|
|
Bild 1 von 2 |
|
zum Thema
Stuttgart - Es ist kein Spitzenspiel, wenn der VfB Stuttgart am Sonntag Borussia Mönchengladbach empfängt - das konnte auch niemand erwarten. Beide Mannschaften sind im Vorjahr dem Abstieg nur knapp entronnen und daher froh, überhaupt noch in der ersten Liga mitspielen zu dürfen. Überraschend jedoch ist die neue Rollenverteilung: Denn nicht der VfB ist es, der sich wieder erholt hat, sondern die Borussia - jene Mannschaft also, die 2007, als Stuttgart die Meisterschaft feierte, als abgeschlagener Letzter absteigen musste. Die Frage lautet daher: Was hat Gladbach dem VfB voraus?
Die Ausgangslage
Das Chaos schien nahe in jenen Maitagen des Jahres 2011. Die Gladbacher Mannschaft stand vor dem Abstieg, der Verein vor der Revolution. Im Handstreich wollte eine Oppositionsgruppe um Stefan Effenberg die Macht übernehmen - und scheiterte auf der Mitgliederversammlung wohl auch deshalb, weil Gladbach vier Tage vorher in der Relegation gegen Bochum den zwischenzeitlich nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenverbleib gefeiert hatte.
Am vorletzten Spieltag sicherte sich der VfB die Zugehörigkeit in der Bundesliga. Das ließ auch bei den Stuttgartern die Wogen glätten - auch hier verfehlten auf der anschließenden Mitgliederversammlung die Kritiker ihr Ziel, die Clubführung zu stürzen. Kontinuität statt Neuanfang - so lautete bei beiden Vereinen die Parole.
Die Entwicklung
"Schon nach drei Wochen", hat der Borussia-Trainer Lucien Favre in der Sommerpause gesagt, "hatte die Mannschaft meine Philosophie verstanden." Nach seiner Verpflichtung im Februar holte der Schweizer in der alten Saison 20 Punkte aus zwölf Spielen - und setzte in der neuen den Höhenflug nahtlos fort. Es sind die exakt gleichen Spieler wie im Vorjahr; kein Neuzugang steht in der Stammformation. Favre hat es dennoch geschafft, die Mannschaft noch besser zu machen, denn jeder Einzelne weiß ganz genau, was er zu tun hat.
Natürlich hat die Borussia das große Glück, in Marco Reus (22) über einen jener seltenen Spielertypen zu verfügen, die durch ihre individuelle Klasse das ganze Team auf ein höheres Niveau heben. Doch tragen zum Erfolg auch Spieler bei, von denen man eigentlich geglaubt hat, die besten Jahre lägen längst hinter ihnen - Leute wie Martin Stranzl (31) oder Mike Hanke (28). Hanke gilt inzwischen sogar, neben Reus, als eine Symbolfigur des wundersamen Gladbacher Aufschwungs unter Favre.
Favre sei, "der erste Trainer, der meine Qualitäten richtig zur Geltung bringen will", sagt Hanke. Und so zeigt sich an der Borussia, dass eine funktionierende Fußballmannschaft häufig mehr leisten kann, als es die Summe ihrer Einzelteile vermuten lässt. Der vorläufige Höhepunkt war der 3:1-Sieg gegen FC Bayern, bei dem die Borussia den deutschen Rekordmeister mit einer perfekten Strategie an den Rande der Verzweiflung brachte. Hymnisch feierten anschließend sämtliche Experten den Gladbacher Konzeptfußball.


