VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund Der Stuttgarter Traum ist geplatzt

Gut haben sie vom VfB Stuttgart gespielt gegen diese Spitzenmannschaft der Borussia Dortmund, aber nicht gut genug, um den Traum vom Halbfinale Realität werden zu lassen.

Der Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang setzt sich gegen die Stuttgarter Kevin Großkreutz  (rechts) und   Toni Sunjic durch und erzielt den Treffer zum 2:1. Foto: dpa
Der Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang setzt sich gegen die Stuttgarter Kevin Großkreutz (rechts) und Toni Sunjic durch und erzielt den Treffer zum 2:1.Foto: dpa

Stuttgart - Am Ende gab es Beifall von den Rängen, verdienten Applaus für diese Stuttgarter Mannschaft nach einem leidenschaftlichen Pokalkampf. Aber die Gesichter, die sich da auf den Weg in die Cannstatter Kurve machten, waren traurig. Christian Gentner, Daniel Didavi und all die anderen, sie hatten verloren, 1:3 (1:2) im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund. Gut haben sie gespielt gegen diese Spitzenmannschaft, aber nicht gut genug, um den Traum vom Halbfinale Realität werden zu lassen. „In der ersten Hälfte waren wir zu passiv“, sagte der VfB-Trainer Jürgen Kramny nach zuvor sieben Pflichtspielen ohne Niederlage: „In der zweiten Hälfte haben wir einen tollen Kampf abgeliefert.“ Am Samstag will der VfB seinen Aufwärtstrend gegen Berlin fortsetzen.

Im Vergleich zum 4:2 in Frankfurt veränderte Kramny sein Team auf drei Positionen. Im Tor stand wie erwartet der lange verletzte Ex-Dortmunder Mitch Langerak; für den Australier war es der erste Pflichtspieleinsatz für die erste Mannschaft. In der Innenverteidigung ersetzte Toni Sunjic Daniel Schwaab, im Sturm spielte Artem Kravets für Timo Werner, der kurzfristig gar nicht im Kader stand (Erkältung).

Es ist ein anderer VfB als damals, als Jürgen Kramny sein Debüt als VfB-Coach gab. Damals, Ende November 2015 bei Borussia Dortmund. 1:4 ging das Spiel in der Liga aus. Der VfB war im Krisenmodus. Nun, im Februar 2016, gilt dieser VfB als Mannschaft der Stunde. Thomas Tuchel, der Gäste-Trainer, hatte gewarnt: „Wir bekommen den VfB in der schwierigsten Phase, in der man ihn bekommen kann.“ Es war tatsächlich ein anderer VfB – trotz der Niederlage, die es auch diesmal gab. Ein besserer, ein guter VfB Stuttgart.

Gute Unterhaltung

Das Spiel hielt all das, was man sich vom Duell der besten Rückrundenmannschaft (VfB) gegen das laut Tabelle zweitbeste deutsche Team (BVB) erhofft hatte: gute Unterhaltung nämlich. Einzig die Zuschauerzahl passte nicht zu diesem packenden Pokalabend: Mit nur 46 500 Zuschauern war die Mercedes-Benz-Arena längst nicht ausverkauft, vorangegangen war ein Streit über die Ticketpreise. Aus Protest blieb der Block des mitgereisten BVB-Anhangs zu Beginn leer – und so verpassten sie das 1:0 ihres Clubs: Georg Niedermeier klärte einen Ball am 16-Meter-Raum unglücklich zu Henrik Mkhitaryan, der passte zu Pierre-Emerick Aubameyang, der Gabuner schob den Ball vors Tor, dort verpassten Freund (Kevin Großkreutz) und Feind (Ilkay Gündogan) – und am langen Eck schob Marco Reus, der die Szene initiiert hatte, den Ball unter die Latte zum 1:0 ins Tor (5.). Eine kalte Dusche im Cannstatter Dauerregen für den VfB.

Der BVB agierte ballsicher, Tuchels Taktik (Durm auf links, Aubameyang auf rechts und Reus im Sturmzentrum) ging auf, der VfB tat sich schwer gegen die spielerisch starken Gäste. Die Dortmunder Fans waren mittlerweile auch da, und sahen dann aber nach 20 Minuten dies: der BVB bekam eine Ecke nicht geklärt, der von Hummels ­geblockte Schuss von Daniel Didavi landete bei Lukas Rupp, dessen Versuch aus 17 Metern wurde von Mkhitaryan leicht abgefälscht und schlug links im Tor ein (21.). Der überraschende Ausgleich.

Vorne fehlte Dynamik

Doch die Freude währte nur kurz. Reus und Aubameyang hatten gerade die Positionen getauscht, da hatten beide auch schon zu viel Platz: Reus zog von rechts mit Tempo und Ball in die Mitte, passte zu Aubameyang – und der Torjäger traf mit einem Schuss aus 18 Metern ins linke Eck zur erneuten Führung (31.). VfB-Torhüter Langerak war wieder chancenlos. Der VfB war bemüht, aber hinten wirkte er bisweilen etwas unsortiert – und vorne fehlte die Dynamik der vergangenen Spiele. Weder Filip Kostic noch Daniel Didavi konnten sich in Szene setzen, was auch mit der großen Klasse des Gegners zu tun hatte.

