VfB Stuttgart Wolfs wilde Wechselspiele

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Der Trainer des VfB Stuttgart verändert in Fürth vieles, doch für die enttäuschende 0:1-Niederlage des Tabellenführers in der zweiten Fußball-Bundesliga macht er einen anderen Kernpunkt aus.

Wohin denn nun? Beim VfB stellen sich Co-Trainer Miguel Moreira, Chefcoach Hannes Wolf und Abwehrspieler Timo Baumgartl (von links) wichtige Fragen. Foto: Baumann
Wohin denn nun? Beim VfB stellen sich Co-Trainer Miguel Moreira, Chefcoach Hannes Wolf und Abwehrspieler Timo Baumgartl (von links) wichtige Fragen. Foto: Baumann

Fürth - Es lief die 83. Minute, als die Verzweiflung um sich griff. Hannes Wolf sprang die Außenlinie entlang, er ruderte mit den Armen und rief immer wieder auf den Platz. Schließlich kam die Trainerbotschaft bei Marcin Kaminski an. Der lange Innenverteidiger wurde nach vorne beordert. Für eine letzte Aktion. Einen Kopfball, der dem VfB Stuttgart in Fürth wenigstens noch einen Punkt rettet.

Die Chance kam auch, aber Kaminski brachte keinen Druck hinter den Ball. Also blieb es bei der 0:1-Niederlage und wer die Partie nur in der Schlussphase gesehen hatte, musste sich denken: alles versucht. Selbst mit Plan B wie Brechstange. Doch wer von Anfang dabei gewesen war, konnte sich nicht mehr sicher sein, ob es mittlerweile Plan C, D oder X gewesen war.

Schafft der VfB nach dieser Niederlage trotzdem den Aufstieg? Dazu hat sich StuggiTV in der Stuttgarter Innenstadt umgehört:

Zu oft hatte Wolf an diesem Samstagnachmittag etwas an seiner Elf verändert. Das Personal, das System, die Taktik. Hin und her ging es zwischen Dreier- und Viererkette. Denn nach dem Gegentor von Veton Berisha (9.) stellte der Trainer sofort um. Nur um die Abwehr nach der nächsten Großchance von Berisha zehn Minuten später zurück zu wechseln. „Wir wollten die rechte Abwehrseite mit einem zweiten Mann verstärken“, sagt Wolf, „da aber Fürth gleich darauf reagiert hat, haben wir wieder umgestellt.“

Das böse Wort „vercoacht“ macht die Runde

So funktioniert der moderne Trainerjob heute. Ständig werden neue Pläne geboren, wie man dem Gegner optimal begegnen kann. Und jederzeit werden sie umgeworfen, weil man noch frischere Gedanken entwickelt, wie man dem Gegner in voller Überzeugung ein noch größeres Rätsel stellen kann. Das Problem gegen die SpVgg Greuther Fürth war nur, dass auf dem Rasen des Ronhofs eine Reihe von verwirrten VfB-Spielern zu stehen schienen. Obwohl sie den Plan schon länger kannten, und obwohl sie entsprechend trainiert und in dieser Art auch schon erfolgreich gespielt hatten.

Deshalb machte bereits während der Begegnung das böse Wort „vercoacht“ die Runde. Und hinterher musste Wolf seine Wechselspiele, die experimentell und wild angemutet hatten, erklären. Denn er hatte ja nicht nur die Abwehr neu formiert, sondern ebenso das Mittelfeld und den Angriff umbesetzt. Mit Matthias Zimmermann und Christian Gentner in der Zentrale sowie erstmals mit dem lange verletzten Daniel Ginczek in der Startelf. Damit veränderten sich jedoch auch die Struktur im Spiel und die Statik im Team – was in der Summe wohl zu viel war.

Die zweite Wahrheit

Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Wer hatte vor dem Anpfiff schon wissen können, dass Zimmermann und Gentner nur rastlos zwischen den Fürthern pendeln würden. Und wer hatte vorher schon ahnen können, dass Kaminski und Ginczek vor allem ihre Schwächen an den Tag legen würden.

