VfB-Präsident Der Poltergeist auf dem Präsidentenstuhl

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VfB-Präsident Gerd Mäuser führt den Club anders als sein Vorgänger Erwin Staudt – und löst mit seinen Auftritten Irritationen aus. Wie zuletzt vor Medienstudenten.

Gerd Mäuser hat eine ganz eigene Sicht der Dinge. Foto: Baumann
Gerd Mäuser hat eine ganz eigene Sicht der Dinge.Foto: Baumann

Stuttgart - Das Büfett bleibt unangetastet – zumindest von dem Ehrengast, für den es aufgebaut wurde. Er habe keine Zeit mehr und müsse schnell weg, sagt Gerd Mäuser, denn zu Hause vor dem Sofa warte ein noch größerer Leckerbissen auf ihn: „Ich möchte mir im Fernsehen das Champions-League-Spiel zwischen Mailand und Barcelona anschauen“, sagt der VfB-Präsident – und entschwindet an diesem Mittwochabend um halb acht, die Gastgeschenke unter den Arm geklemmt.

Zuvor hat Mäuser den mehr als hundert Studenten und Gästen der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) in Bad Cannstatt 90 Minuten lang erklärt, wie ein Fußball-Bun­desligist funktioniert. Mit Hilfe einer ­Powerpoint-Präsentation hat er das Vereinsor­gani­gramm erläutert und die Umsatzzahlen aufgeschlüsselt. Und in der anschließenden Fragerunde hat er sehr überraschende Einblicke in seine ganz persönliche Sicht der Dinge geliefert.

Das gilt zum einen für den sportlichen Bereich und die Frage, ob man anstelle der Verpflichtung des Angreifers Vedad Ibisevic nicht auch dem Eigengewächs Julian Schieber eine Chance hätte geben können. „Hätte man“, sagte Mäuser – „aber dann hätten wir jetzt sieben Punkte weniger und würden mitten im Abstiegskampf stecken“.

Der VfB-Repräsentant löst mit seinen Auftritten Irritationen aus

Ähnlich aufschlussreich ist zum anderen Mäusers Meinung zur Arbeit der Medien. Er hat errechnet, dass es in Stuttgart „zwölf Vollzeitjournalisten gibt, die sich täglich mit dem VfB beschäftigen“. Wie sehr ihn die Kritik in den Zeitungen belaste, wird er von den angehenden Sportjournalisten der Hochschule gefragt. Gar nicht, antwortet er, denn da seien „Schmierfinken“ am Werk, die schlecht recherchierten, keine Ahnung hätten und trotzdem „irgendeinen Scheiß schreiben“. Aber ob es denn für einen Bundesligisten nicht wichtig sei, regelmäßig in den Medien aufzutauchen, so lautet eine weitere Frage. Nein, sagt, Mäuser, ihm sei es oft lieber, wenn gar nicht über den VfB berichtet werde.Am Boden zerstört ist anschließend die Studentin Alexandra Seibold, die die Fragerunde moderiert und bereits erste Erfahrungen im Sportjournalismus gesammelt hat. Mehrmals wurde sie von Mäuser abgekanzelt und muss hinterher von ihren Kommilitonen und Dozenten aufgebaut werden. Der Tenor ist einhellig: „Einen so pampigen und aggressiven Auftritt haben wir nicht erwartet“, sagt Seibold – schon gar nicht an einer Hochschule, die Medienschaffende ausbildet. Denn eigentlich war Mäuser ja gekommen, um auch ein bisschen Werbung für den VfB zu machen.

Mäuser soll auch mögliche Sponsoren brüskiert haben

Es sind Auftritte wie dieser, mit denen der höchste VfB-Repräsentant zunehmend Irritationen auslöst. Dass er den Verein anders führen würde als sein auf Harmonie setzender Vorgänger Erwin Staudt, war von Beginn an klar. Mäuser ist im Tagesgeschäft viel präsenter, der Chef will in allen Bereichen mitmischen und verlangt viel mehr von seinen Mitarbeitern. Das muss keineswegs zum Schaden des Vereins sein. Dass er aber auch außerhalb der Geschäftsstelle so dominant und, wie viele sagen, herrisch auftreten würde, das dürfte nicht eingeplant gewesen sein, als der frühere Porsche-Manager am 17. Juli 2011 auf einer denkwürdigen Mitgliederversammlung mit knapper Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt wurde.

Nicht nur die Medienstudenten, auch alte und mögliche neue Sponsoren soll Mäuser in den vergangenen Monaten brüskiert haben. Und bei den Verantwortlichen des VfB-Kooperationspartners „Kicken und Lesen“, einem Projekt der Baden-Württemberg-Stiftung, hat sich der Präsident ebenfalls keine Freunde gemacht. Als nette Kennenlernrunde war das Treffen geplant, bei dem eine Stiftungsmitarbeiterin dem VfB-Boss den Sinn des Projekts näherbringen wollte, der darin besteht, junge Leute zum Lesen zu moti­vieren. Mäuser jedoch wollte davon nichts hören – und belehrte die Literaturfrau lautstark und aufgebracht mit seiner Meinung zur Germanistik. Goethe und Schiller seien jedenfalls völlig ungeeignet, das Interesse von Schülern für Literatur zu wecken, so Mäuser. Zurück blieb eine verunsicherte Repräsentantin der Stiftung.

Bei der Veranstaltung an der Medienhochschule in Bad Cannstatt hatte eine Studentin die Frage vorbereitet, wie wichtig es für einen Bundesligaclub sei, einen sympathischen Präsidenten zu haben. Sie wagte es nicht, die Frage zu stellen.

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