Nach der Pause rettete Langerak mit einem tollen Reflex gegen Aubameyang (56.), auf der anderen Seite wurde nun aber der VfB deutlich aktiver, ohne allerdings zwingende Torchancen zu kreieren. Die Elf spielte aggressiver und entschlossener. Das Spiel war offen, der BVB seinerseits ließ beste Chancen liegen – so blieb es spannend bis zum Schluss. Kostic scheiterte für den VfB knapp (77.), der starke Mkhitaryan für den BVB (88.). Sekunden später vollendete der Armenier dann einen Konter über den überragenden Aubameyang (89.) nach einer VfB-Ecke. Das war’s. Ende. Aus. Raus. Was also bleibt? Das, wie der Neu-Stuttgarter Kevin Großkreutz sagte: „Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht.“

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8 Kommentare Kommentar schreiben

VfB-BVB:...: ...dem Herrn Insua hätte ruhig mal jemand im Vorfeld sagen können, dass der Aubameyang der beste Stürmer der Liga ist. Vielleicht hätte er ihn dann ab und zu mal gedeckt und ihn nicht dreimal laufen lassen...

Kann man...: so sehen; muß man aber nicht ! Ein so offensiv ausgerichter Spieler wie Insua kann schwerlich nicht Beides gleichzeitig. Den Mann decken und die Bälle nach vorne tragen. Seine Spielweise ist immer ein Kompromiss aus beidem. Sie haben recht; gegen Aubameyang gings leider nicht gut aus. Da lag aber für mich der Schwachpunkt eindeutig wieder einmal bei der Innenverteidigung. Herr Sunjic, war bei Tor 1 (obwohl er sich 3 Sekunden zuvor noch zu Reus umgesehen hat) beim Torschuss meilenweit vom Gegener weg. Bei Tor 2 des BVB, war er ebenso zu weit vom Gegner entfernt und im Laufduell gegen Auba zu langsam. Die alte Baustelle "Innenverteidigung" ist also immer noch da ! Trotzdem Respekt für die kämpferische Leistung des VFB !

Die Leistung gegen den BVB war...:: ...richtig gut. Meines Erachtens wäre auch mehr drin gewesen, da der BVB uns nicht gegen die Wand gespielt hat. Insua/Auba war mit Sicherheit ein Schlüsselduell aber richtig ist auch, dass die komplette Abwehr nicht sehr gut aussah...

Kopf hoch!!!: Spiel abhaken und nach vorne blicken. Im Großen und Ganzen war das gestern eine solide Vorstellung. Phasenweise war der VfB am 2:2 näher dran als der BVB am 1:3. Das war jetzt das zweite Spiel des VfB in dieser Saison, dass ich mir komplett im TV angesehen habe. Eine Mannschaft, die so spielt wie der VfB momentan, steigt nicht ab. Mehmet Scholl hat es gestern für mich richtig formuliert: "....die grundlegenden und einfachen Dinge werden wieder richtig gemacht beim VfB....". Wie gesagt, Spiel abhaken, Kopf hoch und weiter....immer weiter.....

Bin Ihrer Meinung,: Herr Kaufmann. Jürgen Kramny war mutig, mal andere spielen zu lassen. Ich hätte nach der 70. Min. nur Maxim und Werner eingewechselt. Maxim braucht Spielpraxis v.a., wenn Didavi fehlt wie jetzt gegen Hertha BSC. Ich denke auch, dass Großkreutz, Ginczek, Kostic und Kravets gut passen. Didavis Wechsel würde ich noch nicht als sicher betrachten. Am wichtigsten sind nun: die Balance zwischen a) Kompetenz und Mentalität bezgl. des Kaders, b) finanzielles Augenmaß und Risiko bei den Transfers, c) kontrollierte Angriffslust und stabiler Defensive im Spiel und d) vor allem - was lange zum Nachteil des VfB fehlte - KONTINUITÄT mit einer klaren Spiel- und Vereins-PHILOSOPHIE. Potenzielle Neuzugänge wollen schließlich wissen, worauf sie sich einlassen. Dazu gehören insbesondere die Trainer-Positionen. Ich denke hier, mit Jürgen Kramny ist eine gute Wahl getroffen worden. Er verkörpert die Punkte a) bis c) hervorragend. Das Pokalspiel macht trotz 1:3 Mut!

Spiel gegen Dortmund: Insgesamt eine gute Leistung und eine einwandfreie Moral, welche die Mannschaft da gezeigt hat. Letzten Endes wird man aber gegen eine Spitzenmannschaft nicht gewinnen - auch nicht zu Hause - wenn man 3 Gegentore fängt und noch dazu das erste so früh. Dieses Problem muss man zur neuen Saison lösen. Es hat offensichtlich seine Ursachen in der fehlenden Qualität auf gewissen Positionen und man kann es nun nicht mehr auf den Trainer oder das Spielsystem schieben.

Recht haben Sie: Die Leistung in der Abwehr war "traditionell". Sunjic stand beim 1:0 durch Reus ca. 5m hinter ihm und deckte den freien Raum. Beim 2:1 waren die Außen- und Innenverteidiger des VfB allesamt einfach zu langsam gegen Reus und Aubameyang. Die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld passten über den Spielverlauf zumeist. Und dennoch konnten weder Niedermeier, noch Sunjic einen sauberen Pass zur Spieleröffnung beim eigenen Mann platzieren. Mit Einsatz und der Offensiv-Leistung in der 2. HZ bin ich auch durchaus zufrieden. Aber unsere Baustellen im Kader waren mal wieder mehr als offenkundig.

Super: Weiter so.

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