VfB Stuttgart Der 80-Millionen-Euro-Plan

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Der VfB-Präsident Bernd Wahler und der Aufsichtsratschef Joachim Schmidt haben die Sponsoren und Geschäftskunden über die geplante Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Gesamtverein informiert. Doch dabei bleiben noch wichtige Fragen offen.

Bernd Wahler muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Foto: dpa
Bernd Wahler muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten.Foto: dpa

Stuttgart - Der VfB Stuttgart hatte seine Sponsoren und Geschäftskunden in die Mercedes-Benz-Arena eingeladen, um über die geplante Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Gesamtverein zu reden. Rund 100 Vertreter der verschiedenen Unternehmen hörten sich an, was der Präsident Bernd Wahler und der Aufsichtsratschef Joachim Schmidt zu sagen hatten. Eine rege Diskussion schloss sich an. Aber ob der VfB dadurch seinem Ziel näher gekommen ist?

Einig waren sich die allermeisten Teilnehmer darin, dass der Club neue Wege gehen muss, um seinen Betrieb zu finanzieren – und dass andere Einnahmequellen unerlässlich sind, wenn der Anschluss an die Spitze in der Fußball-Bundesliga wiederhergestellt werden soll. So haben die Partner jetzt auch eine Ausgliederung befürwortet – grundsätzlich. Im Detail sind jedoch noch viele Fragen offen, die Wahler und Schmidt nicht beantworten konnten.

25 Prozent der Vereinsanteile sollen verkauft werden

Mitgeteilt haben sie, wie das VfB-Konzept überhaupt aussieht. Demnach werden 25 Prozent der Vereinsanteile an Investoren verkauft. Die restlichen 75 Prozent verbleiben beim Club. Für diese 25 Prozent rechnet der VfB mit etwa 80 Millionen Euro, die in die leere Kasse fließen würden. Schmidt erklärte dazu sinngemäß, dass die Summe, die Hertha BSC kürzlich über diese Schiene erwirtschaftet habe, das Mindeste sei, was auch der VfB erwarte. Die Berliner sind eine Kooperation mit dem Finanzinvestor KKR eingegangen, der mit 61,2 Millionen Euro eingestiegen ist und 9,7 Prozent der Anteile erworben hat.

Als Rechtsform würde der VfB eine Aktiengesellschaft (AG) wählen und nicht wie manch anderer Club eine GmbH, was die Möglichkeit bieten würde, das Modell über Kleinanleger breiter aufzustellen. Wahler und Schmidt setzen dagegen in einer AG auf größere strategische Partner mit regionaler Verbundenheit. Sie haben jedoch am Dienstag ausdrücklich betont, dass auch eine Beteiligung von Einzelpersonen denkbar sei – wenn sie sich zusammenschließen und dann als ein Anleger auftreten würden.

Agentur soll „Wahlkampf“ mitorganisieren

Wohl im April soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über das Projekt entschieden werden, das sich der überwiegende Teil der Konkurrenten in der Bundesliga schon auf die Fahne geschrieben hat. Um nachziehen zu können, ist beim VfB laut Satzung eine Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen erforderlich – eine stolze Zahl. Damit die Chancen auf dieses Ergebnis steigen, hat der Verein nun auch eine Agentur verpflichtet, die den „Wahlkampf“ mitorganisieren und mitgestalten soll. Wahrscheinlich von Januar oder Februar an werden für die Mitglieder offene Regionalveranstaltungen stattfinden, auf denen über die Begleitumstände einer Ausgliederung informiert wird.

Mit den ins Auge gefassten 80 Millionen Euro wollen Wahler und Schmidt zum einen die sportliche Abteilung mit der Mannschaft stärken. Andererseits soll das Geld für infrastrukturelle Maßnahmen verwendet werden, wobei dieser Punkt auch jetzt gegenüber den Sponsoren nicht näher erläutert worden ist.

