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VfB Stuttgart Die Rückkehr zum Ergebnisfußball

Carlos Ubina, 20.02.2013 16:42 Uhr

Stuttgart - Wenn Bruno Labbadia über Fußball spricht, dann nimmt er sich reichlich Zeit. Denn der Trainer des VfB Stuttgart will verstanden werden. Von seinen Spielern natürlich, aber auch im Umfeld des Bundesligisten. Also erklärt Labbadia immer wieder, wie er sich seine Spielidee vorstellt. Schnell, offensiv ausgerichtet, mit technischer und taktischer Finesse. Nur: so funktioniert der Labbadia-Fußball in Stuttgart nicht.

In Leverkusen und Hamburg mag das – zumindest kurzzeitig – anders gewesen sein. In Stuttgart funktioniert Labbadia-Fußball aber vor allem über Ergebnisse. In seinen ergiebigsten Momenten ist der Stil geprägt von hohem läuferischem Aufwand, Disziplin und einer gewissen Beharrlichkeit, es dem Gegner schwer zu machen. Auf diese Weise erlebte das Team unter Labbadia seine stärkste Phase in der Rückrunde der vergangenen Saison, als sich der VfB zur drittbesten Mannschaft aufschwang.

Daraus ist auf dem Wasen jedoch kein Milieu für eine fortwährende spielerische Entwicklung entstanden. „Wir waren schon weiter“, sagt auch der Trainer. Er hat es nach dem Sieg bei der TSG 1899 Hoffenheim gesagt. Dem spärlichen 1:0, das recht wenig mit Labbadias Vision von einem erfolgreichen Erlebnisfußball zu tun hatte. Und dennoch dient das Spiel als Blaupause für die nächsten Begegnungen des VfB.

Drei Spiele in drei Wettbewerben

KRC Genk (Europa League), 1. FC Nürnberg (Bundesliga), VfL Bochum (DFB-Pokal) – drei Spiele in drei Wettbewerben, die allesamt die Chance bieten, nach dem Fehlstart in das Jahr 2013 die spielerische und emotionale Wende vollends herbeizuführen. Doch wahrscheinlicher ist es, dass sich die VfB-Elf erneut keinen Schönheitspreis verdient. „Unsere Spiele sind im Augenblick nicht zwingend wunderschön anzuschauen, aber wenn wir gewinnen, fragt bald niemand mehr danach“, sagt der Mittelfeldspieler Christian Gentner und verweist auf die vielen Fehler, als die Spektakelbereitschaft im Team noch größer war.

Vielleicht muss sich der VfB also gar keine Gedanken darüber machen, langfristig attraktiv aufzutreten, wenn es darum geht, kurzfristig die Mannschaft zu stabilisieren. „Wir werden auch in Genk aus einer guten Ordnung heraus spielen“, sagt Labbadia. So drückt es der Coach aus, wenn er ein zu großes Risiko vermeiden will, wenn er sich gezwungen sieht, sich dem Diktat des Resultats zu unterwerfen. Dann fordert er nicht nur mehr Kompaktheit in der Defensive, sondern erklärt, dass die Mannschaft einen Schritt zurück habe gehen müsse, um wieder vorwärtszukommen. Siehe das Hoffenheim-Spiel.

„Die Mannschaft hat schon gute Spiele gezeigt, sie hat auch schon Ergebnisfußball geboten – und sie hat sich schon für ihren enormen Aufwand nicht belohnt“, sagt der Manager Fredi Bobic. Was den Eindruck verstärkt, dass die Stuttgarter einiges zu bieten haben, es aber eine Herausforderung bleibt, die Fähigkeiten des Kaders gut abzumischen.

Knifflige Ausgangslage in Genk

Nun ziehen die Stuttgarter ihren Optimismus daraus, nach fünf Ligapleiten hintereinander rechtzeitig ihr Spiel auf das Wesentliche reduziert zu haben: ein 1:0. Das stärkt das Selbstvertrauen der Spieler und lässt das Grummeln im Verein und unter den Fans leiser werden. Doch sollte der VfB am Donnerstag (19 Uhr/Sky) beim belgischen Tabellendritten in Genk nach dem Remis im Hinspiel aus dem internationalen Geschäft ausscheiden, dann wird zwar niemand im schwäbischen Lager in Tränen ausbrechen, aber es würde an der Reputation des Clubs rütteln – und auch wieder die Zweifel an der Arbeit des Trainers und des Teams nähren.

„Ob nun 1:1 gespielt oder 1:0 gewonnen“, sagt Bobic zur Ausgangslage im Europacup, „so einen großen Unterschied macht das gar nicht aus.“ Der Manager geht davon aus, dass die Stuttgarter in der Cristal-Arena auf einen Gastgeber treffen, der ebenfalls nicht gleich drauflosstürmen wird. Das mache den Reiz der Begegnung aus.

Allerdings bleibt es darüber hinaus knifflig für den VfB, weil die Leistungen nur über die Resultate eingeordnet und nicht wie beim SC Freiburg oder dem FSV Mainz 05 als Ergebnis einer Entwicklung begriffen werden. Dabei peilen Bruno Labbadia und Fredi Bobic mittelfristig genau das an: den Aufbau einer Mannschaft, die wieder dauerhaft zur Spitze gehört.