Volksentscheid Goll schert nur kurzzeitig aus
Renate Allgöwer, 09.09.2010 18:16 Uhr
Das Volk soll über Stuttgart 21 entscheiden, so die SPD. Die Idee hat wenig Chancen auf Realisierung. Foto: dpa
Das Volk soll über Stuttgart 21 entscheiden, so die SPD. Die Idee hat wenig Chancen auf Realisierung. Foto: dpa
""Ein solcher Weg ist völlig unrealistisch""
Justizminister Goll über den Volksentscheid

Stuttgart - Der Vorschlag der SPD, einen Volksentscheid zu Stuttgart 21 zu ermöglichen, hat kurzfristig zu Turbulenzen in der Landesregierung geführt. Justizminister Ulrich Goll (FDP) hatte es anders als Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) zunächst abgelehnt, den Vorschlag überhaupt zu prüfen. "Ein solcher Weg ist sowieso völlig unrealistisch, insofern brauchen wir uns damit auch nicht weiter zu befassen", sagte Goll am Donnerstag.

Die SPD hatte am Mittwoch einen Weg vorgestellt, der ihrer Einschätzung nach ein landesweites Volksbegehren über das Bahnprojekt möglich macht. Dabei sollte ein künstlicher Konflikt zwischen Landesregierung und Landtag herbeigeführt werden, der dann durch einen Volksentscheid aufgelöst werden kann. Der Vorschlag setzt voraus, dass die CDU-FDP-Regierung einen Gesetzentwurf einbringt, durch den die Verträge zu Stuttgart 21 aufgehoben werden. Goll sagte schon am Donnerstag, die Regierung sei nicht bereit, einen solchen Gesetzentwurf einzubringen.

Der Vorschlag hat kaum Chancen


Zunächst geht es aber um die rechtliche Prüfung. Tanja Gönner räumt dem Vorschlag auch nicht viele Chancen ein, sie hatte aber zugesagt, "dennoch werden wir gemeinsam mit dem Innenministerium und dem Justizministerium den Vorschlag der SPD sorgfältig prüfen". Dabei bleibt es auch. Goll vertrete seine persönliche juristische Meinung, heißt es aus dem Verkehrsministerium, und das Innenministerium erklärt ebenfalls "wir prüfen". Die ultimative Auskunft kommt aus dem Staatsministerium: "Es besteht Einigkeit in der Landesregierung", betont ein Mitarbeiter von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU). Die Ministerien würden in enger Zusammenarbeit den Vorschlag der SPD prüfen. Punkt.

Die aktuelle Situation sei nicht so, dass man Vorschläge der Opposition reflexartig zurückweisen könne, diese Meinung herrscht in allen Ministerien vor, aber nur der Sprecher des Verkehrsministeriums spricht sie auch aus. Die Prüfung abzulehnen wäre das falsche Signal an die Projektgegner, das nur zu weiterer Polarisierung führen würde, heißt es hinter den Kulissen. Dennoch gilt der Vorschlag der SPD-Spitze nicht als aussichtsreich. Das juristische Konstrukt, einen unauflöslichen Konflikt zu inszenieren, halten manche Juristen für "doppelt so abstrus" wie das vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen sich selbst inszenierte Misstrauensvotum, mit dem er 2005 Neuwahlen erzwang.

Kommentare (4)
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SEP
10
Stuttgarter Stimme, 13:28 Uhr

Angst vor der Stimme des Volkes.

Der Graben zwischen Politik und Bürgern wird immer größer. Der Politikstil der CDU und SPD schadet nur der Demokratie.

SEP
10
IM Maulwurf, 07:03 Uhr

Na dann...

prüfen wir mal schön. Den Grünen scheint es ja gerade auch nicht langsam genug gehen zu können, oder wie erklärt sich der Vorschlag, erst zur Landtagswahl über S21 abstimmen zu wollen? So ein verlogener Haufen.

SEP
09
Holger, 20:32 Uhr

Wie durchsichtig Tanja Gönner!

Wird das Streitgespräch über S21 heute Abend "live" ausgestrahlt? Falls ja, liebste Frau Gönner, dann muss sie Goll's Fauxpas ja ziemlich schockiert haben. Er macht sie als Regierungsmitglied sofort in der Sendung angreifbar! Oh je, doch nicht vor der Sendung!!! Danach gerne!!! Sehr, sehr durchsichtig. Aber nun ja, vielleicht überraschen sie mich ja - wäre das erste mal, aber ich würde mich freuen. Nur leider glaube ich nicht daran... :-(

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