Video von US-Helikopterangriff "Kommt schon, lasst uns schießen"
dpa, 07.04.2010 09:12 Uhr
 Foto: AP
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Washington - Es sind Bilder voller Grauen und Gewalt - und zugleich Belege eines folgenschweren Fehlurteils: Fast drei Jahre nach einem tödlichen Angriff eines US-Kampfhubschraubers auf Zivilisten und zwei irakische Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters sorgt ein im Internet aufgetauchtes Video der Attacke für Aufsehen. Die vom Webportal Wikileaks (http://www.collateralmurder.com; http://wikileaks.org/) veröffentlichten, dramatischen Aufnahme der Bordkamera zeigen, wie der Apache-Helikopter immer wieder auf Menschen am Boden feuert - sogar dann, als ein Kleinbus Verletzte von der Straße bergen will.

Die beiden Reuters-Mitarbeiter wurden wegen der mit langen Objektiven versehenen Kameras um ihre Schultern von der Besatzung fälschlicherweise als Aufständische mit Kalaschnikows gehalten. Der erst 22 Jahre alte Fotograf Namir Nur-Eldeen und sein 40 Jahre alter Assistent und Fahrer Said Chmagh sind zu sehen, wie sie zunächst in aller Ruhe in Begleitung anderer eine Straße entlang gehen - und dann in das Visier des Kampfhubschraubers geraten.

Nach den ersten Salve versuchen die Männer panisch Schutz zu suchen - das schwere Maschinengewehr des Helikopters wirbelt am Boden dicke Staubschwaden auf, Steinbrocken fliegen umher. Insgesamt starben bei dem verheerenden Angriff vom Juli 2007 zwischen 12 und 15 Menschen, berichtete der US-Fernsehsender CNN am Dienstag.

Festgehalten sind auch die teils menschenverachtenden Dialoge zwischen Cockpit und Kommando. "Hahaha - ich hab sie getroffen!", lacht einer der Piloten nach dem verheerenden Beschuss aus der 30-Millimeter-Bordkanone. "Da liegen jetzt ein Haufen Leichen herum - ein Typ kriecht noch umher", sagt jemand. "Wir schießen noch ein paar mehr". Ein Crewmitglied meint ungeduldig: "Kommt schon, lasst uns schießen." Ein Soldat sagt zum anderen: "Du schießt, ich rede."

Eine Untersuchung der Attacke habe ergeben, dass "den beteiligten US-Soldaten die Anwesenheit von Reportern nicht klar war und dass alle verfügbaren Hinweise darauf schließen ließen, dass der Angriff Aufständischen galt und nicht Zivilisten", zitiert CNN eine Stellungnahme der US-Streitkräfte. Es habe seitens des Militärs niemals den Versuch einer Vertuschung gegeben.

Das Video zeigt, wie sich der Fahrer Said Chmagh noch schwer verletzt davon schleppen will. "Jetzt musst Du nur noch ein Waffe aufheben", meint ein Besatzungsmitglied drohend an die Adresse des Reuters-Mitarbeiters. Als ein Kleinbus heran rast und den 40-Jährigen bergen will, eröffnet die Apache-Besatzung abermals das Feuer - der Bus wird von den Geschosseinschlägen hin und hergeschleudert. Anscheinend starb Chmagh erst nach dem neuerlichen Beschuss, berichtete CNN. Sein junger Kollege ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Die Wikileaks-Betreiber sehen sich als "Ansprechpartner für diejenigen, die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen." Die Idee dahinter: Kritische Journalisten und Blogger sollen die geheimen Informationen aufgreifen und so Öffentlichkeit herstellen - daher das "leaks" im Namen, das für undichte Stellen steht. Der Name ist zudem an das Mitmach-Lexikon Wikipedia angelehnt, weil dort jeder etwas veröffentlichen kann.
Kommentare (10)
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DEZ
15
Christian Tobisch, 13:47 Uhr

Hubschrauber-Angriff auf Zivilisten in Bagdad

Viel ist die Rede von der Rechtmäßigkeit der Veröffentlichung, auch immerhein von der Bestätigung durch die Militärs. Was mir fehlt, nicht nur angesichts der Kommentare der Mordschützen, ist eine Information über die BEstrafung der Kriegsverbrecher. Gab es Konsequenzen für die BEsattzung des Apache-Helikopters und für den zuständigen Offizier?

APR
08
Heinz Hamann, 17:50 Uhr

Versagen der Medien bei dieser gewissenlosen Mord-Aktion.

Wären zwei der Toten, der Fahrer Sameed Chamagh und der Fotograf Namir Noor-Eldee, nicht Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters gewesen, so wäre die militärisch sanktionierte Mordaktion wohl niemals ans Licht der Öffentlichkeit gekommen. Doch ist das nur einer von mehreren Skandalen, die mit dem bislang geheimgehaltenen Video verknüpft sind. Aber unsere Haus- und Hof-Medien sind ja ständig "imbedded" - traurig für einen Journalismus, der längst nicht mehr investigativ tätig ist. Und dies in einer Demokratie!

APR
08
Chrigu, 13:01 Uhr

Was ist denn aus meiner Zeitung geworden?

Ich schätze die StZ sehr für ihre äußerst lesenswerten, hintergründigen Politik-Berichte. Ich wollte gerade einen honorierende Mail schreiben. Die StZonline ist aber gerade dabei, diesen Ruf gründlich zu ramponieren. Man braucht sich doch nur anzusehen, was die "Konkurrenz" auch noch nach der Video-Veröffentlichung bewegt: wichtige Themen unserer Zeit und Hintergrundberichte auch zu WikiLeaks werden aufgegriffen, man kommt schlicht der journalistischen Pflicht nach. Eigentlich sollten alle Journalisten den investigativen "Leakern" dankbar sein… http://news.google.com/news?q=wikileaks In der StZ regiert wieder das unbedeutendere Tagesgeschehen und lässt anderes schnell vergessen. Ich kann es nicht verstehen, warum auf der Startseite wieder groß Brot und Spiele fürs Volk präsentiert wird – so reduziert sich die StZ in meinen Augen zu einem Lokalblatt, dass auf Klicks statt auf Inhalte setzt (Politik steht unmissverstänlich hinter dem Sport)!

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