VfB Stuttgart Daimler steht bereit – mit 41,5 Millionen Euro

Von Dirk Preiß 

Der VfB Stuttgart will am 1. Juni seine Profisparte ausgliedern, um frisches Kapital zu generieren. Nun ist klar: Die Daimler AG steht sicher parat für den Einstieg als Anker-Investor einer VfB AG – und würde eine ordentliche Summe überweisen.

Derzeit ist die Daimler AG über ihren Personalvorstand Wilfried Porth im Aufsichtsrat des VfB Stuttgart vertreten. Foto: Baumann
Derzeit ist die Daimler AG über ihren Personalvorstand Wilfried Porth im Aufsichtsrat des VfB Stuttgart vertreten. Foto: Baumann

Stuttgart - 100 Millionen Euro für 24,9 Prozent der Anteile einer VfB Stuttgart AG – so lautet der kühne Plan, den Wolfgang Dietrich mit einer möglichen Ausgliederung der Profikicker aus dem Hauptverein verfolgt. Klingt nicht schlecht, manch einer könnte dem Präsidenten des Clubs aber auch vorwerfen, er male die Zukunft der Weiß-Roten rosarot. Umso mehr ist Dietrich „stolz darauf“, nun Fakten statt Pläne als Argumente für den Strukturwandel beim VfB liefern zu können. Denn mittlerweile ist klar: Die Daimler AG wird nicht nur als möglicher Anker-Investor einer möglichen VfB AG gehandelt. Der Autobauer aus der direkten Nachbarschaft steht fix parat, sollte der Verein auf der Mitgliederversammlung am 1. Juni eine entsprechende Mehrheit für die Ausgliederung hinbekommen. Eine entsprechende Vereinbarung wurde in dieser Woche unterschrieben – und gleich mit wichtigen Inhalten gefüllt.

Im Video-Interview „Neulich im Newsroom“ beantwortet der VfB-Präsident die wichtigsten Fragen zur geplanten Ausgliederung:

Die wichtigste Frage aus Sicht des VfB Stuttgart: Wie viel Geld bringt dem Club das strategische Engagement des Konzerns mit dem Stern ein? Die Antwort: 41,5 Millionen Euro. Für diese Summe würde die Daimler AG 11,75 Prozent der Anteile erwerben. Das Geld wäre bereits kurz nach der Entscheidung pro Ausgliederung auf dem Konto der VfB AG und stünde noch für die Transferperiode im Sommer zur Verfügung. Der Unternehmenswert, der sich nach einer solchen Zahlung für den VfB ergibt, läge bei über 350 Millionen Euro.

Anderes Szenario bei Nicht-Aufstieg

Ein weiteres Schmankerl der Vereinbarung ist die Zusage von Daimler, im Falle einer strategischen Partnerschaft auch das Engagement als Hauptsponsor aufzustocken. „Wir sind unheimlich stolz darauf, dass wir Nägel mit Köpfen machen konnten“, sagt VfB-Chef Wolfgang Dietrich, der weiter für die Zustimmung zur Ausgliederung Werbung macht. 75 Prozent der anwesenden Mitglieder müssten am 1. Juni dafür stimmen. „Die Daimler AG ist immer zum VfB gestanden“, sagt er, „dieses Engagement würde die Partnerschaft aber auf eine ganz andere Ebene heben.“

Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, sagt zur geschlossenen Vereinbarung: „Wir bei Daimler wissen: Gerade in Zeiten, in denen es nicht rund läuft, gilt es weiter hart zu arbeiten, mutige Entscheidungen zu treffen – und immer an den Erfolg zu glauben. Was auch hilft, ist die Unterstützung von starken Partnern: Daimler ist dem VfB seit mehr als 100 Jahren eng verbunden. Wir sind davon überzeugt, dass die neue Vereinsführung, die Spieler und die Fans dafür sorgen werden, dass wir auf der Mercedesstraße bald auch wieder große sportliche Erfolge feiern können. Es ist uns ein Herzensanliegen, dazu unseren Beitrag zu leisten und unser Engagement beim VfB deutlich auszubauen. Wir freuen uns, wenn die Mitglieder dafür am 1. Juni die Voraussetzung schaffen.“

Stimmen die Mitglieder gegen die Ausgliederung, läuft der Sponsoring-Vertrag des VfB mit der Mercedes-Benz-Bank wie vereinbart noch zwei weitere Jahre unverändert weiter. Wichtig ist zudem: Die genannten Konditionen gelten nur im Falle eines Aufstiegs des VfB in die Bundesliga. Gelingt dieser nicht, würde Daimler im Falle einer Ausgliederung vorerst nur fünf Prozent der Anteile für 10,5 Millionen Euro erwerben. Der Plan des VfB sieht vor, innerhalb der nächsten drei Jahre maximal 24,9 Prozent der Anteile einer möglichen VfB AG an höchstens vier oder fünf Investoren mit regionalem Bezug zu veräußern. Der Verein würde mit einer Mehrheit von 75,1 Prozent der Anteile jederzeit Eigentümer der Kapitalgesellschaft bleiben.

