zorniger neuer Trainer wurde und nicht Thomas Tuchel, darüber ärgert sich das VfB-Mitglied Christian Prechtl, der sich schon zuvor mit einem viel beachteten offenen Brief an den Verein gewandt hat. Über die Gespräche zwischen dem VfB-Aufsichtsratschef Joachim Schmidt, dem Daimler-Boss Dieter Zetsche und Tuchel berichtet er nun und will wissen, warum Schmidt dem umworbenen Coach, der inzwischen in Dortmund auf der Bank sitzt, per SMS abgesagt habe. „Es ist nicht die Aufgabe des Aufsichtsrats, einen Trainer zu engagieren“, antwortet Schmidt, der ansonsten „vertrauliche Personalgespräche“ grundsätzlich nicht kommentieren will.

Deutlicher wird sein Aufsichtsratskollege Eduardo Garcia, der sich dem Vorwurf ausgesetzt sieht, Zorniger auf dem Stuttgarter Weindorf als „Bauer“ bezeichnet zu haben: „Ich finde es unfair, dass ich so angegriffen werde“, sagt Garcia und hebt die Stimme: „Das lasse ich mir nicht bieten.“