Vierzig Jahre Kunststiftung Baden-Württemberg Wanderausstellung im Campingbus

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Geld und Räume für den Nachwuchs – und aus manchem Talent wird ein Künstler mit Erfolg: Die Kunststiftung Baden-Württemberg wird vierzig Jahre alt.

Kunst auf Rädern:  Mit ihrer Tour durchs Land haben  die Stipendiaten 2015 auch kunstferne Orte beglückt. Foto: Daniela Wolf
Kunst auf Rädern: Mit ihrer Tour durchs Land haben die Stipendiaten 2015 auch kunstferne Orte beglückt. Foto: Daniela Wolf

Stuttgart - Andere Häuser haben es leichter. Sie müssen zwar auch mit Kürzungen rechnen, aber immerhin, sie werden verlässlich finanziert. Wenn Bernd Milla dagegen sicherstellen will, dass die Kunststiftung Baden-Württembergauch morgen noch junge Künstlerinnen und Künstler fördern kann, muss er vor allem reden. Er muss auf die Menschen zugehen, sie bezirzen und überzeugen, dass sie in den Geldbeutel greifen und Paten werden. Der Einsatz lohnt sich: Jeden Euro, den die Kunststiftung gespendet bekommt, verdoppelt das Land. Das Konzept scheint sich zu bewähren. Mehr als 1100 Stipendiaten konnten bisher gefördert werden.

An diesem Dienstag feiert die Kunststiftung Baden-Württemberg ihr vierzigjähriges Bestehen, selbstverständlich gerecht verteilt: Der Festakt findet in Stuttgart statt und die Jubiläumsausstellung, die am 3. November eröffnet wird, im Badischen, im ZKM in Karlsruhe. Eines scheint der Stiftung besonders gut zu gelingen: mit Kultur Grenzen zu überwinden. So war das bereits bei der Gründung 1977, denn die Kunststiftung wollten die Landtagsabgeordneten quer durch alle Parteien. Bis heute sind in den Gremien Politiker aller Couleur vertreten und trommeln für den künstlerischen Nachwuchs im Land. Denn wie der Geschäftsführer Milla müssen auch sie antichambrieren, um Förderer zu finden.

Überwiegend Förderer aus dem Mittelstand

Das ist nicht einfach, deshalb schwankt die Zahl der Stipendien. „Es hat sich aber stabilisiert“, sagt Milla. Große Firmen würden sich heute vor allem bei Festivals engagieren, die Kunststiftung hat meist Förderer aus dem Mittelstand. „Familienbetriebe“, sagt Milla. Wie seine beiden Vorgängerinnen Ingeborg Kimmig und Petra Olschowski versucht er, jüngere Paten zu finden, was nicht einfach ist. Er ist trotzdem zuversichtlich, in der Kreativwirtschaft und in jungen Unternehmen dauerhaft die Finanziers von morgen zu gewinnen.

So mühsam es sein mag, Jahr für Jahr Spender für junge Kunst zu begeistern: Das Modell hält die Kunststiftung lebendig und hilft, auch jenseits von Stuttgart Kulturfreunde ins Boot zu holen. „Durch die Paten hat man eine breite Verankerung“, sagt die Landtagsabgeordnete der Grünen, Brigitte Lösch, die seit zwei Jahren Vorstand des Beirats ist. Die Idee der Gründer sei es gewesen, über die Paten Unterstützung aus ganz Baden-Württemberg zu bekommen – ob durch Einzelpersonen oder Unternehmen, Städte oder Landkreise.

Deshalb sind die Veranstaltungen der Kunststiftung sehr wichtig. Man will dem künstlerischen Nachwuchs nicht nur Auftrittsmöglichkeiten bieten, sondern ihn auch mit dem Publikum zusammenbringen. Darum Ausstellungen, Konzerte, Lesungen nicht nur in der Villa in Stuttgart, sondern im gesamten Land. 2015 zog eine Ausstellung der Stipendiaten beispielsweise in einem Wohnwagen durchs Land und machte Station im Skimuseum Hinterzarten oder auf Schloss Neuenbürg.

Stipendiaten als kulturelle Botschafter

So ist und bleibt der Bezug der Kunststiftung zu Baden-Württemberg zentral. Trotzdem versucht sie sich zu öffnen und kooperiert mit Partnerstädten wie Straßburg oder Regionen wie Katalonien. Die einstige Geschäftsführerin Ingeborg Kimmig nutzte eine größere Zustiftung, um zwei Apartments in Berlin zu kaufen, die den Stipendiaten ermöglichen, die Hauptstadt kennenzulernen, ohne dem Land sofort Adieu sagen zu müssen. „Die Kunststiftung dreht sich nicht nur um regionale Künstler“, sagt Milla. Deshalb wurde inzwischen die Satzung dahingehend geändert, dass zur Bewerbung lediglich ein regionaler Bezug genügt – etwa, weil man in Baden-Württemberg studiert oder gelebt hat. Für Milla sind die Stipendiaten „kulturelle Botschafter“, die den Ruf der Kunststiftung in andere Städte und Regionen tragen.

Bis zu 12 000 Euro erhalten Stipendiaten. „Eine Art Starthilfe“, sagt Milla. Derzeit entsteht eine Masterarbeit, die untersucht, was aus den Ehe­maligen geworden ist. Ob Bildende Kunst, Musik, Literatur, Theater – viele der in Baden-Württemberg tätigen Kulturschaffenden wurden einst gefördert. Es sind einige darunter, die später eine beachtliche Karriere gemacht haben. Anne-Sophie Mutter hat man sogar beim Ankauf einer Geige unterstützt.

Praktische Unterstützung im Kunstbüro

Wer von den rund 350 Bewerbern pro Jahr den Zuschlag erhält, entscheiden Fachjurys und der Beirat. Bernd Milla sieht die Aufgabe der Kunststiftung in erster Linie darin, Kunst zu fördern, die es schwer hat. Gerade weil der Kunstmarkt heute sehr stark sei, müsse man auch Performances und Experimentelles unterstützen. Den Löwenanteil der Geförderten macht die Bildende Kunst aus, unter den zwanzig Stipendiaten 2016 sind sieben Bildende Künstler. Milla, seit 2010 Geschäftsführer, hat aber auch versucht, die Musik und dabei vor allem Jazz und elektronische Musik zu stärken, um auch Absolventen der Pop-Akademie die Möglichkeit zu geben, sich zu bewerben. „Die Gesellschaft lässt sich nicht mehr in Schubladen stecken“, sagt er; die interessanten Projekte seien häufig die spartenübergreifenden.

Neben der finanziellen Unterstützung stehen in der Villa der Kunststiftung fünf Ateliers zur Verfügung. 2009 wurde unter ihrem Dach zudem das Kunstbüro gegründet, das dem Nachwuchs in praktischen Dingen zur Seite steht, bei der Künstlersozialkasse oder der Erstellung einer Homepage. „Wir wollen nicht nur Geld geben“, so Bernd Milla, „sondern die Künstler auch bei der Professionalisierung unterstützen.“