VfB Stuttgart Eine aufschlussreiche Niederlage

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Der Rückrunden-Champion VfB Stuttgart verliert gegen den Tabellenletzten Hannover 96 – aber gewinnt einige Erkenntnisse, die wichtig für die Zukunft sein können.

Filip Kostic hat mit dem VfB gegen den Tabellenletzten aus Hannover eine klassische Bauchlandung hingelegt. Foto: Baumann 14 Bilder
Filip Kostic hat mit dem VfB gegen den Tabellenletzten aus Hannover eine klassische Bauchlandung hingelegt.Foto: Baumann

Stuttgart – Spiele gegen einen Tabellenletzten sind eigentlich immer undankbar. Dennoch hätte Jürgen Kramny gegen Hannover am Ende sogar noch richtig Spaß haben können. Dazu wäre es jedoch notwendig gewesen, dass seine Mannschaft die ein oder andere Chance in der zweiten Hälfte nutzt. So aber macht der Trainer des VfB Stuttgart nach dem Schlusspfiff erstmals seit Wochen ein ernstes Gesicht. Es sei ja klar gewesen, dass die Serie mit acht Bundesligapartien ohne Niederlage irgendwann reißt, sagt Kramny – dass das allerdings ausgerechnet im neunten Spiel gegen Hannover passiert, das aus seinen acht Begegnungen zuvor wiederum keinen einzigen Punkte geholt hatte, sorgt schon für etwas Alarm auf dem Wasen.

In ihren Erklärungen stellen sich Kramny und der Sportvorstand Robin Dutt hinterher zwar schützend vor ihre Spieler, die sich diesen Kredit mit erfolgreichen Auftritten nach der Winterpause erarbeitet haben. Doch ein, zwei Sätze verraten, dass der VfB vor der Partie an diesem Mittwoch bei Borussia Mönchengladbach nicht einfach zur Tagesordnung übergehen will. „Heute hat man gesehen, dass die Spiele nicht vor dem Spiel gewonnen werden, sondern auf dem Platz“, sagt Kramny – was bedeuten könnte, dass er bei seinem Team in der Vorbereitung auf Hannover eine Spur Selbstgefälligkeit entdeckt hat. Dafür spricht auch die Leistung in den ersten 15 Minuten, als der VfB neben sich stand – und das ist jetzt auch die erste Erkenntnis. „Wir werden sicher unsere Schlüsse aus dieser Erfahrung ziehen“, sagt Kramny.

Das Problem mit der Spielgestaltung

Die zweite Erkenntnis ist nicht ganz neu und lautet, dass die Stuttgarter immer dann Probleme bekommen, wenn sie das Spiel gegen defensiv ausgerichtete Gegner selbst gestalten müssen. Das war etwa auch kurz vor Weihnachten im Pokal gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig so. Da mangelt es an Ideen, speziell wenn Daniel Didavi wie gegen Hannover nicht dabei ist. Sein Vertreter Alexandru Maxim ist technisch zwar beschlagen, aber ihm fehlt in seinen Aktionen das Tempo, um eine massierte Abwehr aushebeln zu können. Zudem ist Timo Werner dann als einziger Stürmer überfordert. Er braucht Raum, um seine Schnelligkeit zu entfalten – und den gibt es gegen defensive Teams nicht.

Die dritte Erkenntnis ist, dass die Erfolgsserie zwar schön und wichtig war, um sich aus der direkten Abstiegszone zu befreien. Aber nicht wenige Siege sind auch glücklich ausgefallen – Glück, das gegen Hannover nicht vorhanden war. „In den vergangenen Wochen haben wir solche Spiele gewonnen“, sagt Kramny. Das zeigt, wie eng die Mannschaften in der Bundesliga zusammenliegen, mal abgesehen von Bayern und Dortmund. So entscheiden oft Kleinigkeiten. „Heute war wieder so ein Tag, an dem das Tabellenbild keine Rolle für das Ergebnis gespielt hat“, meint Kramny.

Daraus folgt die vierte Erkenntnis, die besagt, dass eine Weiterentwicklung der Mannschaft in der Sommerpause unerlässlich ist. Die Transferpolitik bestimmt den Kurs maßgeblich – und da dürfte die Verpflichtung von Jean Zimmer (22) kaum reichen. Mit dem Verteidiger des 1. FC Kaiserslautern ist sich der VfB nach StZ-Informationen bereits einig. Die Frage ist jedoch, wie die zu erwartenden Abgänge von Didavi und Filip Kostic aufgefangen werden. Soll kein Qualitätsverlust entstehen, müsste der Verein viel Geld in die Hand nehmen, was er jedoch zumindest im Augenblick nicht hat. Aus den eigenen Reihen sind kaum Hoffnungsträger in Sicht. Die in der Hinrunde schon zu den Profis beförderten Mart Ristl (19), Arianit Ferati (18) und Marvin Wanitzek (22) trainieren und spielen inzwischen wieder nur noch bei der zweiten Mannschaft in der dritten Liga.

Noch ist die Abstiegsgefahr nicht gebannt

Die fünfte Erkenntnis heißt, dass der VfB die Niederlage fürs Erste verschmerzen kann. Noch immer beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 sieben Zähler. Allerdings wäre der Abstiegskampf bei einem Sieg wohl erledigt gewesen. Dann hätte das Team an diesem Spieltag punktemäßig sogar zum VfL Wolfsburg aufgeschlossen und damit die internationalen Startplätze in Sichtweite gehabt. Dieses Thema dürfte sich nun erledigt haben. „Wir haben ohnehin nie nach oben geschielt“, sagt Kramny. Für den Kapitän Christian Gentner sieht die Wirklichkeit so aus, „dass wir es verpasst haben, einen großen Schritt zu machen.“ Das Spiel habe gezeigt, „dass die Abstiegsgefahr lange nicht gebannt ist.“

„Wir brauchen noch Punkte“, sagt auch Kramny . Spaß hat er dann vielleicht ja wieder beim nächsten Mal.

