VfB Stuttgart Visionen im Verborgenen

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Der frühere VfB-Trainer Tomislav Maric treibt in der Slowakei bei DAK Dunajská Streda ein Fußballprojekt voran, das stark an das Modell Hoffenheim erinnert.

Tomislav Maric hat gut lachen. Der Trainer von DAC Dunajská Streda hat schon einige Erfolge vorzuweisen. Foto: dpa
Tomislav Maric hat gut lachen. Der Trainer von DAC Dunajská Streda hat schon einige Erfolge vorzuweisen.Foto: dpa

Stuttgart - Mit einem weißen Blatt Papier hat alles angefangen. So erzählt es zumindest die Legende – und zu der hat im Wesentlichen Ralf Rangnick beigetragen. Denn der Fußballlehrer gilt ja als der Kommandant des einstigen Hoffenheimer Höhenflugs, und dieses Sprachbild von der leeren DIN-A4-Seite hat der heutige Coach von RB Leipzig gerne verwendet, wenn er von seinen Anfängen beim damaligen Drittligisten sprach. Damals, 2006.

Hoffenheim war nichts als ein Dorfverein. Doch ganz so märchenhaft mag Tomislav Maric jetzt nicht erzählen. Auch wenn der 43-Jährige immer wieder betont, dass er in seinen Fußballüberzeugungen durch Rangnick geprägt wurde – und sein Auftrag bei DAC Dunajská Streda stark an die TSG 1899 Hoffenheim erinnert: ein kleiner Verein, der groß herauskommen will.

Mit Geld soll das natürlich auch in der Slowakei gehen, aber vor allem mit frischen Ideen und neuen Strukturen. „Der Clubbesitzer Oszkár Világi hat einen jungen Trainer gesucht, der aber schon in diversen Bereichen Erfahrungen vorzuweisen hatte“, sagt Maric. Vor 14 Monaten war das. Nach einem Telefonat und einem Treffen hat der Dietmar Hopp von Dunajská Stredas den in Heilbronn geborenen Kroaten gefunden, der einst für die Stuttgarter Kickers und Hoffenheim stürmte; der danach aber auch als Co-Trainer im Kraichgau und beim VfB (unter Thomas Schneider) arbeitete.

Die Sprache ist kein Problem

Auch im Scouting, der Gegneranalyse und im Jugendbereich war Maric für den VfB schon tätig und hat deshalb einen gehörigen Erfahrungsschatz mit in den Süden der Slowakei gebracht. „Ich kann mich hier in alle Mitarbeiter hineinversetzen“, sagt der Trainer mit Vertrag bis 2017. Und er versucht mit allen respektvoll umzugehen sowie die Begebenheiten zu berücksichtigen. Denn in der 30 000-Einwohner-Stadt leben mehrheitlich Ungarn.

Entsprechend wird im Herzen der Schüttinsel auch gesprochen. „Die Sprache ist aber das kleinste Problem“, sagt Maric. Englisch, Kroatisch, Slowakisch, auch ein paar Brocken Ungarisch. Maric bringt alles ein. Schließlich soll er ja nicht nur die Mannschaft sportlich weiterentwickeln, sondern ebenso Bereiche aufbauen, die in anderen europäischen Profiligen längst Standard sind.

Das geht auf der Alltagsebene von der Physiotherapie bis zum Sichtungssystem. Darüber hinaus wird gerade aber auch das Stadion modernisiert und eine Nachwuchsakademie gebaut. Acht neue Plätze sollen es werden, um beste Bedingungen zu schaffen. Für die Erstligaprofis, aber vor allem für die Jugend. Denn es sollen nationale und internationale Talente angelockt werden. Das ist die Vision, die im Verborgenen blüht. „Perspektivisch kann sich Dunajská Streda zu einem interessanten Pflaster entwickeln“, sagt Maric.

Toptalente sollen in die Slowakei kommen

Diese Herausforderung treibt den Projektleiter an und lässt ihn von dem Plan sprechen, ein Team zu formen, in dem Topclubs ihre Nachwuchskräfte gerne noch einen Reifeprozess durchlaufen lassen. Statt zweiter Liga in Deutschland soll es dann eben ein Europapokal-Aspirant aus der Slowakei sein.

Erste Erfolge auf diesem Weg hat Maric schon vorzuweisen. Als er die Mannschaft im Januar 2015 übernahm, da steckte sie im Abstiegskampf. Jetzt liegt sie vor dem Rückrundenstart am Wochenende in einer Zwölfer-Liga auf dem fünften Tabellenplatz.

Noch fehlt ein Stückchen zu den Top Vier im Land des EM-Teilnehmers, doch am Sonntag kommt Spartak Myjava, der Dritte. „Wenn wir gewinnen sollten, ergibt sich eine komplett neue Situation“, sagt Maric. Ärgern wollen sie in Dunajská Streda die Oberen, sie mit mutigem Eroberungsfußball überraschen. Wie einst die Hoffenheimer in ihren besten Zeiten.