""Jeder von uns kennt genau seine Aufgabe, weil der Trainer viel mit uns spricht.""
Der Verteidiger Serdar Tasci über Christian Gross
Stuttgart - Es war schon Winter, als Christian Gross am 6. Dezember den Trainerposten beim VfB Stuttgart übernommen hat. Jetzt ist es immer noch Winter, aber es hat sich viel verändert. Vor drei Monaten lag der Verein am Boden. Die Krise wollte nicht enden. Inzwischen ist dagegen sogar der Einzug ins internationale Geschäft möglich. Die Krise ist vorbei. Welchen Problemberg hat Gross abgetragen? Eine Analyse in zehn Punkten.
Das Tabellenproblem
Vor Gross belegte der VfB den 16. Platz. Der Abstieg drohte. Von den ersten 15 Saisonspielen hatte die Mannschaft nur zwei gewonnen, das letzte am 26. September in Frankfurt. Mit Gross hat sich der Club auf Rang sieben vorgekämpft und stellt das zweitbeste Rückrundenteam, einen Zähler hinter dem FC Bayern. Der Abstand zu Platz fünf, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, beträgt nur noch sieben Punkte. Vielleicht reicht auch der sechste Rang. Dazu fehlen vier Zähler.
Das Stimmungsproblem
Vor Gross herrschte im Verein und im Umfeld eine explosive Mischung aus Niedergeschlagenheit und Aggressivität. Das entlud sich nach dem 1:1 am 5. Dezember gegen Bochum, als einige gewaltbereite Fans ihren Zorn gegen die Mannschaft richteten. Mit Gross ist es auf allen Ebenen friedlich geworden. Der Schulterschluss ist vollzogen - Spieler und Anhänger sind wieder vereint.
Das Disziplinproblem
Vor Gross lief vieles im Kader aus dem Ruder. Es gab Profis, die zu spät zu einem Treffpunkt erschienen oder die das falsche T-Shirt trugen oder die beispielsweise verbotenerweise im Mannschaftsbus telefonierten. Sichtbare Konsequenzen hatte das keine. Auf dem Platz setzten sich diese Verfehlungen dann fort, denn auch da wurden die Absprachen zunehmend seltener befolgt. Mit Gross ist ein neuer Geist eingezogen. Er ist der Chef - und der Chef hat recht. "Anweisungen, über die manche bis vor kurzem noch gemurrt hätten, werden heute von den Spielern anstandslos umgesetzt", sagt der Manager Horst Heldt.