Zweifel und viele Fragen

Ohnehin besteht auch in diesem Wirtschaftskreis offensichtlich weiter Aufklärungsbedarf. Die Partner haben ähnliche Zweifel wie andere Mitglieder, was wiederum vor allem mit einem Vertrauensverlust in die zuletzt beim VfB handelnden Personen zusammenhängt. So gab es am Dienstag haufenweise Wortmeldungen in diesem Stil: „Ihr hattet doch schon mal viel Geld – und es ist nichts daraus geworden. Warum soll das jetzt anders ein?“ Oder: „Was für Rechte würde der VfB seinen Mitgliedern in der neuen Struktur noch zugestehen?“ Oder auch: „Wie geht der Verein mit den 75 Prozent der Anteile um, die ihm bleiben – und wie kommt er da zu Entscheidungen?“

Für Wahler und Schmidt gilt es also, Überzeugungsarbeit in eigener Sache zu leisten. Und dazu reicht ein Abend nicht.

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7 Kommentare Kommentar schreiben

Stimme heute mal Herrn Begander zu,...: .... wenn die Herren Wahler und Schmidt es schaffen, die zweite Halbzeit gegen Leverkusen in ein ganzes Spiel der Mannschaft des VfB quasi über 90 Minuten zu wandeln, kommt Qualität ins Spiel. Was wir sehen ist, die Jungs des VfB können solche Spiele umdrehen, also haben Sie auch für mich grundsätzlich Qualitäten, die überdurchschnittlich bezahlt werden und somit Woche für Woche zu zeigen sind. Dieser teilweise auch gegen Leverkusen zelebrierte Dilettantismus der Mannschaft hat Ursachen in den Kompetenzstrukturen dieses Unternehmens. Jedem Spieler noch mal ne Million aufs Konto und die kicken 2 Halbzeiten gleich gut. Mitnichten. Es ist aus meiner Sicht eben nicht das Geld, ätsch! Die tollen Produkte in unserer Region werden ja nicht grundsätzlich gekauft, da mit Ihnen die pure Emotion zu verbinden ist. Da stimmt eben die Geschäftsführung von vorne bis hinten und umgekehrt. Die Kunst scheint es zu sein, jungen Leuten Authentizität zu vermitteln. Wer über Jahre zeitweise einen ungeregelten Mist zusammenkickt, der unterliegt einer eher monetären Überzeugungsarbeit als einer inhaltlichen wie identifikatorischen. Bernd Wahler darf Überzeugungsarbeit leben. Leeebeeeen! Geld hat der VfB ab 2007 reichlich. Da sind locker 80 Mille rein und wieder rausgegangen per anno zusätzlich "wie nischtö" für Spieler, Trainer wie Infrastrukturen. Allein und rein polemisch, mit den Ablösen und Gehältern von Marica, Progrebniak, Kuzmanovic, Heldt, Keller, Gross, Babbel, Labbadia, wen auch immer noch dazu und etc. etc. wäre Gomez mit 5-6 Mille per anno sicher noch 1-2 Jahre beim VfB geblieben. Und um Gomez -Cacau wäre immer was erfrischendes aufzubauen gewesen. Die 80 Mille wirken wie ein "Lockmittel" für die Mitglieder. Und es braucht eine Agentur, um dieselben hochglanzprospektisch zu überzeugen. Ein kluges wie leidenschaftliches Spiel auf wie neben dem Platz überzeugt nachhaltiger, als eine Agentur und die Aussicht, das der Schein im wert von 80 Mille alleine das insgesamte positive Sein auf und neben dem Platz gewährleisten würde. Beispiel Inhalte und Kompetenz. Wo stünde der VfB tabellarisch wie inhaltlich, wäre Fredi Bobic noch da? Diese Entlassung wirkt nach in den Köpfen, auf den Rängen wie Katakomben dieses Unternehmens in der Frage nach dem wieso, weshalb, warum.

Ob 30 Mio. oder 100 Mio. sind egal. Nicht Quantität zählt, sondern Qualität: Es kommt darauf an, was der VfB mit dem Geld macht. Und in der Tat hat er in der Vergangenheit bewiesen, daß er nicht viel draus gemacht hat. Von daher sehe ich auch bei 80 Mio. schwarz. Weiterhin scheint es mir an der Effektivität zu hapern. Der VfB doch nach wie vor einen höheren Etat als Ligakonkurrenten, die im oberen Drittel der Tabelle stehen. Ich verfolge nicht alles so im Detail, aber ich glaube, da werden einfach zu hohe Gehälter an durchschnittliche Spieler bezahlt.