Im Grunde keiner. Weshalb die Niederlage in Fürth eine zweite Wahrheit beinhaltet. Weg von der Taktikfrage führt diese – und hin zur Einstellungsfrage. Nicht grundsätzlich, aber speziell zu diesem Spiel. Denn der VfB traf auf einen Gegner, der ebenfalls einen spielerischen Ansatz pflegt – und er fand seinerseits selbst keine spielerischen Lösungen. Der VfB ließ aber auch nicht erkennen, dass er gewillt war, den schleichenden Abwärtstrend (erst ein starkes 1:1 in Braunschweig, dann ein schwaches 1:1 gegen Bochum nach zuvor fünf Siegen) mit aller Macht umkehren zu wollen.

Trainer und Manager sehen kein Systemproblem

„Wenn die Bereitschaft fehlt, Zweikämpfe anzunehmen und zu gewinnen, dann spielt die Systematik keine Rolle“, sagt der Manager Jan Schindelmeiser. Vor allem in der Anfangsphase ließen die Gäste das Feuer vermissen, das Wolf so gerne entfacht und gesehen hätte. „Ich tue mich schwer damit, die Gründe für unsere Niederlage in der Taktik zu suchen, wenn wir ständig den Ball verlieren“, sagt Wolf, „zumal wir wieder eine erste Hälfte gespielt haben, die uns in Schwierigkeiten gebracht hat.“ Das treibt ihn um, denn zum einen ist das lange untypisch für den Schnellstarter VfB gewesen. Zum anderen ist es aber zum zweiten Mal nacheinander passiert.

Deshalb grummelt es auch bei Kapitän Gentner: „Es haben sich in den letzten Wochen einige Dinge eingeschlichen, die nicht gut sind. Das müssen wir aber intern besprechen.“ Ob sich daraus ein strukturelles Problem ergibt, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Stuttgarter eine Debatte in die Länderspielpause nehmen, die sie sich am liebsten erspart hätten. Die Zweifel sind zurück. Am mutigen Jungtrainer, der in einer Stadt coacht, für die nur der Aufstieg zählt. Am Team, das zwar vorne steht, aber viele Spiele nur knapp gewonnen hat.

Jetzt gab es die erste Niederlage in 2017 und mit ihr ist auch das Momentum verloren gegangen. Dieses hat nun Union Berlin. Weshalb es passieren kann, dass die VfB-Profis vor dem nächsten Zubettgehen nicht mehr Tabellenführer sind. „Wir haben aber weiterhin eine sehr gute Ausgangsposition“, sagt Schindelmeiser vor der Woche der Wahrheit (Spiele gegen Dresden, München und Karlsruhe in sieben Tagen), die als nächstes kommt und alles andere als wechselhaft verlaufen soll.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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9 Kommentare Kommentar schreiben

Es gibt nicht die eine Wahrheit. : Selbstverständlich hat ein Großteil der Mannschaft unter Normalform gespielt und die einstellung dürfte nich bei jedem gestimmt haben. Und selbstredend macht aktuell auch der Trainer Fehler. Wir vergessen dabei nämlich eines: a.) dass wir hier sowohl von einer jungen und sehr unerfahrenen Mannschaft sprechen, die noch viel Lernen muss und b.) dass dies leider auch für den Trainer gilt, der erst seit einem halben Jahr unter Profi-Bedingungen trainiert und eine Mannschaft führt. Seine Einschätzung der Spieler und seine Maßnahmen im Spielverlauf sind nicht frei von Fehlern, aber das hatte vermutlich auch niemand erwartet. Und selbstverständlich ist es enttäuschend, dass ein Gentner nicht seinen besten Tag hatte. Aber dieses permanete Finger-Pointing bzgl. seiner Leistung finde ich unangemessen. Was Gentner für diese Mannschaft bedeutet, sieht man leider immer erst, wenn er verletzungsbedingt mal fehlt. Bei den vielfach geäußerten Forderungen nach Maxim halte ich es mit der Meinung von Herrn Holzner. Man wird diesen Spieler am Saisonende verkaufen - und das zu recht! Einige wenige geniale Spiele im Jahr, wie gegen St.Pauli zu Saison Beginn, sind schlicht und ergreifend zu wenig. Wo ich bei den meisten Kommentatoren aber konform gehe, ist die notwendige Lösung auf der 6'er Position, wo wir mit Ofori, Hosogai, Zimmermann, Grgic und Gentern (u.U. sogar noch Pavard) genügend Alternativen hätten. Hier sollte Wolf langsam eine Lösung finden. Abschließend bleibt festzustellen, dass ich Schindemeiser und Wolf vertraue und glaube, dass sie die Mannschaft wieder auf Spur bringen werden.

