VfB Stuttgart gegen Bremen 3:2 Der verrückte Abschied vom letzten Platz

Der VfB Stuttgart hat im Abstiegskampf einen enorm wichtigen Heimsieg eingefahren. Mit 3:2 besiegte das Team von Huub Stevens Werder Bremen und hat nun die rote Laterne an den Hamburger SV abgegeben.

Der VfB Stuttgart hat sich im Heimspiel gegen Werder Bremen mit 3:2 durchgesetzt. Wir haben die Bilder der Partie. Foto: Bongarts/Getty Images 43 Bilder
Der VfB Stuttgart hat sich im Heimspiel gegen Werder Bremen mit 3:2 durchgesetzt. Wir haben die Bilder der Partie.Foto: Bongarts/Getty Images

Stuttgart Es gibt fast nichts, was es in diesem verrückten, dramatischen Fußballspiel nicht schon gegeben hätte – doch die große Schlusspointe folgt erst in der Nachspielzeit. Serey Dié treibt den Ball durchs Mittelfeld, er spielt einen messerscharfen Pass auf Daniel Ginczek, der die Nerven behält und den Bremer Torwart Raphael Wolf mit dem Außenrist überwindet. 3:2 (1:0) für den VfB, der zu diesem Zeitpunkt nur noch zu zehnt ist und kurz vorher den Ausgleich hinnehmen musste.

Es ist ein großer Sieg für die Stuttgarter, die am Hamburger SV vorbeiziehen und zum ersten Mal seit mehr als zwei Monaten nicht mehr auf dem letzten Tabellenplatz stehen. Überschäumend ist der Jubel der Fans, gerade so, als wäre der Klassenverbleib bereits perfekt. Das ist er noch lange nicht – doch bedarf es im Schlussspurt wohl genau solcher Erlebnisse, um ans Ziel zu kommen. „Ich habe in meiner Karriere schon viel erlebt – so etwas aber noch nicht“, sagt der VfB-Trainer Huub Stevens.

In den Rauchschwaden der bengalischen Feuer aus der Cannstatter Kurve hatte knapp zwei Stunden vorher dieses denkwürdige Spiel begonnen, in dem der VfB wieder einmal unter enormem Druck stand. Per Videobotschaft übermittelten vor dem Anpfiff Sami Khedira und Ludovic Magnin, die Deutschen Meister von 2007, ihre besten Wünsche im Abstiegskampf. Doch auf dem Spielfeld musste es allein die aktuelle VfB-Mannschaft richten, in der Antonio Rüdiger nach viermonatiger Verletzungspause für Timo Baumgartl in die Innenverteidigung rückte.

Ein prächtiger Treffer setzte Kräfte frei

Der VfB war von Beginn an im Bilde und trat keineswegs wie ein verunsicherter Abstiegskandidat auf. Die Gäste aus Bremen hatten zwar ein Plus an Ballbesitz – die besseren Chancen erspielten sich aber die Gastgeber, die immer wieder den Weg nach vorne suchten. Ein Kopfball von Christian Gentner flog zunächst übers Tor (4.) – mit dem Fuß zeigte der Kapitän dann aber seine großen technischen Fertigkeiten: Per Direktabnahme zog Gentner aus 22 Metern ab, wie an der Schnur gezogen rauschte der Ball rechts unten zum 1:0 ins Tor (15.). Es war ein prächtiger Treffer, der weitere Kräfte freisetzte. Martin Harnik vergab nach 35 Minuten die Chance zum 2:0 – es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass der Österreicher vor dem Werder-Tor im Mittelpunkt stand (siehe „Harniks Achterbahnfahrt“).

