VfB Stuttgart Drei Glücksmomente für ein Halleluja

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Nach dem 3:1 gegen Eintracht Frankfurt hofft der VfB Stuttgart, dass sich der Heimsieg im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga als das ersehnte Schlüsselerlebnis erweist.

Hochgefühl: Der Stuttgarter Spieler Alexandru Maxim jubelt über sein Tor zum 3:1 gegen Frankfurt. Die lange Durststrecke vor dem ersehnten Sieg dokumentieren wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: dpa 27 Bilder
Hochgefühl: Der Stuttgarter Spieler Alexandru Maxim jubelt über sein Tor zum 3:1 gegen Frankfurt. Die lange Durststrecke vor dem ersehnten Sieg dokumentieren wir in der folgenden Bilderstrecke.Foto: dpa

Stuttgart - Der Trainer hatte seinen letzten Joker bereits gezogen: Marvin Wani­tzek, einen 21-jährigen Mittelfeldspieler aus der zweiten Mannschaft. Er sollte dem erbärmlichen Spiel des VfB Stuttgart noch einmal eine fußballerische Note verleihen. Unbelasteter als der Rest der Mannschaft sollte Wanitzek dem Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga neuen Schwung verleihen. Das war Huub Stevens’ Idee nach einer Stunde – und die Einwechslung Wanitzeks hätte sein letzter Impuls als VfB-Trainer sein können.

Doch dann spielte Alexandru Maxim diesen einen Pass, und Martin Harnik passte dieses eine Mal präzise quer, und Daniel Ginczek bugsierte den Ball über die Linie (siehe auch „Ginczeks Befreiung“). Plötzlich hieß es 1:1 gegen Eintracht Frankfurt (63.). Wanitzek musste die Trainingsjacke wieder anziehen. Danach zeigte sich aber nicht nur, wie ein Tor das Spiel verändert, sondern auch wie ein Tor eine leblose Elf wiederbelebt. Denn ohne diesen Treffer aus dem fußballerischen Nichts hätte Maxim drei Minuten später keinen Zauberpass aus dem Fußgelenk geschüttelt, hätte Ginczek nicht elegant mit dem Außenrist zum 2:1 vollendet, und hätte Filip Kostic auf der linken Außenbahn vor dem 3:1-Endstand durch Maxim nicht Flügel verliehen bekommen (80.).

Schön herausgespielte Tore

Es waren drei unerwartet schön herausgespielte Tore, die der VfB fabrizierte, nachdem es eine Stunde lang verdammt nach zweiter Liga im Stuttgarter Stadion ausgesehen hatte. „Da war zu beobachten, was Druck mit Menschen machen kann“, sagte Stevens. Nervös waren die meisten Spieler, überfordert wirkten manche, und das Publikum schien nur deshalb nicht zu pfeifen, weil die Stuttgarter fast schon einen bemitleidenswerten Eindruck machten. Allen voran die 19-jährigen Timo Werner und Timo Baumgartl. Dem Angreifer Werner glückte im Bemühen, seine Schnelligkeit einzubringen, gar nichts. Dem Abwehrspieler Baumgartl zitterten die Beine.

Die beiden Talente reihten ihre Aktionen jedoch nur in eine Serie von defensiven und offensiven Fehlleistungen ein, zu denen auch der wesentlich routiniertere Martin Harnik beitrug. Und Serey Dié ist so damit beschäftigt, an allen Ecken des Platzes Zweikampfbrände zu löschen, dass er stets auftaucht, wenn der VfB ein Gegentor kassiert. Auch gegen Frankfurt, als der gelbbelastete Ivorer halbherzig gegen Bastian Oczipka vorging und sich daraus das 0:1 durch Haris Seferovic ergab (51.).

Bemerkenswerte Wende

Das wäre zwar noch nicht das rechnerische Ende der Stuttgarter im Abstiegskampf gewesen, doch nach dem Rückstand schien es, als sei alle Hoffnung den Neckar runter, als könne der VfB das rettende Ufer nie und nimmer erreichen. „Umso bemerkenswerter ist es, dass die Mannschaft dieses Spiel noch gedreht hat“, sagte der Sportvorstand Robin Dutt. Ebenso bemerkenswert war es jedoch, dass die Eintracht-Elf nach dem Ausgleich in sich zusammenbrach. „Wir haben es wieder geschafft, aus einem kontrollierten Spiel ein unkontrolliertes zu machen“, sagte Thomas Schaaf, der es in Frankfurt innerhalb kürzester Zeit auch geschafft hat, wie früher in Bremen eine Mannschaft zu trainieren, die vorne gut und hinten schlecht ist.

Zum fünften Mal führten die Hessen auswärts gegen ein Kellerkind – und verloren. Doch mit so viel Aufbauhilfe kann der VfB in den verbleibenden acht Begegnungen nicht mehr rechnen. Dafür geht es für die meisten Clubs um zu viel. Zudem wissen die Stuttgarter nach dem Sieg selbst am besten, dass der Weg zum Klassenverbleib noch weit ist und sie – wie alle betonten – nur „einen kleinen Schritt“ getan haben.

