VfB-Star in Schlägerei verwickelt Großkreutz’ Partynacht und ihre Folgen

Von Gregor Preiß 

Kevin Großkreutz landet spätnachts nach einer Schlägerei von zwei Gruppen Jugendlicher im Krankenhaus. Die genauen Umstände sind noch unklar. Die Polizei ermittelt.

Es gibt mal wieder Wirbel um Kevin Großkreutz Foto: dpa
Es gibt mal wieder Wirbel um Kevin Großkreutz Foto: dpa

Stuttgart - Außer den Beteiligten und ein paar Nachteulen, die sich Dienstagfrüh um 2.12 Uhr in der Nähe des Stuttgarter Wilhelmsplatzes in der Innenstadt getummelt haben, weiß niemand so genau, was sich im Detail zugetragen hat. Die Beteiligten, das sind im konkreten Fall: zwei Gruppen von Jugendlichen, zwischen 16 und 19 Jahre alt. Dazu ein 28-Jähriger mit prominentem Namen: Kevin Großkreutz.

Nach allem, was an Informationen von Seiten der Polizei bislang bekannt ist, kam es auf dem Platz inmitten des beliebten Stuttgarter Ausgehviertels zu einer Schlägerei. Dabei bekamen zwei der nächtlichen Flaneure einen Faustschlag verpasst, in dessen Folge sie mit einer Platzwunde im Krankenhaus behandelt werden mussten. Einer davon: Kevin Großkreutz. Ein Angreifer soll aus Geislingen an der Steige stammen.

An dieser Stelle wäre die Geschichte auch schon zu Ende erzählt, handelte sie eben nicht von dem Profi des VfB Stuttgart und Fußball-Weltmeister. Der, soviel zu seiner Ehrenrettung vorweg, im Moment mit einer Sprunggelenksverletzung pausieren muss. Und am nächsten Tag ausschlafen konnte. Dienstag war auf dem Cannstatter Wasen nämlich trainingsfrei. Trotzdem kennt natürlich auch der 28-Jährige die Gesetzmäßigkeiten der Branche. Ein Gebot lautet: keine nächtlichen Ausflüge! Ganz gleich, ob ein Spieler verletzt ausfällt, am nächsten Tag trainingsfrei oder die Oma Geburtstag hat. Im Zweifel darf man sich nicht dabei erwischen lassen. Was wiederum schwierig ist, wenn man wie Großkreutz um 2.12 Uhr Bekanntschaft mit der Polizei macht. Und er womöglich nur Opfer der Auseinandersetzung wurde.

Wie reagiert der VfB?

Doch nichts Genaues weiß man nicht, und so steht bis auf Weiteres auch die Frage unbeantwortet im Raum, was der VfB-Profi und frisch gebackene Familienvater mit einer Horde Jugendlicher in der Stadt getrieben haben könnte. Angeblich soll er die Stunden zuvor in der Discothek „Perkins Park“ am Killesberg zugebracht haben, wo am Abend – es war der Rosenmontag – eine Oberstufenparty stattfand. So hat es Großkreutz seinem Arbeitgeber gebeichtet, der sich seinen trainingsfreien Dienstag auch anders vorgestellt hatte. Den ganzen Tag über glühten zwischen den Verantwortlichen die Drähte, um Licht ins Dunkel der Nacht zu bringen. Am Abend teilte der Club mit, dass es Grokreutz „den Umständen entsprechend“ gut gehe und er am Mittwoch das Krankenhaus wieder verlassen könne. Er wolle Anzeige erstatten.

Die Causa Großkreutz ist kompliziert, um nicht zu sagen vertrackt. Einerseits ist da der bei den Fans immer noch ungemein beliebte Vollblutfußballer, vermutlich einer der letzten seiner Art. Dazu kommt Großkreutz als Weltmeister – eine Persönlichkeit, mit der sich der Zweitligist zumindest in der Anfangszeit gerne schmückte.

Risse in der Beziehung mit dem Verein

Die Beziehung zwischen dem Ur-Dortmunder und seinem neuen selbst ernannten Herzensverein erfuhr andererseits erste Schwingungen, als der 28-Jährige das Sticheln gegen Clubs wie RB Leipzig und 1899 Hoffenheim zu seinem Internet-Hobby machte. Sportchef Jan Schindelmeiser erteilte ihm einen Rüffel mit der Bitte, sich auf seinen Selbstvermarktungsplattformen doch künftig etwas gemäßigter zu geben. Was auch geschah – allerdings genauso auf dem Fußballplatz. Großkreutz’ Leistungen waren selten dazu angetan, in Begeisterungsstürme auszubrechen. Was die sportliche Leitung sehr genau registrierte. Immer wieder, so ist zu hören, müsse der Rechtsverteidiger einen Tritt in den Hintern verpasst bekommen. Was ihn dann auch zu besseren Trainingsleistungen anspornt, aber meist nur von kurzer Dauer. Schnell falle er in sein altes Muster zurück, was sich ja auch in den Leistungen in der zweiten Liga widerspiegelt.

Und dass es sich bei Kevin Großkreutz um keinen einfachen Charakter handelt, wissen sie in Stuttgart mittlerweile auch aus eigener Erfahrung. An sich ein netter Kerl, lässt sich der gebürtige Dortmunder aber allzu leicht provozieren und läuft dann Gefahr, aus der Rolle zu fallen. Dennoch: seine alten Affären (Pinkeln in die Hotel-Lobby, Döner-Wurf) schienen ausgestanden. Dachte man. Bis Großkreutz Montagnacht im Krankenhaus aufschlug.