Investitionen „ausschließlich in den Sport“

Dietrich erhofft sich durch das Geld der Investoren nach sportlich und wirtschaftlich mageren Jahren eine Anschubfinanzierung, um sich nach einem möglichen Aufstieg schnell wieder in der Bundesliga etablieren zu können. Noch notwendiger sei die Finanzspritze von außen im Falle eines weiteren Jahres in der zweiten Liga. Das Geld soll „ausschließlich in den Sport“ fließen, betont der Vereinspräsident, meint damit aber auch die Verbesserungen der Trainingsbedingungen und die Nachwuchsabteilung. Dietrich verspricht: „Wir würden mit dem Geld vernünftig umgehen und wollen den Verein damit nachhaltig weiterentwickeln.“ Das Engagement der Daimler AG, das nach wochenlangen Verhandlungen fixiert wurde (der VfB hat den Unternehmenswert zuletzt höher angesetzt als bisher), soll zudem Sogwirkung haben für weitere Investoren. Zudem habe das Unternehmen zugesagt, die Anteile nicht weiterzuverkaufen. Falls sich der Autobauer dennoch irgendwann einmal von den Anteilen trennen wollen würde, genießt der VfB ein Vorkaufsrecht.

Kritiker einer Ausgliederung befürchten, der Verein lege sein Schicksal in die Hände der Investoren, mache sich abhängig und riskiere die stete Einmischung von Geldgebern ins operative Geschäft. Diese Sorge versucht Dietrich den Mitgliedern zu nehmen, indem er sagt: „Die Daimler AG hat keinerlei Interesse daran, ins operative Geschäft einzugreifen.“ Klar ist aber auch: Das Unternehmen würde als Investor und Hauptsponsor zwei von neun Mitglieder im Aufsichtsrat der AG stellen. Das Präsidium des Vereins entsendet ebenfalls zwei Mitglieder ins Kontrollgremium und bestimmt als Mehrheitseigner über die weiteren Aufsichtsräte entscheidend mit. „Der eingetragene Verein würde stärker sein als vorher“, sagt Wolfgang Dietrich.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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31 Kommentare Kommentar schreiben

Sponsoring in der Vergangenheit und Zukunft: Hallo zusammen, ich möchte hier einmal Fragen in den Raum, werfen und zu manchen auch gleich Antworten. 1. Wie war das Sponsoring in der Vergangenheit? 2. Warum hat der Daimler bzw. die Mercedes-Bank nicht schon vorher mehr Geld gegeben? Dies ist ohne Probleme möglich. Man kann dem VfB auch 10 Mio. für Trikotwerbung im Jahr bezahlen, oder etwa nicht? Ist diese Summe durch die UEFA beschränkt? 3. Warum gibt der Daimler im Jahr nur 666.000 Euro für die Namensrechte am Stadion, die, wie es erklärt wurde, durch die Zugabe der 20 Mio zur Finanzierung erbracht wurden. Umgerechnet auf einen Laufzeit von 30 Jahren sind das dann ca. Euro 666.000. Wenn der Daimler dem VfB einen Gefallen tun will, dann verzichtete er auf seine Namensrechte, so das endlich mal ca. 2,5 Mio. mehr pro Jahr in die Kasse gespült werden. 4. Der VfB hat ein Rückkaufsrecht. Zu welchem Kurs denn? Zum alten Verkaufskurs, oder zum neuen gesteigerten Wert? Das würde dann nämlich nicht funktionieren bzw. dem VfB das Genick brechen.

Lesen Sie bitte hierzu den heutigen Kommentar von Thomas Haid "Quo vadis deutscher Fußball": Hier steht doch verklausuliert das selbe drin. Nur lehnt sich der Kollege Haid nicht so weit aus dem Fenster wie ich, denn er muß ja aus beruflichen Gründen auch weiterhin Kommentare zum VfB hier liefern.

Wenn es der Onlinered. zu viel wird, kann sie mich wegklicken....: Aber dieses Beispiel muß ich los werden. Der Fall Großkreutz. So etwas wäre in Dortmund undenkar gewesen. Großkreutz wäre zur Rechenschaft gezogen worden, aber nie und nimmer hätte man diesen Spieler mit Kult- und Integrationscharakter davongejagt. Weil der Ruhrpott anders tickt. Hier führen andere Komponenten und ein anderes Gsellschaftsverständnis zum Erfolg. Daraus ist diese Erfolgsgeschichte Borussia Dortmund über die Jahrzehnte entstanden und gewachsen. Man hat sich das nicht "erkauft". Das war ein natürlicher Prozess. Das, was hier geschieht, ist kein natürlicher Prozess. Wenn diese Clubleitung meint, der Mensch Großkreutz ist ist ein schlechter Werbebotschafter für den Daimlerkonzern (nur so als Bsp.), dann soll sie das einfach sagen und nicht herumdrucksen und Argument vorschieben, die lächerlich sind.