Und die Bremer? In der ersten Hälfte deuteten sie ihr Potenzial nur an und kamen kaum zu Chancen. Nach dem Seitenwechsel aber schlugen sie eiskalt zu – auch weil der VfB mit der Devise aufs Spielfeld zurückgekehrt war, die knappe Führung irgendwie ins Ziel zu retten. Der Werder- Coach Victor Skripnik brachte den Jungstar Davie Selke, der gleich eindrucksvoll zeigte, warum RB Leipzig acht Millionen Euro für ihn bezahlt: Nach einer weiten Flanke schlich sich der 20-jährige Stürmer in Rüdigers Rücken davon und traf mit einem Kopfball unhaltbar zum 1:1-Ausgleich (50.). Den vorhergehenden Konter hatte Serey Dié mit einem Fehlpass eingeleitet – nicht die einzige Schwäche des Winterneuzugangs von der Elfenbeinküste, der in der Nachspielzeit alles wiedergutmachen sollte.

Schlagabtausch der Kontrahenten

Dazwischen lag ein offener Schlagabtausch, in dem beide Kontrahenten die Entscheidung zu erzwingen versuchten. Mit dem Kopf brachte Daniel Ginczek den VfB zum zweiten Mal in Führung (70.), doch auch diesmal hatten die Bremer die passende Antwort parat: Nur zwei Minuten nach Harniks Platzverweis köpfte der aufgerückte Innenverteidiger Jannik Vestergaard im Anschluss an einen Eckball das 2:2 (86.). Ein Punkt gegen zehn Stuttgarter war den Gästen, die bis Sonntag in der Rückrunde auswärts unbesiegt geblieben waren, nicht genug, sie spielten weiter nach vorne – und gingen dann selbst K.o., als Ginczek in der Nachspielzeit den umjubelten Lucky Punch setzte.

Auch beim 3:1-Sieg im letzten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt hatte der Stürmer zwei Tore geschossen, nun war er erneut der große Retter. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl, wir haben eine Riesenpartie gemacht“, sagt Ginczek hinterher – und wirft dann den Blick nach vorne: „Sechs weitere Endspiele warten auf uns.“

Mit dieser Aufstellung hat der VfB Stuttgart gespielt: Ulreich - Klein , Rüdiger , Niedermeier , Hlousek - Serey Dié (90. Baumgartl) , Gentner - Harnik , Maxim , Kostic (79. T. Werner) - Ginczek

24 Kommentare Kommentar schreiben

Looooocker bleiben Leudeee,...: Egal was Mensch über diesen Business denkt, es ist in Ordnung und wichtig, zu sagen, das hier zu viel Finanzen den Brei fast ungenießbar machen. Trotzdem, als Fussballfan darf und muss man diesen Spagat leben. Ich persönlich habe am Sonntag eine Mannschaft gesehen, die Zukunft hat. Mit HS und mit RD. Jetzt schau ich mir mal an, was in Augsburg geht. Dort wird eine super Arbeit geleistet. Nichts desto trotz haben wir im Spiel eine Chance. Thats it. Ich warte schon drauf, gegen den HSV in Stuttgart bei einem Sieg das Spiel in Paderborn zum nicht mehr punkterelevanten Betriebsausflug werden zu lassen. Warum nicht? Positiv bleiben im Leben.

Leute Leute,: der VfB hat unterm Strich ein gutes Spiel gemacht mit einem happy end. Und was liest man hier überwiegend: die Kirche im Dorf lassen, die Schwächen sind nachwievor da, wenn der VfB nicht dieses Saison absteigt, dann halt nächste. Was macht der Trainer? warum wechselt er den Harnik nicht rechtzeitig aus? usw. usw. überall unterschwellig negative Kommentare! verstehe ich nicht. Ich habe mich am So.abend im Stadion über eine 1.HZ gefreut, die fussballerisch klasse war. Kann mich nicht daran erinnern, wann dies das letzte Mal geschehen ist. Alle 3 Tore waren wieder (schön) rausgespielt wie gegen Frankfurt. Harnik ist an den ersten beiden Toren massgeblich beteiligt u . ist in der 1. HZ einer der besten VfB-Spieler gewesen. In der 2.HZ hatte er Schwächen, aber Torchancen vergeben auch andere, aber wir haben endlich mal wieder Torchancen, auch positiv. Und der Platzverweis war unglücklich. Den muss man nicht zwingend geben. Also VfB-Fans, freut euch über den Sieg, es kommen jetzt weitere 6 Endspiele u. gewinnen tut nur der, der positiv u. auch mit Euphorie an die Sache rangeht (beste Gegenbeispiel der HSV, die beschäftigen sich mehr mit einem Trainer für die neue Saison, als um die Gegenwart) u. nicht derjenige, der bremst u. schwarz malt. Es gab hier im Forum sogar jemand, der hat eine sichere VfB-Niederlage für So. prophezeit. Solche Fans kann man im Abstiegskampf nicht brauchen, VfB forever!!

