VfB-Sieg gegen Schalke Alles eine Frage der Perspektive

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Nach dem 3:1-Sieg gegen Schalke mit drei Toren von Ibisevic freuen sich die Stuttgarter Spieler über den Blick auf die Tabelle. Der VfB-Trainer Labbadia dagegen schaut, was der Verein plant. Das Spiel in der StZ-Analyse

Der VfB hat beim 3:1 gegen Schalke allen Grund zum Feiern . Weitere Eindrücke vom Spiel sehen Sie in der Fotostrecke. Foto: dpa 22 Bilder
Der VfB hat beim 3:1 gegen Schalke allen Grund zum Feiern . Weitere Eindrücke vom Spiel sehen Sie in der Fotostrecke.Foto: dpa

Stuttgart - Die Terminierung von Weihnachtsfeiern ist ja oft eine heikle Angelegenheit, vor allem bei Fußballmannschaften. Man muss einerseits frühzeitig planen, weiß andererseits aber nicht, wie es um die aktuelle Stimmungslage bestellt sein wird. Auch beim VfB waren sie sich nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee ist, die Vereinsangestellten ausgerechnet für den Tag nach dem Spiel gegen den Champions-League-Achtelfinalisten FC Schalke 04 zum bunten Abend einzuladen. Im Nachhinein aber kann man sagen: alles richtig gemacht, einen besseren Zeitpunkt hätte es kaum geben können. Und somit darf fest davon ausgegangen werden, dass die Spieler und Mitarbeiter des VfB am Sonntag eine ebenso harmonische und wie beschwingte Feier erlebt haben.

Das 3:1 (2:1) gegen Schalke 04 hatte am Samstag die Vorlage geliefert, ein Erfolg, den Bruno Labbadia in die Kategorie „Sensationssieg“ einordnete. Schalke habe doch ganz andere Möglichkeiten als der VfB, sagt der Trainer, Schalke habe viel mehr Geld und einen viel breiteren Kader – kurzum: „Schalke gehört zu den Vereinen, die eigentlich weit vor uns stehen.“ Soweit die Theorie – die Praxis sieht ganz anders aus: Nach 16 Spieltagen hat der VfB exakt gleich viele Punkte auf dem Konto wie Schalke, nämlich 25.

Die Champions League ist in Reichweite

„Die Tabelle lügt nie“, sagt der Manager Fredi Bobic, weshalb es keinen besseren Beleg gibt, um deutlich zu machen, wie sehr sich die Perspektiven des VfB in den vergangenen Wochen verbessert haben. Einen Monat ist es erst her, dass die Stuttgarter zehn Punkte hinter dem FC Schalke lagen und nur zwei vor dem Relegationsplatz 16. Nach unten muss der VfB nun voraussichtlich nicht mehr schauen – dafür sind die Champions-League-Plätze in Reichweite gekommen. Wirklich konstant gut ist bislang außer den Bayern kein Bundesligateam, der Meister aus Dortmund hat als Dritter nur zwei Zähler mehr als der VfB.

„Alle haben immer von Frankfurt oder Schalke geschwärmt – uns dagegen hatte keiner auf der Rechnung“, sagt der Mittelfeldspieler Zdravko Kuzmanovic: „Jetzt sind wir dabei.“ Und auch sein Nebenmann Christian Gentner nahm den Sieg gegen Schalke zum Anlass, so etwas wie eine Zeitenwende heraufzubeschwören: „Bislang hatten wir häufig die Chance verpasst, oben ranzurücken. Nun haben wir es getan.“

Gegen Schalke reichen 38 Prozent Ballbesitz

Die Mannschaft, findet Bobic, habe es „verdient, auch mal gelobt zu werden“. In der Tat: 43 Stunden nach dem blamablen 0:1 gegen Molde in der Europa League zeigte der VfB gegen Schalke eine hoch konzentrierte, geschlossene Leistung, hatte beim Elfmeterpfiff kurz vor der Pause das nötige Glück und überzeugte ansonsten durch Effizienz und taktische Klugheit. Nur 38 Prozent Ballbesitz genügten den Stuttgartern, um das bessere Team zu sein.

„Die Moral, die Einstellung, die Leidenschaft, alles hat gestimmt“, sagt Labbadia – und erklärt die Schwärmerei dann auch schon wieder für beendet. „Untergangsstimmung“ habe er nach dem Molde-Spiel im Umfeld ausgemacht, deshalb sieht er nun keinen Grund, euphorisch zu werden. „Wir können uns freuen, dürfen aber nicht anfangen, uns etwas darauf einzubilden.“ Als weiteren Kraftakt sieht er die noch folgenden Spiele in Mainz (Liga) und gegen Köln (Pokal). Und an den großen Mühen werde sich auch nach der Winterpause nichts ändern, wenn der VfB mit seinem kleinen Spielerkader im Idealfall auch weiter an drei Wettbewerben teilnimmt.

Bruno Labbadia positioniert sich bundesweit

Dezent in der Wortwahl, aber deutlich im Inhalt erhöht Labbadia daher den Druck auf die Vereinsführung, doch bitteschön mehr Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen. Am Tag des Spiels gegen Schalke positionierte sich der Trainer bundesweit in einem großen Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, dessen Kernbotschaft lautete: Ich mag den VfB zwar gern und finde den Finanzkurs auch durchaus ehrenwert – bin aber keineswegs bereit, meinen Vertrag unter allen Umständen zu verlängern. Erst will Labbadia Näheres zur Risikobereitschaft des Vereins wissen – und sendet bis dahin das Signal aus, das Handy nicht sofort abzuschalten, wenn andere Clubs um ein Sondierungsgespräch bitten.

Bis hierhin, sagt Labbadia nach dem Sieg gegen Schalke, habe in dieser Saison alles „super funktioniert“ – aber es gebe „keine Garantien, dass es auch so weitergeht“. Von einem möglichen Einzug in die Champions League wird der Trainer daher trotz der guten Perspektiven nicht einmal träumen: „Das Träumen habe ich mir schon lange abgewöhnt, seit ich beim VfB bin.“