""Im Fußball hat man immer eine kleine Chance. Ich freu mich auf Barça – das wird geil.""
Alexander Hleb vor dem Auftritt im Camp Nou
Stuttgart - Die erste Auswärtsniederlage seiner Ära, das 1:2 beim FC Schalke, war schon mehr als eine Stunde alt - doch Christian Gross hatte weiterhin viel Mühe, den aufgestauten Frust hinter seiner professionellen Fassade zu verbergen. "Es nutzt nichts, die Dinge jetzt gegenüber den Spielern emotional aufzuarbeiten", sagte der VfB-Trainer, "denn das ändert nichts an den Argumenten." Also wird der Coach vor dem Saisonhöhepunkt, dem Rückspiel im Achtelfinale der Champions League am Mittwoch in Barcelona, ruhig bleiben - und Seelenmassage betreiben.
Das ist auch gut so, denn die faktischen Erkenntnisse aus den Bundesliga-Generalproben in Bremen und auf Schalke sprechen vor dem Spiel des Jahres in der europäischen Königsklasse nicht zwingend für den VfB. "Wir haben fünf Punkte verloren", analysierte der Mittelfeldmann Alexander Hleb. Das hörte sich kühn an, ganz falsch jedoch war es nicht. In beiden Spielen war der VfB über weite Strecken die bessere Mannschaft. Trotzdem hat das Team aus den Gastspielen an Weser und Ruhr nur einen Punkt mitgenommen - und sich somit (vorerst) aus dem Rennen um die internationalen Plätze verabschiedet. Wird die traditionelle Aufholjagd diesmal also nicht wie in den drei Vorjahren mit dem internationalen Geschäft belohnt? Und was sind die Lehren für das Spiel in Barcelona?
Gross verliert nicht gerne
Es hat eine Menge Gründe dafür gegeben, warum der VfB trotz eines ansehnlichen Auftritts ("der VfB war das bessere Team", sagte Schalkes Trainer Felix Magath) in der Gelsenkirchener Arena am Ende der Verlierer war - und nun Gefahr läuft, in den letzten acht Spieltagen der Bundesliga im Niemandsland der Tabelle herum zu dümpeln. Christian Gross, dem deutlich anzusehen war, dass er nicht gerne verliert, fasste die Partie auf Schalke so zusammen: "Es war ein gutes Auswärtsspiel, leider mit zwei Fehlern zu viel", das sagte der 55-Jährige zunächst, um dann grundsätzlicher zu werden: "Wir hatten defensiv eine zu hohe Fehlerquote - und vorne hat uns die Entschlossenheit im Abschluss gefehlt."
Viel Zeit, über die verbliebenen Chancen im nationalen Geschäft zu grübeln und die Fehler zu analysieren, haben die Stuttgarter nicht. Zwar wartet auf den VfB bereits am Samstag mit Hannover 96 die nächste Bundesliga-Nagelprobe und die zugleich letzte Chance, vielleicht doch noch in den Kampf um die Europa-League-Tickets einzugreifen. Doch zuvor müssen sich der Trainer und seine Mannschaft international bewähren: Schließlich hebt bereits am Dienstag um 10 Uhr am Flughafen in Echterdingen die Chartermaschine ab, die den VfB-Tross nach Katalanien bringt: zur Partie des Jahres in Barcelona.
Barça ist kein einfacher Gegner
Aus den Gastspielen in Bremen und auf Schalke die richtigen Lehren zu ziehen, um letztlich bei Barça zumindest gut auszusehen - dies ist der Auftrag an die Spieler, die am Samstagmorgen in Dortmund trainierten, ehe sie nach dem freien Sonntag am Montag zur letzten Übungseinheit auf dem Clubgelände vor dem Abflug am Dienstag zusammen kommen. Ist am Ende dennoch die ganz große Sensation möglich, die der Einzug in die Runde der letzten acht in der europäischen Königsklasse bedeuten würde? "Wir brauchen das perfekte Spiel", sagt der Trainer Christian Gross. Das durchaus achtbare 1:1 aus dem Hinspiel lässt seinem Team zwar eine Restchance offen. Doch in Normalform ist Barça zu Hause eine Macht.
Und so werden sich einige VfB-Profis gegenüber dem Schalke-Spiel deutlich steigern müssen, wenn sie sich das Schicksal der Bayern ersparen wollen, die im Vorjahr im Camp Nou im Viertelfinalhinspiel mit 0:4 untergingen. Schließlich erwischten einige VfB-Akteure am Freitag auf Schalke keinen Glanztag. Allen voran der talentierte Timo Gebhart, der im rechten Mittelfeld nicht präsent war, die meisten Zweikämpfe verlor und sein schlechtestes Saisonspiel machte. Während der emsige Hleb immer besser mit Cristian Molinaro harmoniert, war vom Sturm wenig zu sehen: Pawel Pogrebnjak fehlte es an Durchsetzungskraft, und Cacau unterliefen zu viele Abspielfehler - zudem harmonierten beide Stürmer schlecht miteinander. Obendrein wackelte die Abwehr um den Interimschef Serdar Tasci - und so wurde Schalke das Toreschießen zweimal zu leicht gemacht.
"Jetzt spielen wir gegen die weltbeste Mannschaft - und besitzen noch eine Minichance", sagte der Manager Horst Heldt vor dem Barça-Spiel: "Um die zu nutzen, müssen wir trotz der Niederlage positiv denken. Denn ohne das nötige Selbstvertrauen geht gegen Barcelona gar nichts."