VfB Stuttgart Willkommen im Mittelmaß
Heiko Hinrichsen, 07.12.2011 08:00 Uhr
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Der VfB-Torhüter Sven Ulreich muss den Ball aus dem Tor holen. Das 2:2 gegen Köln hat die Stuttgarter zwei Punkte und den Anschluss an die Spitzengruppe gekostet. Foto: Baumann
Der VfB-Torhüter Sven Ulreich muss den Ball aus dem Tor holen. Das 2:2 gegen Köln hat die Stuttgarter zwei Punkte und den Anschluss an die Spitzengruppe gekostet. Foto: Baumann
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Stuttgart - Wüsste man nicht um die Stehaufqualitäten des einstigen Torjägers Bruno Labbadia, man müsste sich um den VfB-Trainer ernsthafte Sorgen machen. Denn auch am Morgen nach dem 2:2 gegen den 1. FC Köln hatte der 45-Jährige sein inneres Gleichgewicht noch nicht wiedergefunden. "Dieses Unentschieden ist extrem ärgerlich, weil es so unnötig war", sagte ein ernüchterter und sehr nachdenklicher Labbadia am Sonntag nach dem Regenerationstraining seiner Profis. Denn nach inzwischen sechs Spielen mit nur einem Sieg droht dem VfB auf lange Sicht das Mittelmaß - und das wurmt Bruno Labbadia sehr.

Kurz nach dem Abpfiff der Partie, in der der Kölner Nationalspieler Lukas Podolski sowie das VfB-Eigengewächs Christian Gentner jeweils zwei Tore erzielten, hatte der 45-Jährige wie nie zuvor in seiner VfB-Zeit Dampf abgelassen, "weil wir uns noch so ein überflüssiges Ei eingefangen haben". Also hatte sich der Trainer wegen des ärgerlichen Ausgleichs zum 2:2 (88.) seinen Mittelfeldstrategen William Kvist noch auf dem Platz vorgeknöpft - und ihn verbal bearbeitet. "Ich muss die Leute ansprechen, die auf dem Platz die Führung übernehmen", sagte der Coach, nachdem er sich etwas gefangen hatte: "Aber William war nur ein Teil einer langen Fehlerkette."

Kontakt zu internationalen Plätzen ist abgerissen

Durch den späten Ausgleich der Kölner, die in Stuttgart seit September 1996 nicht mehr verloren haben, steht der VfB nun bei 22 Punkten, "anstatt bei 24, die ich sehr gerne gehabt hätte", wie Labbadia sagt. Denn der Kontakt zur Spitzengruppe auf den ersten sechs, also den internationalen Plätzen, ist damit (vorerst?) abgerissen. "Dort ist das Niveau noch mal ein anderes als hier in Stuttgart", sagte etwa der Sky-Experte Steffen Freund. Und tatsächlich verkörpert der VfB in dieser Runde bisher höchstens gehobenes Mittelmaß, wobei der Trend bereits vor dem Spiel am Sonntag gegen den FC Bayern nach unten zeigt. Der Meister von 2007 ist auf Kurs in Richtung Niemandsland der Tabelle, wofür es einige Gründe gibt.

"Wenn wir nicht alles vorgeben, kommt sofort Unordnung rein", sagte Bruno Labbadia etwa über die taktische Unreife seiner Mannschaft. So hatte der Kölner Trainer Stale Solbakken in der 85. Minute mit den Einwechslungen von Sebastian Freis und Kevin McKenna eine derart große Verwirrung in der VfB-Hintermannschaft ausgelöst, dass am Ende Lukas Podolski frei zum Schuss gekommen ist.

Defensiv eingestelltes Team

Dass der Angreifer, der in dieser Bundesligasaison so etwas wie die Kölner Versicherung gegen den Abstieg ist, nach einer Viertelstunde bereits das 1:0 vom Elfmeterpunkt aus gelungen war, hatte sich Labbadia aber indirekt selbst zuzuschreiben. Schließlich schickte der Trainer seine Profis im eigenen Stadion gegen den Tabellenelften, der sein letztes Spiel zudem mit 0:3 verloren hatte, mit nur einer Spitze (Cacau) auf den Platz - und stellte sein Team zudem noch sehr defensiv ein.

Die Taktik, die Kölner erst in der eigenen Platzhälfte anzugreifen, war dann aber schnell hinfällig, weil der schwache Khalid Boulahrouz gegen Slawomir Pezko den Ball verlor, ehe Maza den Kölner Flügelspieler im Sechzehner am Standbein traf. Eine Szene, für die der Schiedsrichter Felix Brych aber keinen Elfmeter hätte pfeifen müssen.

Fehlende Durchschlagskraft in der Offensive

Als der VfB danach offensiver agieren musste, wurde eine altbekannte Schwäche der Mannschaft erneut offenkundig: die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive. "Wir haben unsere Konter nicht sauber ausgespielt", monierte Labbadia daher zu Recht. Denn Cacau, der aus kurzer Distanz am FC-Torwart Michael Rensing gescheitert war und nach Spielschluss das Stadion wort- und grußlos verließ, sowie Martin Harnik und Shinji Okazaki vergaben gute Chancen, auf 3:1 zu erhöhen - und den Sack zuzumachen. "Wir waren oft auch zu egoistisch", sagte der Doppeltorschütze Christian Gentner, "und haben das eine oder andere Mal den besser postierten Nebenmann übersehen."

Nur der Manager Fredi Bobic bemühte sich, dem 2:2 eine positive Seite abzugewinnen. "Wir müssen auch mal mit dem zufrieden sein, was wir haben - vor einem Jahr hätten wir über einen Punkt gegen Köln gejubelt. Wir wissen, wo wir herkommen", sagte der 40-Jährige und offenbarte damit unbewusst ein hartnäckiges Problem beim VfB. Denn auch vielen Spielern fällt es weiter schwer, sich von der Vorsaison zu lösen. Dass allerdings niemand, der im Frühjahr dem Abstieg knapp entronnen ist, nun demütig mit Mittelmaß zufrieden sein muss, beweisen die Gladbacher. Die mussten in die Relegation - und sind jetzt Dritter.

VfB Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz (46. Boka), Tasci, Maza, Molinaro - Kvist, Gentner - Harnik, Hajnal (67. Kuzmanovic), Okazaki - Cacau (84. Schieber).

1. FC Köln: Rensing - Brecko, Geromel, Jemal, Sereno - Lanig (85. Freis), Riether - Clemens (60. Roshi), Jajalo, Peszko (85. McKenna) - Podolski.

Schiedsrichter: Brych (München).

Zuschauer: 56 255.

Tore: 0:1 Podolski (15./Foulelfmeter), 1:1 Gentner (29.), 2:1 Gentner (36.), 2:2 Podolski (88.).

Kommentare (1)
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DEZ
07
Au no?!, 18:10 Uhr

Das Problem ist...

..., dass Labbadia -auf gut Deutsch gesagt- einfach nicht die Eier hat, mal einen seiner (z.Zt.) lustlosen Durchschnittskicker aus der Anfangself zu streichen und einem jüngeren Spieler die Chance zu geben. Ich befürchte, dass es Schieber nun ähnlich wie Gebhart ergehen wird und er nie eine wirkliche Chance auf einen Anfangseinsatz bekommen wird, weil Labbadia auf Biegen und Brechen Cacau mit sich rumschleppen möchte. Sehr schade!

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