Herr Bogunovic: Jetzt sollten Sie tatsächlich aufhören zu schreiben, langsam wird's vogelwild. Dortmund die mit Ihrer ganzen gewachsenen Tradition gerade so an der Pleite vorbeigeschrammt sind und heute als AG, was nicht Arbeitergesellschaft sondern Aktiengesellschaft bedeutet, agieren soll als Beispiel dienen. Jetzt fehlt nur noch, dass Sie mit Ihren Lieblings Traditionsvereinen aus Spanien kommen. Nicht, dass Sie noch selbst merken, dass Ihr Beispiel eigentlich ein Beispiel gerade für eine Ausgliederung ist.

Herr Huber, ich danke Ihnen für Ihren Einwand: Frage: Stand der VfB jemals vor einer Pleite bzw. ist er jemals an dieser "vorbeigeschrammt" ? Die Antwort lautet nein. Und zwar NEIN mit drei Ausrufezeichen. Mit dem Beispiel Großkreutz möchte ich nur aufzeigen, auf welchem Weg sich dieser Verein hier im Augenblick befindet. Erklären Sie mir doch mal, wie man solch eine katastrophale Fehlentscheidung hier begründen kann....

Herr Bogunovic: Muss ein Verein erst kurz vor der Pleite stehen um diesen Schritt zu gehen? Ja es geht ums Geld und deshalb auch darum evtl. rechtlichen Vorgaben (Gemeinnützigkeit) entgegen zu wirken. Schauen Sie sich mal in der ersten und zweiten Liga die Vereinsstrukturen an. Sie werden erstaunt sein. Das tut bei vielen Vereinen in der Fankultur keinen Abbruch. Großkreutz hätte man auch anders lösen können aber der Daimler hat damit garantiert nichts zu tun. Ich würde eher sagen dadurch ist man einen Spieler auf einfachste und kostengünstige Art losgeworden mit dem man nicht mehr für die Zukunft geplant hat. Übrigens als er vom BVB nach Istanbul gewechselt ist haben natürlich alle BVB-Verantwortlichen (Trainer, Manager, Präsident) bis zum Schluss um einen Verbleib dieser Identifikationsfigur gekämpft. Zumal er zu dem Zeitpunkt ein absoluter Führungsspieler war und er aus der Mannschaft überhaupt nicht wegzudenken war. Letzten Endes mussten Sie sich aber dem Wunsch des Spielers nochmals Erfahrungen in einem anderen Land zu machen und eine neue Sprache zu lernen beugen.

er User Fabian Herrman fragt: "Landen wir dort wie Lautern, Rostock und Duisburg, wenn wir es nicht tun...". Die Antwort lautet nein. Der VfB Stuttgart ist nicht deswegen da, wo er jetzt steht, weil Daimlermillionen nicht vorhanden waren, sondern wegen anderer Dinge.... Was ist denn mit dem schwäbischen Selbstverständnis, der schwäbischen Sachlichkeit, der hiesigen Eigenwilligkeit und dem Vorbildcharakter für das ganze Land Deutschland. Das hat doch diese Region schon immer ausgezeichnet. Gibt es denn keine Dinge mehr, die man hier weiter kultivieren kann, ohne dass die ganz große Welt und das ganz große Geld eine Rolle spielen müssen. Tradition, Fleiß und Liebe zum Detail, das hat diese Region groß gemacht. Und nicht der Fußball. Ich weiß, geh doch nach drüben.... ans Millerntor oder an die alte Försterei.... Ich lebe aber hier in Stuttgart und ich kann nicht mit ansehen, wie hier sehenden Auges etwas unwiederbringlich zerstört wird.

Puh...: Oh man. Das kann man ja nicht mehr mit anhören. Sicherlich ist es wichtig, sich als Verein nicht völlig an irgendwelche Investoren auszuliefern. Aber sind wir doch mal ehrlich. Ich welcher Form haben die Mitglieder denn in der bisherigen Form ein Mitspracherecht im Verein? Wird jedes Mitglied über den möglichen Kauf oder Verkauf eines Spielers informiert oder gar nach seiner Meinung gefragt? Also bei mir hat noch keiner angerufen... Ok, das Logo wurde wieder geändert. Welch Triumph und grundlegende Weichenstellung für die sportliche Neuausrichtung in den kommenden 20 Jahren.... Darüber hinaus sind doch Daimler, Würth und Co. bereits eh im Verein integriert, und drehen dort auch ohne "offizielle Beteiligung" mit Sicherheit mit an den entscheidenden Rädchen. Besonders gefällt mir der Vergleich, dass der Weltkonzern Daimler den bevorstehenden Niedergang der Dieseltechnologie durch eine 40 Mio. Beteiligung beim VfB auszugleichen versucht. Ich glaube Daimler hat echt andere Sorgen, als sich bei einem Provinzclub wie dem VfB ins operative Geschäft einzumischen. Sorry, aber dazu ist der VfB (wir) einfach noch ein paar Nummern zu klein. Also, Profiabteilung ausgliedern, und bitte das Geld nicht wieder wie in den vergangenen Jahren sinnlos verdummen. Dann müsste es doch möglich sein, einen Verein wie den VfB zumindest im oberen Mittelfeld der Bundesliga zu halten.

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