VFB: Trotz der großen Freude über den dringend benötigten Sieg, sollten wir alle in Stuttgart auf dem Teppich bleiben. Die Mannschaft hat endlich einmal das gezeigt, was man eigentlich erwarten kann und muss: Einsatz- und Laufbereitschaft, Team- und Kampfgeist. Aber die Verunsicherung, eventuell sogar Unfähigkeit, vieler Spieler sollte nicht plötzlich von allen Betrachtern ignoriert werden..... Der Spielaufbau ist mitunter katastrophal, vor allem aus der Defensive heraus. Keine Ideen, keine Pass-Sicherheit, kaum Spiel ohne Ball, schlimme Fehlpässe über kürzeste Distanz, unnötige Ballverluste. Bei diesem Mangel an spielerischer Qualität muss eben der Kampf, die Begeisterung herhalten. Und das kann letztendlich doch noch zum Klassenerhalt reichen! Nur so holt man auch die Fans und deren Unterstützung in dieser existenziell wichtigen Phase ins Boot! Ein Anfang ist gemacht! Allerdings muss im Sommer, egal in welcher Liga, eine deutliche Zäsur folgen, jede (!) Position, jeder Typ in Frage gestellt werden. Dann verlängere ich auch selbstverständlich gerne meine Dauerkarte.

Das ist fair: dass sich der Verein für Bewegungsspiele möglichst elegant in die Zweite Liga verabschiedet, und es ist doch wurscht, ob er das als letzter oder vorletzter der Liga hinbringt. Und wenn er nicht jetzt absteigt, dann eben in der nächsten Saison. Mit dieser Truppe und dieser Vereinsleitung hat man in der ersten Liga nichts, aber garnie nichts verloren. Das ist und bleibt eine Wurschteltruppe, miefig, spießig, hasosammarhalt, jetztle, sodele. Und tschüß

Einfach unglaublich...: ...was hier zu lesen ist. Vor kurzer Zeit wurden Spieler wie Harnik und Gentner hart angegangen und kritisiert und man hat beiden sogar jegliche "Zweitliga-Tauglichkeit" abgesprochen und kaum gewinnt der VfB mal zwei Spiele hintereinander rasten die Leute total aus und loben die Akteure in den Himmel! Wie die Fähnchen im Wind. Ich bin selbst froh, dass der VfB gewonnen hat und dass die Formkurve nach oben geht, trotzdem ist der VfB noch auf einem direkten Abstiegsplatz und macht Spiel für Spiel die selben Fehler. Bremen macht aus zwei Chancen, zwei Tore. Ich habe keine Ahnung was HS geritten hat um Rüdiger für den Besten(Baumgartl) zu bringen, doch prompt unterläuft dieser mal wieder den Ball und sein Gegenspieler sagt danke. Hat außerdem niemand beim 2:2 hingeschaut? Vestergaard köpft am 5er frei ein. Wo ist da der Torwart? Und Harniks Chancen? Das kann passieren???Ähm, wohl eher nicht, die müssen ohne Wenn und Aber rein...Denn der VfB schießt nicht jedes Spiel drei Tore-siehe Wolfsburg-aber er bekommt konstant zwei Stück...

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