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>
Fragwürdig
Muß man eigentlich immer diese Vergleiche anstellen, nur, weil eine Mannschaft (Borussia Mönchengladbach) gerade mal erfolgreich Fußball spielt und die andere nicht? Heisst das gleich, dass die einen den besseren Job machen? Es ist noch nicht so lange her, da zeigte Fußballdeutschland auf den VfB und sagte: sieh da, dort wird berauschender Offensivfußball geboten, ein Fest für alle Fußballfreunde. Selbst die grandiosen Bayern sollten sich ein Scheibchen davon abschneiden. Und jetzt feiert man Gladbach, die noch nicht einmal berauschenden Offensivfußball bieten, sondern berauschende Abwehrleistungen, die im besten Falle - wie in dieser Saison - in effizentem Konterfußball enden. So spielen Underdogs und ob die Rechnung von Herrn Favre aufgeht, wird sich nächstes Jahr entscheiden, wenn Gladbach kein Underdog mehr ist. Als tragfähiges Vorbild taugt so ein Fußball in meinen Augen nicht. Ich finde es ungleich schwerer, eine Mannschaft dahin zu bringen, dass Spiel selber zu machen, anstatt das der anderen zu "zerstören". Eine Mannschaft dazu zu erziehen, dass Spiel selber zu machen bringt einen langfristigen Aufbau mit sich, inkl. Rückschläge. Die muß man verkraften, auch als Fan. Aber so wie ich Bobic und Labbadia verstanden habe, ist es genau das, was sie sich beim VfB vorstellen. Und auch, wenn meine Geduld auf die Probe gestellt wird: das ist mir deutlich sympathischer, als das "System" Favre.
Labbadias Weg
Dass Labbadia den VfB in der letzten Saison vor dem fast schon sicheren Abstieg gerettet hat verdient höchsten Respekt. In dieser Saison muss sich Labbadia aber fragen lassen, wohin er den VfB führen will. Von der viel zitierten Handschrift des Trainers ist noch nicht allzu viel zu sehen. Die von ihm oft beschworene Variabilität im Spielsystem ist schön und gut, sie darf aber nicht zur Beliebigkeit werden. Im Moment weiß man als Fan nie so genau, was einen beim nächsten VfB-Spiel erwartet und es wäre fatal, wenn sich der Eindruck verfestigen würde, dass es dem VfB-Coach im Grunde nicht anders geht.
Systemvorteil
Meiner Meinung nach, hinkt dieser VfB / BMG - Vergleich. Schaut man sich z.B. das Spiel der Gladbacher gegen Bayern an, so muss man feststellen, dass die Gladbacher vom Konterfussball leben. Das wird nur funktionieren, solange die Gegner bereit sind, dass Spiel zu machen. Aber auch gegen die Gladbacher werden sich die Gegner anfangen hinten rein zu stellen. Spätestens dann wird es mit Konterfussball zuende gehen und man wird mehr für das Spiel machen müssen. Der VfB kann sich diesen Luxus nicht leisten. Die Erwartungshaltung des Stuttgarter Publikums ist eine Andere. Wir wollen einen offensiven VfB sehen, welcher seine Gegner beherrscht und sein Spiel durchdrückt. So wie es die Bayern oder die Dortmunder tun. Sich hinten reinstellen und kontern ist nicht unser Ding und wir haben dafür auch nicht die Spitzen (event. Schieber wenn er wieder fit wird/wäre). Wir benötigen eher Kreativität aus dem Mittelfeld und da hängt es gewaltig. Von dort kommen zu wenig Impulse, wenn der Gegner hinten drin steht. Vielleicht wäre ein Salihovic wirklich eine Alternative. Denn ich glaube nicht, dass wir in der Jugendmannschaft einen Messi versteckt haben. Um so eine Position auszufüllen benötigt es Erfahrung und die hat ein junger Spieler nicht. Höchstens wirklich Jahrhunderttalent, aber wie schon gesagt, glaube nicht, dass wir einen solchen 10-er irgendwo versteckt haben und bisher ist er weder Bobic noch Labbadia aufgefallen. Ich denke wir haben eher ein Konzentrationsproblem. Immer wenn wir einen Ball klären, landet er nicht beim Mitspieler, sondern in den Füssen des Gegeners. Irgendwo fehlt die letzte Konsequenz eine Situation endgültig zu klären. Daher viele unnötige Gegentore.