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8 Kommentare Kommentar schreiben

VfB-H96...:: ...man kann nun viel philosophieren über Stellungsfehler bei den Toren oder dass Titi auf der Linie bleibt, gut das passiert. Meines Erachtens muss der VfB nur eine Sache verbessern und diese ist mehr "Geilheit" auf den Platz zu bringen. Kramny hat nach dem Spiel angedeutet, dass für viele im Team das Spiel schon vorher gewonnen war. Die Jungs müssen einfach lernen ihre Chance konsequent zu nutzen, jeder muss den Sieg mit jeder Faser wollen und das so früh wie möglich im Spiel. Dabei sind natürlich solche Aktionen wie die von Werner nicht dudlbar...Beispiel nehmen an den Bayern oder dem BVB.

Qualität: Der VfB hat zwar ein Spiel verloren, aber nur mit Pech. Wenn man nur ein drittel der Chancen hätte nutzen können, wäre es für Hannover ein schlimmer Nachmittag geworden. Was mich zuversichtlich stimmt, ist die Art und Weise, wie der VfB jetzt spielt. Ich habe am Sonntag Schalke gesehen. Die spielten im Vergleich zum VfB fürchterlich. Da passte nichts. Deshalb mache ich mir um den Klassenerhalt auch keine Sorgen mehr. Allerdings müssen für die nächste Saison echte Verstärkungen geholt werden.

Gut geschrieben...: ...Clemens Stork ! Dem ist nichts hinzu zu fügen, außer vielleicht mal Kravets anstatt Werner spielen zu lassen. Harnik's Kampfgeist in allen Ehren, aber auch er ist einer der zu viele 100%ige liegen ließ und lässt (siehe Spiel gegen Hertha). Einen gleichwertigen Didavi-Ersatz zu bekommen ist schwer, aber ein fitter Kiyotake wäre eine Option. Europa ist immer noch in Reichweite, da außer den Bayern und Dortmund keine Mannschaft konstant ist. Jeder ist schlagbar und ob Wolfsburg oder Schalke nächtstes Jahr international spielen ist auch noch nicht gesagt.

Samstagspiel gegen Hannover: Ihr Kommentar ist nur nach dem Ergebnis ausgerichtet. Unser VfB hat unglücklich verloren. 2 Standards, bei denen beim 1.Tor Grosskreuz total gepennt hat sowie Tyton im Tor geblieben ist und beim 2.Tor Schwab unmotiviert nach innen rennt und sein Gegenspieler Schulz allein gelassen hat. Warum er dies getan hat bleibt sein Geheimnis. Dabei hat er sonst eine akzeptable Partie geboten. Ich bin jedoch der Meinung, dass hier noch nachgebessert werden muss. Ferner hat der VfB soviele Chancen in der 2.Halbzeit gehabt, wobei der Fehlschuss von Timo Werner exemplarisch war. Es war schwieriger, diesen Ball neben das leere Tor zu schieben als ins Tor. Wobei ich mir von Werner für die Zukunft viel verspreche. Er muss auch entsprechend eingesetzt werden, dass seine Schnelligkeit zum tragen kommt. Oder der Superpass von Grosskreuz auf Kostic, der alleine aufs Tor zuging und an Zieler scheiterte. Man kann auch mal den Torwart mit einer Finte ausspielen und ins leere Tor schiessen. Das vermisse ich eigentlich bei solchen Situationen öfters. Oder dass Hannover zweimal auf der Linie klären musste. Also war das Spielglück an diesem Tag nicht auf Seiten unseres VfB. Aber solche Tage gibt es. Wichtig ist, dass das Fehlverhalten von Spielern bei den Gegentoren abgestellt werden muss. Nun möchte ich noch NIedermeyer erwähnen. Seit er hinten steht ist die Abwehr viel stabiler. Sein Einsatz und sein Kampfeswillen sind nicht zu überbieten. Eine Vertragsverlängerung würde ich positiv sehen. Zu Tyton wäre noch zu sagen, dass er ein sehr guter Torwart ist. Leider vermisse ich bei ihm wie beim 1.Tor (Kopfball ca. 1-2 Meter vor dem Tor), dass er bei Flanken immer im Tor bleibt. Ein Torwart hat den grossen Vorteil, dass er mit den Händen den Ball fangen kann und dies sollte eigentlich bei Flanken in den 5-Meterraum ein Torwart ausnützen. Ferner sollte er das Spiel öfters schneller machen. In jede Ansonsten freuen wir uns, dass wir wieder mehr Siege einfahren als Niederlagen und hoffen für die 2 nächsten schweren Spiele auf gute Ergebnisse. Zum Schluss noch ein Kompliment an Kramny, wie er die Mannschaft nach 3 unerträglichen Spieljahren wieder zu einer Siegermannschaft gebracht hat. Allerdings (dies soll keine Kritik sein) hätte ich mir gewünscht, dass er am Samstag früher ausgewechselt hätte und Rupp statt Die.

Standardsituationen: ...mir fiel besonders in den beiden letzten Partien auf, dass aus vielen vielen Eckbällen und Freistößen so gut wie keine Gefahr ausging. Es kamen zu wenig Bälle in die Gefahrenzone. Dort sollte daran gearbeitet werden.

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