@Dieter Huege: Ich bin gegen eine Ausgliederung, da die handelnden Personen bislang nicht unter Beweis stellten, über Kompetenz und Sachverstand zu verfügen, um einen Fußballklub mit einem Umsatz von über 100 Mio. Euro zu führen. Weder viele unglückliche Äußerungen des Herrn Wahler konnten überzeugen, noch die sportliche Entwicklung und die unsägliche Suche nach einem sportlichen Leiter (weshalb soll Stallgeruch entscheidend sein? Weshalb wird offenbar nur eine Person gesucht, statt zwei - einer für die Gesamtentwicklung, einer speziell für die sportliche Entwicklung der 1. Mannschaft usw.?) Der AR betreibt zudem keine (interne) Aufklärung, was die Umstände der Bobic-Entlassung und die Maulwurffrage betrifft, was ich als Mitglied geradezu skandalös finde. Ein Modell mit mögliche Kleinanlegern gefällt mir ebenso nicht, hier sehe ich viel Potenzial für Unruhe. Denn wer irgendwo Geld hineinsteckt, der neigt dazu, sich auch äußern zu wollen (Kühne beim HSV...). Der VfB hatte schon mehrmals hohe einmalige Einnahmen und konnte nichts daraus machen (wer garantiert, dass aus der CL-/Gomez-Falle keine Ausgliederungsfalle wird?). Was genau passieren soll, insbesondere infrastrukturell, bleibt im Dunkeln. Daimler steigt als Anteilseigner ein, zahlt aber keine marktgerechten Summen für die Trikotbrust und v.a. für den Stadionnamen (und ja, bei Letzterem bin ich mir der Umstände bewusst, was die einstige GDS-Problematik betrifft). Der geplatzte und unter den Tisch gekehrte Porsche-Deal kommt hinzu. Und die aktuellen Mittel sollten noch immer reichen, Platz vier bis sieben in Angriff zu nehmen (Umsatz und Etat sind höher als bei Gladbach und Hoffenheim bspw!). Aber jetzt an Sie gerichtet, Herr Dieter Huege: Die Zahlen, die Sie bzgl. der Hertha zitieren, sind zwar richtig, die Schlussfolgerungen hingegen falsch. Mehr als die Hälfte der Summe ist ein Kredit von KKR, der ggf. in weitere Anteile umgewandelt werden kann. Tatsächlich hat KKR ca. 20 Mio. Euro für gut 10 % der Hertha-Anteile gezahlt. Hertha BSC ist damit um die 200 Mio. Euro wert, während der VfB auf Grundlage der obigen Zahlen 320 Mio. Euro wert ist. Ich möchte Sie bitten, sich nochmals mit dem Thema zu beschäftigen. Danke!

Heisse Luft - sonst nichts: Das Einzige, was der liebe Herr Wahler bisher zusammengebracht hat, ist der Versuch, die Mitglieder aus den Entscheidungen zu nehmen. Allen Mitgliedern muss doch bewusst sein, dass - wenn sie diesem Plan zustimmen, ihre Stimme danach nur noch Lull und Lall wert ist. Ansonsten hat er bis auf Vertröstungen und Durchhalteparolen noch nichts wertvolles von sich gegeben. Dafür kassiert er aber ein fürstliches Gehalt. Nach Bobic noch Wahler feuern - denn lieber eine Zeit lang steuerlos durchs Meer treiben als einen unwissenden und völlig ahnungslosen Kapitän ans Ruder lassen und komplett in den Abgrund schippern....

Billiger VfB: KKR ist bei Hertha BSC mit 61,2 Mio Euro bzw. 9,7 % eingestiegen. Das macht einen Gesamtwert von Hertha BSC von etwa 630 Mio Euro. Beim VfB Stuttgart gibt es für 80 Mio Euro gleich 25%. Der Gesamtwert des VfB beträgt demnach 320 Mio Euro. Der VfB Stuttgart ist etwa die Hälfte von Hertha BSC wert. Wer hätte das gedacht.

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