Hannes Wolf: macht das richtig. Was will er denn machen, wenn die Spieler (und auch die Presse - sorry) schon wieder alle in der 1. Liga sind. Es wird härter, härter und noch härter am Schluss. Also müssen alle seit Bochum eine Schippe drauflegen. Die anderen Vereine da oben machen es ja teilweise vor.... Zum Glück nur teilweise!

Die Stunde der Nörgler! : Es lag wie so oft beim VfB nicht an der Aufstellung sondern an der Einstellung! Im Grunde kann es keinen VfB-Fan mehr überraschen, was da in den letzten 3 Spielen passiert ist, weil es schon seit Jahren so geht. Kaum macht die Mannschaft ein paar gute und erfolgreiche Spiele, kehrt der altbekannte Schlendrian wieder ein. Weil man ja der große VfB ist, weil man ja eh zu gut für die 2. Liga ist, weil man ja den besten Kader und den höchsten Etat hat meinen gerade wieder einige, es gehe auch spielerisch, ohne Aggressivität und ohne lästige Zweikämpfe im Mittelfeld. Nicht umsonst sagt Gente, es hätten sich wieder Dinge eingeschlichen, die es intern anzusprechen gelte. Wer da Wolf die Schuld gibt und Leute wie den am liebsten körperlos agierenden Maxim im MF fordert, der hat wirklich keinen blassen Schimmer vom Fußball.

Kaderauswahl: Nur mit biederen Handwerkern im Mittelfeld schießt man eben keine Tore. Ich glaube kein Mensch kann verstehen warum H.Wolf jede Woche Spieler wie Zimmermann, Klein, Gentner oder noch schlimmer Zimmer im Kader hat, während Maxim oder Ofori zu Hause bleiben müssen. Warum wurde Hosogai aussortiert ? Was ein J.Zimmer abliefert reicht nicht mal für die Regionalliga. Ginczek neben Terodde kann nur funktionieren wenn aus dem Mittelfeld auch brauchbare Bälle nach vorne gespielt werden. Dazu braucht man auch Spieler die das können..... !!!

Allerdings..: ... Jean Zimmer ist ein Totalausfall, erst das Gegentor verschuldet und ansonsten grausam.

Vercoacht...: im klassischen Sinn. Was mir verborgen blieb, auch über die vergangenen Spiele, warum in aller Welt Ginczek neben Terodde spielte....Unsinn in meinen Augen. Die Außenpositonen nicht ausreichend besetzt, links war tote Hose in Fürth. Da muss der Herr Trainer anders aufstellen. Zu Gentner fällt mir nichts mehr ein. ..und warum Maxim zu Hause blieb, ist mir unergründlich. Schwacher Kick VfB, so wird das nix mit dem Aufstieg. Erinnerungen an des Abstiegsjahr kommen auf...die letzten Spiele vergeigt.....

Maxim: also wer diesen Spieller bei seinen letzten auftritten gesehen hat, weiß schon warum er nicht aufgestellt wird. Total uneffektiv und lustlos leiert er sein Pensum herunter. Gentner hatte nicht seinen Tag, aber man sollte nicht vergessen, dass er schon viel eingebracht hat. #außerdem was das bei eigentlich allen Spieler, keiner hat seine Normalform gebracht, außer vielleicht Pavard.

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