VfB Stuttgart Madrid bemüht sich um Khedira
Thomas Haid, 15.07.2010 12:28 Uhr
In einem Jahr läuft Khediras Vertrag aus. Foto: dpa
In einem Jahr läuft Khediras Vertrag aus. Foto: dpa
Stuttgart - Es ist nicht so, dass Jochen Schneider dauernd vor seinem Telefon sitzen und sehnsüchtig auf einen Anruf aus Madrid warten würde. Denn bis jetzt sind bei Schneider nur die Spekulationen aus Spanien eingegangen, wo der Wechsel von Sami Khedira zu Real seit Tagen als ausgemachte Sache gilt (die StZ berichtete). Am Donnerstag bezeichnete die dem königlichen Verein extrem nahestehende Sportzeitung "Marca" den Transfer sogar schon als perfekt. Das Problem ist nur: der VfB weiß nach wie vor von nichts. "Bei uns hat sich keiner gemeldet", sagt Schneider.

So hat Real noch nicht mal über einen Mittelsmann in Stuttgart vorgesprochen. Es wäre jedoch eine Überraschung, sollte sich an diesem Zustand nicht sehr bald etwas ändern. Denn "Marca" preschte am Donnerstag ganz weit nach vorne – mit einer gewaltigen Fotomontage auf seiner Titelseite. Darauf ist Khedira zu sehen, bereits im weißen Trikot von Real. Im Innenteil des Blattes heißt es dann, der Mittelfeldspieler habe sich am Mittwoch mit José Mourinho auf dem Clubgelände Valdebebas getroffen. Dabei sei es dem neuen Real-Trainer gelungen, Khedira zu überzeugen. Der Stuttgarter sei der Wunschkandidat, nachdem prominentere Kaliber wie Bastian Schweinsteiger, Steven Gerrard und Daniele de Rossi nicht zu bekommen waren. Mourinho verfolge den Weg von Khedira, der genau ins Anforderungsprofil des Trainers passe, schon lange, zuletzt auch bei der WM. Und zum Schluss schreibt "Marca" dann noch, dass im Prinzip alles in trockenen Tüchern sei und dass die Verpflichtung voraussichtlich in Kürze verkündet werden könne.

Dem VfB liegt noch kein Angebot vor


Die Höhe der Ablöse wird auch genannt: zehn Millionen Euro plus ein paar Zusatzvereinbarungen. Dazu gehört, dass ein Spieler aus Madrid nach Stuttgart ausgeliehen werden könnte. Noch kann sich der VfB dazu nicht äußern, aber die Signale aus der Geschäftsstelle sind so, dass ein solches Angebot zumindest verhandelbar wäre – zumal dann, wenn es sich bei dem Leihspieler um Royston Drenthe (23) handelt. Den hat Real vor drei Jahren von Feyenoord Rotterdam geholt, um den Verteidiger Roberto Carlos zu ersetzen. Aber dann stellte sich heraus, dass Drenthe gar kein Abwehrspieler ist, sondern einer für die linke offensive Mittelfeldseite – und da sieht der VfB-Trainer Christian Gross akuten Handlungsbedarf. Daneben könnten mit der Ablöse dann auch noch weitere Verstärkungen finanziert werden, was sich Gross wünscht.

Allerdings würde in Khedira die große Führungsfigur der Mannschaft wegfallen. In dieser Funktion ist er unumstritten. Obwohl er fehlte, zeigte sich das sogar in dem Trainingslager, das der VfB bis Mittwoch in Donaueschingen abgehalten hat. Der Tenor im Team lautete da einhellig: wenn Khedira zurückkehrt, sind wir noch viel stärker. Aber dass der VfB angesichts der im Raum stehenden Konditionen die Freigabe verweigern würde, ist praktisch ausgeschlossen. Denn wenn sich Khedira dann in einem Jahr aus Stuttgart verabschieden sollte, ginge der Club komplett leer aus. Dann endet sein Vertrag nämlich – und die Chancen auf eine Verlängerung sind für den VfB seit langem nur minimal.

Ursprünglich war es auch der Plan von Khedira und seinem Berater Jörg Neubauer, ihre Abmachung zu erfüllen und den VfB erst im Sommer 2011 zu verlassen – für ein stattliches Handgeld zum FC Bayern. In München hätte er die Nachfolge von Mark van Bommel antreten sollen. Dann wäre das WM-Duo Schweinsteiger/Khedira wieder vereint gewesen. Doch jetzt sind Mourinho und der Lockruf aus Madrid dazwischengekommen. Im nächsten Kapitel dieser Geschichte dürfte dann das Telefon von Jochen Schneider klingeln.
Kommentare (22)
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JUL
16
Buyernfeind, 14:18 Uhr

Klar Schiff!

Im Prinzip ist es doch klasse, dass ein VfB-Eigengewächs den Sprung zu einem der renommiersten Clubs der Welt schafft! Mit der entsprechenden Abslösesumme sowie einem Spieler als Dreingabe, der obendrein eine vakante Position ausfüllen kann, würde ich den Deal sofort klar machen! Allerdings befürchte ich, dass mit den Schwaben mal wieder die Sparfuchs-Mentalität durchkommt, sprich: die 15 Millionen Euro, die bislang im Raum stehen, bebunkert oder sonstwo angelegt werden, anstatt das Geld in adäquate Spieler zu investieren, wo man doch bereits für die Helfer gestandene Kicker bekommt. Ansonsten würde ich sagen: Klar Schiff und Leinen los zu Real, Sami - Hauptsache, die Münchner Weißwürste kriegen ihn nicht!

JUL
16
boezte-1893, 11:07 Uhr

Noch einen Holländer mehr...

Der Deal mit Drenthe und den 10 Mio wäre rational eine super Sache, mich stört das Emotionale! Khedira im Tausch gg. einen Holländer... wenn das so weiter geht spielen wir in drei Jahren den Deutsch/NL Meister in der Bundesdivision aus!

JUL
16
Schwesterwelle, 07:15 Uhr

Sami

20 Millionen + 11 neue Spieler für 5 Jahre umsonst von Real zum VFB.Ole Ole

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