In der Tabelle hat er den VfB auch nicht vorwärtsgebracht. Dennoch könnte der Erfolg mit seinen fulminanten 30 Schlussminuten als Schlüsselerlebnis taugen. Denn zuvor in Leverkusen war es genau andersherum gewesen. Da endete eine gute Anfangsphase in einer deprimierenden 0:4-Niederlage. „Es ist aber keine schlechte Idee, die gute Phase an den Schluss zu hängen“, sagte Dutt. Beim VfL Wolfsburg könnte der VfB nach der Länderspielpause aber ein komplett gutes Spiel gebrauchen.

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18 KommentareKommentar schreiben

was doch auch "Hoffnung" macht ist....: einfach positiv bleiben. Negative Aussagen oder Darstellungen bringen keiner Seite etwas. Was will ich einem 19 jährigen sagen, der Riesenansätze hat, aber i.M. unglücklich spielt? Mach weiter und gib alles. Das P-Kostic da auf links überzeugt hat, gut. Soll er da weitermachen. Für T.Werner findet sich auch ein anderes Plätzchen in der Mannschaft. Ausserdem, wer sagt uns, da ein P. Kostic von Anfang an ähnlich eingeschlagen hätte? Eben. Geht ja auch umgekehrt, später eben Werner für Kostic. Essenz daraus für mich, die wollen sicher alles bloß nicht absteigen. Ergo, positive Kritik und weiter machen. Evtl. gelingt ja etwas in Wolfsburg. Schwer aber nicht unmöglich.

Nur eins... - : Glückwunsch zum so wundersam erspielten und so wichtigen Sieg. Erstmal nur Freude und Hoffnung.

puh: als ich sehe den Sieg mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen finde ich hat der VfB gespielt wie ein Absteiger. Rund 60-70 min gab es keinen Zweifel daran, dass dort die schlechteste Mannschaft der Bundesliga spielt. Meine letzte Hoffnung wäre gewesen, dass nach einer Niederlage ein Trainertausch vorgenommen werden könnte und man damit vielleicht noch einmal einen frischen Impuls setzen könnte. Stevens ist m.E. nicht der richtige Trainer für diese Mannschaft. Das zeigt sich ganz einfach daran, dass die besten Spieler dieser Truppe wie Maxim, Kostic in der defensiven Ausrichtung untergehen und ihre Klasse nicht richtig ausleben können und auch in den Vergangenheit schlichtweg viel zu wenig Einsatzzeiten bekommen haben. Auf der anderen Seite hoffe ich natürlich auch, dass jetzt eine Art "Knoten geplatzt" sein könnte und die Mannschaft (gerne auch unter HS) auflebt und weitere Punkte einfährt. Ich halt es aber einfach nicht für wahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist das Szenario vor dem ich mich schon seit Wochen fürchte: Die Mannschaft sammelt ausreichend Punkte, dass eine Trainerwechsel nicht gerechtfertigt sein könnte, aber auf den anderen Seite einfach nicht ausreichend Punkte, um in der Bundesliga zu bleiben.. ich hoffe R. Dutt hat und behält da den genauen Durchblick.

Wer solche Fans hat, braucht keine Feinde mehr: Zugegeben, ich bin kein großer Fan des VfBs, eher ein Sympathisant - wie könnte das auch anders sein, wenn man in der Jugend für die "Blauen" gekickt hat - aber was ich am Samstag im Stadion erleben durfte, nein musste, unglaublich. Da pfeifen die eigenen Fans permanent bei jedem Ballkontakt den eigenen Spieler aus. Zugegeben, Martin Harnik ist jetzt nicht gerade ein Edeltechniker, aber es ist einer der wenigen, der sich zu 100 Prozent für den VfB einsetzt und daher mE zurecht bei HS gesetzt ist. Ein solches Verhalten zeugt von wenig Sportsgeist, von mitmenschlichen Umgangsformen ganz zu schweigen. Aber immerhin, diese Fans haben schon heute Zweitligaformat, etwas, was dem VfB hoffentlich erspart bleibt.

Unglaublich: ist das was Sie hier schreiben. Der VfB hat mit die besten Fans der Liga. Sie stehen trotz der katastrophalen Leistungen bei Heimspielen immer noch voll hinter der Mannschaft und besonders hinter den jungen Spielern. Martin Harnik muss sich an seinen Aussagen messen lassen, die sich leider nicht immer in seinen Leistungen wieder spiegeln. Martin Harnik wurde auch nicht bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen nur es regte sich ab und zu der Unmut bei seinen technischen Aussetzern, die mit Edeltechnik nichts zu tun haben.

Es geht aufwärts: Schade nur, dass der Trainer sehr lange gebraucht hat um zu erkennen, dass Maxim und Kostic durchaus gute Spieler sind.

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